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Bildung:Warten aufs Internet

Digitale Schule

So stellt sich auch Krailling künftig den Unterricht vor: ein Schüler lernt mit dem Tablet.

(Foto: dpa)

Krailling will digitale Ausstattung der Grundschule verbessern

Von Carolin Fries, Krailling

Was ist der Gemeinde Krailling eine zeitgemäße digitale Ausstattung ihrer Grundschule wert? Bislang nicht viel, wie Annett Schlegel dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung verdeutlichte. So gebe es zwar einen PC-Raum mit 14 Computer-Arbeitsplätzen im Keller, berichtete die Lehrerin. Davon seien aber lediglich elf funktionstüchtig. "Bei zwei Plätzen fehlt der Rechner, bei einem die Tastatur." Viel schlimmer aber noch: Das Internet funktioniere nicht. Und das in Zeiten von Corona, in denen das Kollegium angehalten sei, die Kinder für den Fall eines Lockdowns auf eine digitale Beschulung vorzubereiten.

Bereits vor einigen Jahren, als ein erstes Förderprogramm aufgelegt wurden, habe die Kraillinger Grundschule einen "Wunschzettel" an die Gemeinde geschrieben, so Schlegel. Doch passiert sei nichts. Geschäftsführer Franz Wolfrum begründet das mit dem Sanierungsbedarf der Schule, damals sei es um eine fest eingebaute Ausstattung gegangen. "Da machte eine Investition keinen Sinn." Diesmal aber sei Krailling beim DigitalPakt dabei, einem Förderprogramm von Bund und Freistaat, versichert er. "Jetzt geht es vor allem um mobile Endgeräte."

Wie sich die Schule ausstatten ließe, stellte Simon Küffer dem Gemeinderat und den Zuhörern vor, darunter mehrere Lehrerinnen. Der informationstechnische Berater für digitale Bildung an den Schulämtern Starnberg und Landsberg am Lech präsentierte ein "sparsames Konzept", das etwa 93 000 Euro kosten würde. Die Gemeinde müsste von den Investitionskosten lediglich zehn Prozent zahlen. Er empfahl die Anschaffung von 56 Tablets, einem Drucker, drei Beamern und 15 Dokumentenkameras. Darüber hinaus müsse in Router und Server investiert werden sowie in die Wlan-Infrastruktur. Derzeit verfügt die Schule lediglich über eine schwache 16 Mbit-Leitung, eine Glasfaserverbindung ist ausgeschrieben. Die jährlichen Wartungskosten für das Gesamtpaket, welche nicht mehr bezuschusst werden, schätzte Küffer auf etwa 14 000 Euro.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig, ein Büro mit der Umsetzung zu beauftragen und entsprechende Fördermittel zu beantragen. Als SPD-Gemeinderat Stephan Bock fragte, wann denn die Geräte zum Einsatz kommen könnten, sagte Küffer: "Wenn es schnell geht, in einem halben Jahr." Daraufhin appellierte Schlegel an das Gremium: "Wir brauchen ad hoc Hilfe!" Ohne eine stabile Internetverbindung im PC-Raum könne man den Kindern keine Hilfestellungen für einen digitalen Unterricht geben. Seit Montag ist eine zweite Klasse in Quarantäne, weil am vergangenen Freitag bekannt wurde, dass deren Lehrerin an Covid-19 erkrankt ist.

© SZ vom 08.10.2020

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