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Erweiterung:Klärwerk wird zur Baustelle

Herrsching AWA

Wie entdeckt man einen Wasserrohrschaden? Diese Frage beschäftigt die AWA-Mitarbeiter fast täglich.

(Foto: Nila Thiel)

Abwasserverband Starnberg investiert fünf Millionen Euro in Büros und Fahrzeughalle

Von Michael Berzl, Bernried

Mehr als fünf Millionen Euro investiert der Abwasserverband Starnberg in weitere Neubauten auf dem Gelände des Klärwerks, die in etwa vier Jahren stehen sollen. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat die Verbandsversammlung am Donnerstag in Bernried einstimmig gefasst. Eine zusätzliche Fahrzeughalle mit 300 Quadratmetern Fläche und ein Anbau mit Büros werden benötigt, weil künftig eigenes Personal die Suche nach undichten Stellen in dem weit verzweigten Kanalnetz rund um den Starnberger See übernehmen soll. Das ist eine Arbeit, die sich als langwieriger und teurer erweist, als man erwartet hatte. "Wir sind noch lange nicht so weit, wie wir uns das vor vier Jahren vorgestellt hatten", sagte der Verbandsvorsitzende Rupert Monn in der Versammlung.

Immer noch landet zu viel Regenwasser im Ringkanal und damit auch in der Kläranlage an der Würm im Norden von Starnberg. Das ist auf Dauer so nicht zulässig, die Anlage hat nur noch eine befristete Betriebsgenehmigung bis zum Jahr 2024, der Verband muss handeln. Bisher übernehmen Ingenieurbüros und Spezialfirmen die Suche nach den Fehlern im Netz. Sie schicken Kameras in die Rohre und filmen die Innenwände, suchen mit Druckprüfungen nach Lecks, fahnden auf Privatgrundstücken nach falsch angeschlossenen Regenrinnen.

Der Verband muss dafür eine Menge Geld bezahlen, die Rechnungen fallen zum Teil um das Fünffache höher aus, als kalkuliert war. Wenn pro Hausanschluss mit Größenordnungen um die 2000 Euro gerechnet wurde, verlangten die Firmen bis zu 7000 Euro, berichtete Verbandsgeschäftsführer Norbert Impelmann. "Die wenigen Unternehmen, die die Leistungen für die erforderlichen Arbeiten angeboten hatten, hatten offensichtlich volle Auftragsbücher", heißt es in den Erläuterungen zu dem Grundsatzbeschluss. Der Vorsitzende Monn sprach von "völlig überhöhten Preisen". Selbst EU-weite Ausschreibungen hätten keine besseren Ergebnisse gebracht, eine Besserung sei nicht in Sicht. Deshalb sei es wirtschaftlicher, diese Arbeiten selbst zu übernehmen. Das erste Spezialfahrzeug ist schon bestellt und soll im Herbst geliefert werden. Langfristig sollen 19 neue Stellen geschaffen werden; dafür werden 350 Quadratmeter Bürofläche benötigt. Drei Teams sollen einmal gebildet werden. Die Suche nach Personal hat schon begonnen, gestaltet sich aber schwierig. Vorübergehend wird es wieder etwas enger in den Verwaltungsgebäuden bei der Kläranlage.

Der personelle und finanzielle Aufwand rentiere sich langfristig, rechnete Margot Große, die in der Geschäftsleitung für besondere Ingenieuraufgaben zuständig ist, den Verbandsräten vor. Pro Überprüfung eines Hausanschlusses rechnet sie mit einem Einsparpotenzial von 3500 Euro. Pro Jahr würden etwa 300 Grundstücksentwässerungsanlagen überprüft, so dass die Einsparung pro Jahr in einer Größenordnung von einer Million Euro liege. Die Neubauten, deren Kosten auf 5,5 Millionen Euro veranschlagt sind, hätten sich somit nach fünfeinhalb Jahren gerechnet. Auch für die Kunden mache sich das bemerkbar, wenn der Verband eigene Leute statt Fremdfirmen losschickt. "Mit eigenen Trupps ist die Gebühr kalkulierbar und die Bürger haben feste Ansprechpartner, die sie kennen", machte Große deutlich.

Die Fehlersuche in einem Netz mit gut 600 Kilometern Hauptkanal und etwa 15 000 Hausanschlüssen in den Mitgliedsgemeinden rund um den See wird den Verband noch auf Jahre beschäftigen. Laut Große ist bisher etwa ein Fünftel der Grundstücksentwässerungsanlagen untersucht. Diese Kosten übernimmt der Verband. Wenn es um die Sanierung geht, müssen die Grundeigentümer bezahlen.

© SZ vom 12.04.2019
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