Freizeit Schwimmenten und Co.

Kunst und Kitsch finden beim Dießener Flohmarkt reißenden Absatz.

(Foto: Nila Thiel)

Der Dießener Flohmarkt ist einer der größten in Bayern. Dort gibt es Kunst und Kitsch

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Dießen

Die eingefleischten Schnäppchenjäger sind Frühaufsteher. Caroline Herling aus Breitbrunn hat ihre beste Ware verkauft, während sie ihren Stand auf dem Dießener Flohmarkt aufbaute. Sonntag früh war das, zwischen fünf und sieben Uhr. Aus aller Welt bringt die Stylistin Kleidung und Accessoires mit, die für Fotoshootings benötigt werden. Anschließend verkauft sie die Ware auf Flohmärkten. Auch Hans Sievers aus Apfeldorf ist hochzufrieden. Er hat den Bauernhof von Verwandten entrümpelt und bietet alles an, was er im Speicher gefunden hat, Geschirr, Möbel, Werkzeug. Am schnellsten gingen die Fensterläden weg, die Lederhosen und die Angelruten. Karin Krause tingelt seit sechs Jahren von Flohmarkt zu Flohmarkt. Sie stellt Babyschühchen und Filzpantoffeln her, die reißenden Absatz finden. In Dießen ist sie zum ersten Mal. Bereits am Vormittag hat sie die Benzinkosten für die 150 Kilometer weite Anfahrt sowie die Standgebühren wieder herinnen. Liselotte Stachs ist schon zum vierten Mal hier. Die Gebühren in Höhe von 70 Euro rentieren sich für sie allemal. Denn im Gegensatz zu anderen Flohmärkten werde in Dießen nicht gehandelt, verrät sie. Stachs ist selbst leidenschaftliche Flohmarktbesucherin. Wenn sie glaubt, dass sie Dinge, die sie einmal erstanden hat, nicht mehr benötigt, verkauft sie sie einfach weiter.

Der Dießener Flohmarkt, den es seit 30 Jahren gibt, ist nach Angaben der Veranstalter einer der größten in Bayern. Auf jeden Fall ist die Lage am Seeufer des Ammersees eine der schönsten. Trotz drückender Hitze drängen sich schon am frühen Morgen Besuchermassen an den Ständen entlang. Hier treffen sich Schnäppchenjäger und Familien, professionelle Händler und Sammler.

"Das ist mein absoluter Lieblingsflohmarkt", schwärmt Daniela Viviam. Sie wohnt in Offenburg und richtet den Termin, um ihren Heimatlandkreis zu besuchen, jedes Jahr nach dem Dießener Flohmarkt. Stolz zeigt sie ihre Schnäppchen her: Eine Kette, ein Wake-up Light, goldene Schuhe. "Mir laufen immer Sachen zu, die ich mir in der Vergangenheit gewünscht habe", erklärt sie. Ein Mann interessiert sich für einen Satz Autoreifen mit Felgen. "Ich glaube, es passt nicht", sagt er nach eingehender Prüfung. Ein kleiner Junge sucht nach einem bestimmten Spielzeugauto und wird allmählich ungeduldig. "Wir finden schon noch was", tröstet ihn sein Vater.

Kunst und Kitsch liegen hier nahe beieinander. Neben den Gemälden eines Hobbymalers steht ein Tisch voll mit Schwimmenten, dazwischen liegen Bohrmaschinen und begehrte Sammlerstücke, wie antike Fotoapparate oder Schmuck. Sogar ein Stahlhelm aus dem Zweiten Weltkrieg wird angeboten. Nach Erfahrung der Standbetreiber verkaufen sich Sachen bis zehn Euro sehr gut. Bei höheren Preisen wird es schwieriger. Eine Taschenuhr soll 120 Euro kosten. Als der Interessent den Preis hört, zuckt er zusammen und geht weiter. "Die verlangen schon viel Geld für das Zeug", beschwert sich eine Frau und wendet sich von einer Louis Vuitton-Tasche ab. "Schau mal, da gibt einer seine Sammlung auf", sagt eine Besucherin und deutet auf das Filmplakat "Frühstück bei Tiffany". Es sei ein Original aus den 1960-er Jahren, versichert der Händler, der seinen Namen nicht nennen will. Das Plakat werde im Internet für 1200 Euro verkauft. Er verlange die Hälfte, erklärt er. Ob er in Dießen einen Käufer dafür finden wird, ist fraglich.