Campus-Talk:Ein Wasserflieger mit großem Namen

Campus-Talk: Gemeinsam im Hangar in Oberpfaffenhofen: Conrado Dornier und Standortleiter Christian Juckenack (v.li.) vor dem Flugboot D-ISEA.

Gemeinsam im Hangar in Oberpfaffenhofen: Conrado Dornier und Standortleiter Christian Juckenack (v.li.) vor dem Flugboot D-ISEA.

(Foto: Arlet Ulfers)

Einst gehörte der Familie Dornier der gesamte Flughafen in Oberpfaffenhofen. Nun stellte der Enkel des Firmengründers, Conrado Dornier, am "Air Tech Campus" das Wasserflugzeug "Dornier Seastar" vor - und vollendet damit einen Familientraum.

Von Tim Graser, Weßling

Im Trachtenjanker begrüßt Conrado Dornier die Zuhörerinnen und Zuhörer im Empfangsgebäude des Oberpfaffenhofener Flughafens. Der Vorname spanisch, der Nachname französisch, "aber ich bin Bayer", betont der 69-Jährige, der selbst in Gilching-Argelsried aufwuchs. Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg (GWT) hatte erneut zum "Campus-Talk" an den Flughafen geladen. Diesmal stellte der Enkel des legendären Luftfahrtpioniers Claude Dornier das Wasserflugzeug "Seastar" vor, das seine Firma "Dornier Seawings" hier entwickelt und baut.

Dass es überhaupt noch ein Unternehmen mit dem Namen Dornier in Oberpfaffenhofen gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Großvater und Firmengründer Claude Dornier hatte den Flughafen in den 1930er Jahren unter den Nazis erbaut. Nach dem Krieg wurde er dann in der britischen Besatzungszone entlastet, erhielt 1964 sogar das Bundesverdienstkreuz - trotz vormaliger Parteimitgliedschaft in der NSDAP. Die Dornier Werke in Oberpfaffenhofen wurden schließlich von den Söhnen weitergeführt, bis im Jahre 1985 Daimler-Benz übernahm. Den Umstrukturierungen in den Folgejahren fielen die Dornier-Werke dann letztendlich zum Opfer.

2013 aber kam Dornier wieder zurück nach Oberpfaffenhofen an den "Air Tech Campus", wie das ehemalige Werksgelände heute heißt. Enkel Conrado Dornier hatte sich mit zwei chinesischen Staatskonzernen zusammengeschlossen und das Joint-Venture "Dornier Seawings" gegründet. Er habe für dieses Vorhaben auch Angebote aus den USA oder Kanada erhalten, hat sich dann aber für die chinesischen Investoren entschieden. "Weil ich dachte, dass mich das am weitesten in die Zukunft trägt", begründet der Ingenieur seine Entscheidung.

Wie der Firmenname schon verrät, geht es also um Wasserflugzeuge. Noch genauer: Flugboote oder Amphibienflugzeuge. Tatsächlich ähnelt der Prototyp der "Seastar", so der Name des Modells, mit seinem breiten Rumpf ein wenig einem Boot - nur mit Tragfläche und zwei Triebwerken. Unter anderem die kleine Unterwasser-Antriebsschraube am unteren Heck mache den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Flugboot und Wasserflugzeug aus, weiß Christian Juckenack, Standortleiter des Oberpfaffenhofener Flughafens.

Amphibienflugzeuge haben bei der Familie Dornier Tradition. Unter dem Stichwort "Wal" rangierte diese Unternehmenssparte damals lange. Mit der "Do X" wurde in den Zwischenkriegsjahren das damals größte Flugzeug der Welt gebaut - auch ein Flugboot. Der erste Prototyp der Seastar, den Dornier am Mittwoch präsentierte, ist jedoch schon seit den frühen 80er Jahren in der Luft unterwegs. Damals war das noch das Herzensprojekt von Claudius Dornier, dem Vater von Conrado. Der Wasserflieger bekam zwar schon damals eine Fluglizenz, hat es dann allerdings nie zur Serienreife geschafft.

