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Bundestagswahl im Stimmkreis Starnberg:Hürden auf dem Weg nach Berlin

Michael Kießling will wieder für die CSU in den Bundestag einziehen. Er bekommt es mit Konkurrentinnen zu tun. Britta Hundesrügge tritt für die FDP an, Carmen Wegge voraussichtlich für die SPD. Und Martina Neubauer bewirbt sich bei den Grünen. Corona erschwert Nominierungen und Wahlkampf

Von Erich C. Setzwein, Starnberg

Berlin, Plenarsitzung im Bundestag Deutschland, Berlin - 08.10.2020: Im Bild ist der Plenarsaal während der Sitzung des

Ziel jedes Bundestagskandidaten ist der Plenarsaal im Reichstagsgebäude in Berlin.

(Foto: Christian Spicker/imago)

In der letzten Phase des Kommunalwahlkampfes haben auch die Bundespolitiker im März dieses Jahres schon hautnah erlebt, dass Wahlkampf und soziale Distanzierung sich ausschließen. Der direkte Kontakt, der Händedruck, die nicht durch Masken verdeckte Mimik, die Nähe zwischen dem Kandidaten und dem Wähler - das alles ist essenziell für die Bewerbung ums politische Amt. Nun, da die Corona-Pandemie alle dazu zwingt, sich voreinander zu schützen, dürfte der Wahlkampf für die Bundestagswahl im kommenden Jahr etwas ganz anderes werden, als es Kandidatinnen und Kandidaten je erlebt haben. Wer sich 2021 um ein Mandat im Berliner Parlament bemüht, steht größtenteils schon fest. Manche Kandidaten haben sich auch schon nominieren lassen.

Im Wahlkreis 224, zu dem die Landkreise Starnberg und Landsberg am Lech sowie die Große Kreisstadt Germering aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck gehören, waren 2017 elf Bewerber angetreten. Zwei schafften es ins Parlament: Michael Kießling (CSU), der ehemalige Bürgermeister von Denklingen (Kreis Landsberg am Lech), gewann das Direktmandat, Martin Hebner (AfD), IT-Unternehmensberater aus Dießen, zog über die Landesliste ein. Kießling wird voraussichtlich im Frühjahr kommenden Jahres von seiner Partei nominiert werden.

Der CSU-Politiker bekommt Konkurrenz von mindestens zwei Kandidatinnen. So hat die FDP schon nominiert, und zwar die 53 Jahre alte Journalistin Britta Hundesrügge aus Gauting. Im Mai dieses Jahres wurde die Starnberger Kreisrätin zur Stellvertreterin des neu gewählten Landrats Stefan Frey (CSU) gewählt. In ihrem Heimatort Gauting gaben ihr die Wähler die Chance für eine zweite Amtszeit als Gemeinderätin. Ihr politischer Schwerpunkt liegt auf der Bildung und der Haushaltspolitik.

Am 5. November will die SPD ihre Kandidatin wählen: die Juristin Carmen Wegge, die demnächst Mutter wird. Die Münchnerin arbeitet im Inklusionsamt des "Zentrums Bayern Familie und Soziales" und setzt sich verstärkt für die Chancengleichheit von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ein. Wegge lebte vormals in Olching, einem größeren Publikum ist sie als Poetry-Slammerin bekannt. Die 30-Jährige hatte als internen Gegenkandidaten den Dießener Juso Marcus Noack. Der hat seine Bewerbung inzwischen zurückgezogen. Dafür hat ein SPD-Mitglied aus Gauting, Alexander Rupff, sich als Gegenkandidat zu Wegge ins Spiel gebracht.

Nach Auskunft der Starnberger SPD-Vorsitzenden Julia Ney können bei der Kandidatenaufstellung nur Delegierte weitere Bewerber vorschlagen, eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. In Sorge ist Ney noch um den Termin selbst. Denn ob die SPD angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen eine Ausnahmegenehmigung für die Nominierung in der Stadthalle Germering bekommen werde, sei ungewiss. Ney will sich deshalb noch im Landkreis Starnberg nach einem Saal umsehen.

Kießling könnte es noch mit einer weiteren Bewerberin zu tun bekommen, wenn sich die Grünen im Wahlkreis Starnberg für Martina Neubauer entscheiden. Die 57-Jährige wollte in diesem Jahr Landrätin werden, verlor aber gegen Frey. Die gebürtige Starnbergerin hat Sozialpädagogik studiert und ist Mitglied im Bezirkstag Oberbayern. Streitig macht ihr die Kandidatur Heiko Theodor Braun, 57 Jahre alt und aus Gauting. Er ist Diplom-Biologe und Umweltpädagoge und bei der Industrie- und Handelskammer als betrieblicher Gesundheitsberater angestellt. Am Donnerstag, 29. Oktober, wollen sich beide Bewerber um 19.30 Uhr bei der Kreisversammlung im Bosco in Gauting vorstellen. Die Partei hat ein Hygienekonzept zusätzlich zu dem des Bosco entwickelt. Alle Besucher müssen sich vorher schriftlich anmelden.

© SZ vom 28.10.2020

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