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Finanzen:Jonglieren mit Millionen

Die Corona-Krise ist kostspielig und hilft dem Landkreis beim Sparen

Von Sabine Bader, Starnberg

In der Corona-Pandemie hat der Landkreis Starnberg laut Kreiskämmerer Stefan Pilgram bisher rund 1,5 Millionen Euro an Mehrausgaben zu schultern gehabt. Darunter fallen Kosten für Teststationen, Impfzentren, Masken, Klarsichtwände und der erhöhte Reinigungsaufwand. Die gute Nachricht: Einen Großteil der Summe bekommt der Landkreis aller Voraussicht nach staatlicherseits zurückerstattet. Pilgram rechnet damit, dass sich im laufenden Haushaltsjahr in Sachen Corona auch etliche Einsparungsmöglichkeiten auftun werden. So werde wohl die Informationsfahrt des Kreistages ebenso entfallen wie das Andechser Bierfest, die Kreisnacht oder die Kulturpreisverleihung. Der Landkreislauf werde nun in abgespeckter Form geplant, zahlreiche Veranstaltungen und Fortbildungen müssten ebenfalls entfallen.

Es war eine Art Wasserstandsmeldung, die Kämmerer Pilgram den Mitgliedern des Haushaltsausschusses am Dienstag im Sitzungssaal des Landratsamtes präsentierte. So wird der Landkreis - wenn alles nach Plan läuft - im ersten Quartal dieses Jahres rund ein Viertel der vorgesehenen Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 177,1 Millionen Euro tätigen. Katastrophenmeldungen über außerplanmäßige Ausgaben hatte der Kämmerer nicht im Gepäck: "Wir bewegen uns im Rahmen." Das hörten die Kreisräte gern. Unsicherheiten gibt es in Zeiten der Corona-Pandemie schon mehr als genug.

Zu den größten Projekten, die es in diesem Quartal weiterzuführen galt, zählten laut Pilgram der Anbau des Landratsamts und die Erschließungs- und Planungsleistungen für das Gymnasium Herrsching sowie die Fachoberschule (FOS). Was den Erweiterungsbau der Kreisbehörde angeht, sind in diesem Jahr 5,5 Millionen Euro eingeplant, 2,1 Millionen Euro hat man bereits im ersten Quartal ausgegeben. 22,5 Millionen Euro sind für das Projekt insgesamt veranschlagt. Beim geplanten Gymnasiumsbau in Herrsching werden 2021 die Erschließungskosten und Planungsleistungen in Höhe von drei Millionen Euro fällig, 376 000 Euro hat man bereits entrichtet. Und für die FOS wird der Landkreis heuer zwei Millionen Euro ausgeben, 301 000 Euro hat das Preisgericht bereits gekostet. Die Kreisräte nahmen die Wasserstandsmeldungen einhellig zur Kenntnis.

Weil ein Großteil der Summen bereits am Jahresanfang fällig wurde, musste der Landkreis kurzfristig einen Kassenkredit in Höhe von drei Millionen Euro aufnehmen, um seine Liquidität im Februar sicherzustellen. Der Zinssatz beläuft sich auf -0,41 Prozent. Die Laufzeit beträgt sechs Monate. Inzwischen hat sich die Finanzsituation wieder deutlich verbessert. Wenn der Landkreis den Kredit im Juli begleicht, muss er weniger zurückzahlen als er erhalten hat. "Es ist spannend, dass man mit der Aufnahme von Krediten auch noch Geld verdienen kann", befand SPD-Kreisrat Tim Weidner. Das entspanne die Lage der Kreisfinanzen. Pöckings Rathauschef Rainer Schnitzler sorgt sich dennoch um die langfristige Finanzsituation des Landkreises, und Bergs Altbürgermeister Rupert Monn prognostizierte gar, man werde mit den großen Investitionen in Bedrängnis kommen.

© SZ vom 28.04.2021
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