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Gauting:Alte Villa auf Gräberfeld soll Neubau weichen

Krapfberg 5 in Gauting; Haus Krapfberg 5 in Gauting

Die alte Villa am Krapfberg soll dem Erdboden gleichgemacht werden, wenn es nach dem Gemeinderat Gauting geht. Das Haus, das der Kommune gehört, steht schon länger leer.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Gemeinde will das marode Haus in Toplage abreißen lassen und das Gelände verkaufen. Das könnte schwierig werden, denn die Anhöhe in der Ortsmitte diente den Menschen vor knapp 1500 Jahren als Friedhof.

Von Michael Berzl

Der nächste Abriss in der Ortsmitte von Gauting: Diesmal erwischt es eine alte Villa in der Nähe des Rathauses, die seit ein paar Jahrzehnten der Gemeinde gehört. Das Gebälk in dem Haus am Krapfberg ist marode, das Gebäude steht schon eine Weile leer; Moos überzieht das Dach, Efeu überwuchert Wände.

Nun ist das Bauamt dabei zu prüfen, welche Neubebauung auf dem Hanggrundstück in Toplage möglich wäre, und hat daher selbst einen entsprechenden Vorbescheidsantrag auf den Weg gebracht. Das etwa 1200 Quadratmeter große Grundstück soll dann verkauft werden. Wann der Altbau abgebrochen werden soll, steht noch nicht fest.

Zuletzt hatte die Gautinger Tafel noch eine Etage der alten Villa mit Türmchen und Torbogen für die Ausgabe von Lebensmitteln an bedürftige Menschen genutzt. Vor fast drei Jahren ist die karitative Einrichtung in einen Neubau an der Grubmühlerfeldstraße umgezogen.

Die Fläche am Krapfberg soll nun verwertet werden. Mit Einschränkungen auf eigenem Grund muss die Gemeinde vor allem deswegen rechnen, weil es sich um archäologisch sensibles Gebiet handelt, wie Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) in der Beratung im Ausschuss deutlich machte. Die Anhöhe in der Ortsmitte diente den Menschen vor knapp 1500 Jahren als Friedhof. Darauf lassen Grabungsfunde schließen. Der Archäologe Stefan Sandbichler aus Moorenweis hat vor gut zwei jahren das Grundstück im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege erkundet. Bei stichprobenartigen Untersuchungen stieß er auf sieben Gräber, mit mehr als 100 sei zu rechnen.

Wegen der archäologisch bedeutenden Funde musste die Gemeinde ihre ursprünglichen Pläne schon abspecken. "Der Hang soll dort nicht angegraben werden. Das ist eine große archäologische Fundgrube", sagte die Bürgermeisterin. Nun ist ein Gebäude mit einer Grundfläche von 140 Quadratmetern und einer Wandhöhe von neun Metern vorgesehen.

Laut Antrag soll das Wohnhaus mit Garage drei Etagen bekommen. Mit großer Mehrheit hat der Bauausschuss den Vorbescheidsantrag gebilligt. Dagegen stimmten nur die Gemeinderäte Eberhard Brucker (SPD) und Susanne Köhler (Grüne).

© SZ vom 19.01.2021
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