Hohenpeißenberg:Vom Sommer direkt zum Winter

Der Herbst fiel im Alpenvorland zu warm und zu trocken aus

Von Armin Greune, Hohenpeißenberg

Der Herbst ist im Fünfseenland deutlich wärmer ausgefallen, als den langjährigen Beobachtungen nach zu erwarten gewesen wäre. Mit einer Durchschnittstemperatur von 9,5 Grad lagen die Werte für September bis November um knapp zwei Grad über dem Herbstmittel der Jahre 1961 bis 1990. In der 240-jährigen Messreihe des meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg gehört damit der diesjährige Herbst zu den zehn wärmsten. Lediglich der Oktober 2020 blieb mit 7,8 um 0,2 Grad unter dem langjährigen Monatsmittel; der September lag mit 13,7 um 1,7 Grad darüber.

Der heurige November aber wich mit 6,0 Grad sogar um 3,4 Grad von der Statistik nach oben ab. Am 2. stieg das Thermometer auf dem Hohen Peißenberg sogar noch einmal auf mehr als 20 Grad, der letzte Tag des Monats war mit einem Minimum von minus 5,4 Grad dort auch der kälteste. An der 300 Meter niedriger gelegenen Messstation im Andechser Ortsteil Rothenfeld reichten die Novembertemperaturen von minus 6,0 bis 21 Grad; das Monatsmittel lag mit 4,6 Grad deutlich unter den Werten des Hohen Peißenbergs. Dort herrschten häufiger Inversionswetterlagen, während sich im Fünfseenland der Nebel hielt. Das spiegelt sich auch in der Sonnenscheinstatistik wieder: In Andechs wurden im November 137, am Observatorium 146 Stunden gemessen, womit das langjährige Monatsmittel um 58 Prozent übertroffen wurde. Mit 22 Liter pro Quadratmeter Niederschlag wurden auf dem Hohen Peißenberg nur 30 Prozent des statistischen Mittels erreicht - in Rothenfeld sogar nur 24 Prozent des Monatsdurchschnitts. Bundesweit war es der trockenste November seit 1881, als das Messnetz des Deutschen Wetterdienst eingerichtet wurde.

Der gesamte Herbst 2020 brachte auf dem Hohen Peißenberg 197 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und so 80 Prozent des statistisch zu erwartenden Werts. In Andechs regnete es 190 Liter pro Quadratmeter, 82 Prozent des langjährigen Mittels. An beiden Messorten fiel der Oktober aus der Rolle, der in diesem Jahr deutlich nasser und trüber war, als gewohnt. Der klassische Altweibersommer blieb heuer aus, ein "goldener Oktober" stellte sich nur an einzelnen Tagen ein. "Der Herbst führte uns vom Sommer direkt in den Winter", sagt Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter auf dem Hohen Peißenberg. Tatsächlich wurden noch am 15. September am Observatorium 25,3 Grad gemessen, meteorologisch wird ein Sommertag mit einer Maximaltemperatur von mehr als 25 Grad definiert. Schon zehn Tage später fielen die ersten Schneeflocken.

© SZ vom 10.12.2020
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