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Gericht:Erfundene Bagger-Attacke

Arbeiter aus Gilching wird vom Amtsgericht freigesprochen

Der Vorfall, mit dem sich das Starnberger Amtsgericht befasst hat, liegt mehr als ein Jahr zurück. Im November 2018 soll der 52-jährige Fahrer eines Minibaggers, der abends auf einem Betriebsgelände gearbeitet hat, einen Gilchinger absichtlich an der Schulter gerammt haben, nachdem der sich über den Baustellenlärm beschwert hat. Der Arbeiter musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten, wurde aber freigesprochen. Der Angeklagte hatte den Tatvorwurf vehement abgestritten.

Zudem hatten sich der Anlieger und seine Ehefrau in ihren Zeugenaussagen in Widersprüche verstrickt. Richterin Christine Conrad warf insbesondere der Frau vor, gelogen zu haben. Denn ihr Ehemann hatte in der Verhandlung auf Nachfragen eingeräumt, dass er von der Baggerschaufel "nur unangenehm berührt" wurde. Gestürzt sei er deshalb nicht. Zuvor hatte der 53-Jährige noch behauptet, dass er von dem Baggerführer mit der Schaufel angegriffen und in den Dreck geschubst worden sei. Doch die Ehefrau, die spontan noch als Zeugin zu dem Prozess nachgeladen wurde und damals vom Balkon aus das Geschehen beobachtet haben will, beharrte auf der Angriffsversion. Zudem erzählte die Zeugin dem Gericht, dass ihr Mann danach mit blauen Flecken an der Schulter nach Hause gekommen und seine Jacke kaputt gewesen sei. Auch das hatte ihr Partner zuvor anders geschildert.

Der Staatsanwältin wurde bald klar, dass sich das Blatt im Prozess zugunsten des Angeklagten wendete. Sie hielt die Aussagen der Zeugen für "sehr vage und nicht glaubhaft". Die Strafverfolgerin beantragte daher selbst einen Freispruch für den Familienvater, dem ein Angriff mit der Baggerschaufel auf den Anwohner nicht nachzuweisen war. Zudem liege nicht einmal ein Attest über die angeblichen Verletzungen vor, sagte die Staatsanwältin. Der Verteidiger sah dies ebenso und verwies auf die "vielen Widersprüche" in den Aussagen der Eheleute. Sein Mandant hatte zuvor sogar berichtet, dass er von dem aufgebrachten Anlieger gepackt worden sei, damit er nicht davon laufen konnte. Nachdem der kräftige Kontrahent als angebliches Opfer ausgesagt hatte, erklärte der schmächtige Angeklagte am Schluss: "Mir ist zum Weinen zumute, wenn ich diese Lügen höre."

Die Richterin sprach den Baggerfahrer aus Mangel an Beweisen frei und bezichtigte die Zeugen, mit "massivem Belastungseifer eine Geschichte aufgetischt" zu haben. So etwas habe sie in 16 Jahren als Strafrichterin nur selten erlebt, sagte sie. Die Staatsanwältin überlegt nun, gegen die Ehefrau wegen Falschaussage zu ermitteln.

© SZ vom 15.02.2020
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