Bildung:Gymnasium wird Starnberg zu teuer

Stadtrat erwägt, die Schule an den Landkreis abzugeben

Von Peter Haacke, Starnberg

Bildung hat bekanntlich ihren Preis, doch manchen Kommunen wird sie auf Dauer zu teuer: Nachdem schon die Gemeinde Tutzing im Vorjahr ihr Gymnasium in die Obhut des Landkreises gegeben hat, überlegt nun auch der Starnberger Stadtrat, ob man die Verantwortung als Sachaufwandsträger für die Oberschule an der Rheinlandstraße zum 1. Januar 2023 nicht besser ans Landratsamt überträgt. Vorteil wäre: Starnberg müsste laut Geschäftsleiter Ludwig Beck effektiv weniger für Unterhalt, Instandsetzungen, Sanierungen und weitere unzählige Posten zahlen. Zudem würden Personalkapazitäten frei. Nachteil: Die ohnehin üppige Kreisumlage würde mit großer Wahrscheinlichkeit steigen, und die Stadt müsste ihr Grundstück ohne Entschädigung und jegliche Ausgleichszahlung für Investitionen abgeben.

Aus gesetzlicher Sicht sind die Vorgaben eindeutig: Für Gymnasien sind laut bayerischem Schulfinanzierungsgesetz grundsätzlich die Landkreise zuständig. Historisch bedingt und auch aus Prestigegründen ist das Starnberger Gymnasium jedoch in der Sachaufwandsträgerschaft der Stadt. Obwohl sich der Landkreis gemäß neuer Förderrichtlinien seit 2015 stets an den Investitionskosten für die Schule beteiligte, verblieb doch ein erheblicher Eigenanteil bei der Stadt. Die Verwaltung rechnet mit einem jährlichen Defizit inklusive Personalkosten von rund 350 000 Euro. Zudem steht eine Generalsanierung an, die nach einer ersten Grobschätzung rund zwei Millionen Euro kosten dürfte: Klassenräume, Entwässerung, Unterstufenhof und Pflaster müssen erneuert werden.

In der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag erzeugte der Vorstoß der Stadtverwaltung gemischte Gefühle. "Alle rationalen Gründe sprechen dafür", sagte Otto Gaßner (UWG), "alle emotionalen dagegen". Dem Vernehmen nach sei nach ersten Gesprächen mit Vertretern der Schulleitung und Elternschaft nicht mit Widerstand gegen eine Übernahme der Schule durch den Landkreis zu rechnen, sofern sich daraus keine qualitative Verschlechterung ergäbe. Obwohl eine Übergabe der Schule an den Landkreis schon in früheren Jahren mehrfach thematisiert worden war, sah sich das Gremium vorerst nicht imstande, eine Entscheidung zu treffen. Neben Beratungen in den Fraktionen soll die Stadtverwaltung nun in Verhandlungen mit dem Landkreis erarbeiten, wie die Übertragung der Sachaufwandsträgerschaft konkret aussähe. Die Verhandlungen führt womöglich Bürgermeister Patrick Janik selbst: Der Anwalt hatte im Vorjahr die Übergabe des Tutzinger Gymnasiums im Auftrag der Gemeinde begleitet. Der Stadtrat befasst sich im Herbst erneut mit der Angelegenheit.

© SZ vom 30.06.2021
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