Die Stimmung ist angespannt Asylgipfel in Tutzing

Helga Rusché (l.) und Angelika Pfaffendorf haben in Tutzing 2014 neu angekommenen Flüchtlingen im Andechser Hof beim Bettenmachen geholfen - heute fühlen sich viele Ehrenamtliche allein gelassen.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)
  • Viele Helfer sind frustriert und sehen ihre Bemühungen boykottiert.
  • Beim dritten Treffen dieser Art werden 80 Vertreter von 50 Unterstützerkreisen erwartet.
  • Der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung wird Rede und Antwort stehen.
Von Manuela Warkocz, Tutzing

Die Stimmung ist zunehmend angespannt in den lokalen Flüchtlings-Helferkreisen. Viele Unterstützer sind enttäuscht und frustriert von neuen Beschlüssen und Anordnungen der bayerischen Staatsregierung für Asylbewerber. Etwa über das Arbeitsverbot für Männer und Frauen im Asylverfahren mit schlechter Bleibeperspektive, Abschiebungen nach Afghanistan und den Druck zur Verlegung in Gemeinschaftsunterkünfte. Eine Menge Zündstoff für den 3. Asylgipfel, der am kommenden Samstag, 28. Januar, in der Christuskirche in Tutzing veranstaltet wird. Dort wird auch der Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, Rede und Antwort, stehen.

Voraussichtlich trifft er auf 80 Vertreter von 50 Helfer- und Unterstützerkreisen aus Oberbayern, darunter aus Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, Miesbach, München-Land, Dachau, Freising und Weilheim-Schongau. Organisiert wird der Gipfel von Jost Herrmann, Pfarrer und Koordinator der Unterstützerkreise Asyl im Landkreis Weilheim-Schongau. "Unser Treffen hat eine neue Brisanz bekommen", so seine Einschätzung. Er verweist auf Unterstützerkreise, die schon klar Position bezogen haben. So in Freising, wo kürzlich ein offener Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer und den Freisinger Landrat ging. Darin wird beklagt, dass die Integrationsbemühungen der Asylsuchenden und der ehrenamtliche Einsatz aller freiwilligen Helfer mit Füßen getreten werden. In Wolfratshausen hatte vergangene Woche Bürgermeister Klaus Heilinglechner in einem offenen Brief an Sozialministerin Emilia Müller kritisiert, dass große Flüchtlingsunterkünfte mit unzureichenden Sicherheitskräften und Sozialbetreuung betrieben werden sollen.

Ulrike Wilhelm, Pfarrerin der evangelischen Christuskirche in Tutzing, stellt für den Gipfel die Kirche zur Verfügung. Auch wenn sie selbst wegen anderer Verpflichtungen am Samstag nicht dabei ist, spricht sie als prägende Persönlichkeit des Ökumenischen Unterstützerkreises Tutzing mit mehr als 300 Helfern deutliche Worte: "Ja, wir sind ein bissl frustiert. Im BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) geht wenig voran. Es wird eine harte Abschiebungspraxis angedroht. Man merkt, dass Wahljahr ist. Das geht auf Kosten Einzelner", sagt sie auf Nachfrage. Ein Senegalese sei zum Schutz jetzt in Tutzinger Kirchenasyl genommen worden. Die Pfarrerin hofft, dass der Asylgipfel als Gelegenheit wahrgenommen w erde, "miteinander ins Gespräch zu kommen".

Herrmann betont in seiner Einladung, es sei "wichtiger denn je, dass wir Helfer- und Unterstützerkreise eng zusammenarbeiten." Das ganztätige kostenlose Tutzinger Treffen in der Christuskirche, Hörmannstraße 8, ist offen für alle interessierten ehrenamtlichen Asylhelfer. Los geht es um 9 Uhr mit einem kurzehttp://www.asyl.bayernn Impulsreferat von Jost Herrmann über die gegenwärtige Situation in Bayern, Deutschland, auf der Welt. Nach einer Kaffeepause um 10.30 Uhr spricht der Integrationsbeauftragte Neumeyer über "Fluchtursachen, Islam, Populismus - neue Herausforderungen für Bayern und Deutschland". Anschließend Diskussion, Verabschiedung von Resolutionen und nach dem Mittagessen interkultureller Workshop mit Heike Abt. Programm und Anmeldung unter www.asyl.bayern.