Campus-Talk: Conrado Dornier vor dem Bild seines Vaters Claudius Dornier.

Conrado Dornier vor dem Bild seines Vaters Claudius Dornier.

(Foto: Arlet Ulfers)

Bis 2025 soll sich das geändert haben. Dann soll der neue Seastar, dessen Prototyp aktuell in Einzelteilen zerlegt in Oberpfaffenhofen liegt, bereit für die Serienproduktion sein. Der neue Prototyp ist im Vergleich zu seinem großen Bruder aus den 80ern viel moderner, erklärt Michael Muser, Geschäftsführer bei "Dornier Seawings". Es wird leichter gebaut und im Cockpit gibt es viele Bildschirme anstatt von "Eieruhren", wie der Geschäftsführer die mechanischen Messinstrumente im Cockpit des alten Fliegers nennt.

Zwei Endmontagelinien, eine im chinesischen Yixing und eine in Oberpfaffenhofen, soll es dann geben - das Werk in China baut schon jetzt viele Einzelteile. Mit der Wiederaufnahme des Seastar-Projekts erfüllt Conrado Dornier auch einen Traum seines Vaters, der 1986 verstarb. "Ich habe ihm auf seinem Sterbebett versprochen, mich um sein jüngstes Baby zu kümmern", so Conrado Dornier vor dem Publikum.

Der Kundenkreis reicht vom Privatpiloten bis hin zur Seenotrettung

2020 hob der neue, damals noch sehr laute Prototyp das erste Mal in Oberpfaffenhofen ab. Mittlerweile sieht man das markante Flugzeug mit seinen zwei hintereinander liegenden Triebwerken öfter am Himmel. Lauter als andere Flugzeuge ist es nicht mehr. Die Einsatzgebiete seien hingegen vielfältig: Gerade in Gebieten mit vielen Inseln, wie zum Beispiel in Griechenland oder den Philippinen, könne die Seawing einfachen Luftverkehr ermöglichen, da keine Landebahnen von Nöten sind. Zwölf Personen finden im Innenraum Platz.

Von Seenotrettung bis zum "Privatpiloten, der sich ein Spielzeug leisten will" sieht Michael Muser den potenziellen Kundenkreis. Auch eine militärische Nutzung, beispielsweise als Aufklärungsflugzeug zur Seeraumüberwachung, ist nicht ausgeschlossen. Ungefähr acht Millionen Dollar, also gut sieben Millionen Euro, könne man dann für die Basisversion veranschlagen - für weiter Spezifikationen wie eine "VIP-Kabine" ist preislich jedoch noch viel Luft nach oben.

Campus-Talk: Beim Campus-Talk im Flughafen Oberpfaffenhofen lauschen die Besucher dem Vortrag von Michael Muser, dem Direktor der Dornier Seawings GmbH.

Beim Campus-Talk im Flughafen Oberpfaffenhofen lauschen die Besucher dem Vortrag von Michael Muser, dem Direktor der Dornier Seawings GmbH.

(Foto: Arlet Ulfers)

Christian Juckenack freut sich derweil über das neue Format des öffentlichen Campus-Talks, welches die GWT am Air Tech Campus ins Leben gerufen hat. Ein echter Dornier ist schließlich nicht alle Tage zu Gast. "Oftmals herrscht Unkenntnis, was hier am Campus so passiert", sagt Juckenack. Mit solchen Veranstaltungen könne man den Menschen in der Region den Flughafen und die hier beheimateten Unternehmen näher bringen.

Weßlings Bürgermeister Michael Sturm (Freie Wähler) hat indes allerdings auch Verständnis für Menschen, denen der Flughafen jetzt schon zu nah ist, weil sie zum Beispiel in der Einflugschneise wohnen und somit dem Fluglärm ausgesetzt sind. Über die Wertschöpfung am Air Tech Campus, unter anderem dank Dornier Seawings, freut er sich natürlich trotzdem. Auch deswegen hat er sich den Vortrag von Conrado Dornier am Mittwochabend angehört.

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