Erneuerbare Energien:Üppige Stromernte

Markus Guggemos kann mit seinem Solarbiotop in Traubing fast 250 Haushalte versorgen. Jetzt plant der Betreiber die Photovoltaik-Anlage zu erweitern und auch eine E-Ladestation anzubieten

Von Manuela Warkocz, Tutzing

Diese Ernte kann der Traubinger Markus Guggemos sogar bei Mondschein einfahren: Sein 13 000 Quadratmeter großes, in ein Biotop eingebettetes Solarfeld an der Ascheringer Straße produziert auch bei Vollmond Strom. Mit der Fotovoltaikanlage - Investitionsvolumen eine Million Euro, seit Dezember 2014 am Netz - kann Guggemos rund 250 Haushalte versorgen. Jetzt plant er im Anschluss ein weiteres Kollektorenfeld auf einem Hektar Grund. Dann könnte theoretisch der ganze Tutzinger Ortsteil Traubing mit seinen 400 Haushalten von der Anlage profitieren. Auch eine Schnell-Ladestation für E-Fahrzeuge ist im Gespräch. Dort soll man in 15 bis 20 Minuten sein Auto laden können. Der innovative Gastwirt, Inhaber des Alten Wirts in Traubing, weiß nach den über zwei Jahren Vorlaufzeit für die erste Anlage, dass er für die Erweiterung viel Energie brauchen wird.

Denn seine 4693 Module, importiert aus China, konnte Guggemos nicht einfach so auf seinen Grund stellen. "Das Behördliche ist halt nicht so einfach", fasst er seine Erfahrungen zusammen. Wasserwirtschaftsamt und Naturschutzbehörde machen Auflagen. Das dürfte auch an den besonderen Gegebenheiten im Norden Traubings liegen. Die 3,5 Hektar, die Guggemos erworben hat, bestehen überwiegend aus ehemaligen Kiesgruben. "Als Kinder haben wir in den Kiesweihern gebadet und geangelt", erinnert sich der heutige Besitzer. In den Neunzigerjahren seien sie dann von mehreren örtlichen Abbruch- und Baufirmen verfüllt worden, etwa mit dem Aushub der Pöckinger Umfahrung. Die Starnberger Rambeck-Werft habe Schlamm aus ihrem Hafen eingebracht.

Traubing

Markus Guggemos lässt Schafe das Gras um die Kollektoren abweiden.

(Foto: Arlet Ulfers)

"Allein das geforderte Bodengutachten hat 70 000 Euro gekostet", umreißt Guggemos die Größenordnungen. Weil der Bereich zum Wassereinzugsgebiet des Wielinger Beckens gehört und man offenbar Einträge ins Trinkwasser befürchtete durfte der Erbauer die Standkonstruktionen für die Kollektoren nicht in den Boden rammen. Vielmehr mussten für die Träger alle zwei Meter Betonscheiben gegossen werden. Sie liegen oberirdisch auf der Wiese.

Heute grasen drumherum und zwischen den Kollektorenreihen sieben Walliser Schwarznasen. Die Schafe halten das Gras niedrig. Jeden Tag sieht Guggemos nach dem Rechten, auch wenn die Computer gesteuerte Anlage fast wartungsfrei laufe. Die Kollektoren fangen mit 25-Grad-Neigung gen Süden sämtliches Licht auf. Sie liefern im Jahr knapp eine Million Kilowattstunden Strom. Die werden für die Stadtwerke München ins Netz gespeist. Vergütet werden 9,1 Cent. Davon profitiert der Investor, mit dessen Hilfe Guggemos das Projekt gestemmt hat. Ein Zahnarzt aus Ochsenhausen in Baden-Württemberg kann zehn Jahre mit einer Rendite von drei Prozent rechnen. Guggemos selbst kassiert eine Pacht. Gefördert hat das Vorhaben auch das Bayerische Umweltministerium.

Für die neue Anlage, die rund ein Viertel weniger Strom liefern soll, geht der Traubinger von nur noch gut acht Cent Vergütung aus - weit entfernt von den ursprünglich garantierten 26,1 Cent. So will der 53-Jährige auch nicht privat groß in Vorleistung gehen. Etwa für Planungskosten. Allein 25 000 Euro will ein Büro, um die nötige Erweiterung des Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans umzusetzen, denen die Gemeinde zugestimmt hat. Guggemos verhandelt derzeit mit der Energiegenossenschaft Fünfseenland über eine mögliche Zusammenarbeit.

Traubing

Stolz ist der Betreiber auf das Biotop als Ausgleich neben der Fotovoltaik-Anlage.

(Foto: Arlet Ulfers)

Für den Großvater eines zehn Monate alten Enkels ist der Solarstrom nicht nur eine zukunftsweisende Alternative. Er freut sich, dass er mit seinem "Solarbiotop" mit einem anderen Betreiber in Niederbayern etwas bislang Einzigartiges geschaffen hat. Wo ursprünglich nur eine Streuobstwiese geplant war, leben auf der idyllischen Ausgleichsfläche rund um Schafstall und Trafohäuschen Gelbbauchunken, Molche, Laubfrösche und Kreuzottern an mehreren Tümpeln.

© SZ vom 18.10.2016
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