Betriebe wandern ab Gauting droht der Verlust von 120 Arbeitsplätzen

Das Firmengebäude an der Grubmühlerfeldstraße gehört der Gemeinde Gauting. Was damit nach dem Auszug von Geissler geschieht, ist noch offen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Produktionsanlagen der Firma Geissler werden im Juli nach Niederbayern verlegt. Auch Stanz-Schmidt in Stockdorf steht ein Umzug bevor.

Von Michael Berzl

Zwei traditionsreiche Firmen in Gauting und Stockdorf sind auf Stanztechnik spezialisiert. Sie stellen unter anderem mit hoher Präzision angefertigte Kleinteile für die Automobilindustrie her. An beiden Standorten sind jeweils 60 Mitarbeiter beschäftigt, und in beiden Betrieben gibt es das gleiche Problem: Die Gebäude sind auf Dauer für die Produktion nicht geeignet. Die Geschichte der Firma Geissler in Gauting geht daher nach 27 Jahren zu Ende; im Juli wird die Produktion nach Niederbayern verlegt. Bei Stanz-Schmidt in Stockdorf steht in den nächsten Jahren ebenfalls ein Umzug bevor. Nur ist noch nicht bekannt, wohin. "Wir suchen dringend einen neuen Standort", sagte Geschäftsführer Stefan Bachmaier am Mittwoch der SZ.

Er hat den 1924 gegründeten Familienbetrieb vor zwei Jahren als Geschäftsführer und Mitgesellschafter übernommen und von Anfang an gewusst, dass er am jetzigen Standort mitten im Ort keine Zukunft hat. "Wir brauchen mehr Fläche und höhere Räume", erklärt er. Seit einem Dreivierteljahr verhandle er mit der Gemeinde über Alternativen, aber er klingt nicht sehr zuversichtlich. Die Zeit läuft, innerhalb der nächsten zwei Jahre muss sein Unternehmen ausziehen. Was dann mit dem 22 000 Quadratmeter großen Grundstück in zentraler Lage geschehen soll, ist noch nicht bekannt. Bachmaier wollte sich dazu nicht näher äußern.

Schon in einem halben Jahr steht das Firmengebäude an der Grubmühlerfeldstraße in Gauting leer, in dem sich jetzt noch die Firma Geissler befindet. Der österreichische Automobilzulieferer Hirschmann hat den Betrieb vor einem Jahr gekauft, gibt nun den Standort auf und siedelt die Produktionsanlagen im Juli nach Salzweg bei Passau um. Das bestätigte der Geschäftsführer Manfred Braunauer am Mittwoch. Ende Juni ist Schluss, dann werden die Maschinen demontiert. "Ich bedauere diese Entscheidung sehr", erklärt Bürgermeisterin Brigitte Kössinger.

Seit der Gründung durch die Brüder Otto und Kurt Geissler in München hat das Unternehmen eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zwischenzeitlich wurde es vom SEL-Konzern aufgekauft, gelangte dann aber wieder in Familienbesitz. Im Jahr 1991 siedelte die Firma von Laim in den Gewerbebau in Gauting um. Später kam es laut Braunauer zu einem Konkurs, ein chinesisches Unternehmen ist in der Folge eingestiegen. Nun gehört die Geissler Präzisionserzeugnisse GmbH zu Hirschmann Automotive in Rankweil in Vorarlberg. In Gauting werden vor allem kleine Metallteile gestanzt, die als Kontakte im Autobau dienen. Außerdem werden dort Spezialwerkzeuge zum Stanzen hergestellt.

Die neuen Eigentümer hatten schon bald nach der Übernahme im Januar vergangenen Jahres nach einem anderen Standort gesucht, berichtet Braunauer, der im vergangenen Herbst die Geschäftsführung von Florian Geissler übernommen hat. Das Gautinger Gebäude entspreche nicht den heutigen Standards, was die Sicherheitsanforderungen betrifft. Es habe Gespräche über Alternativlösungen mit der Gemeinde gegeben, bestätigt Rathaussprecher Maximilian Olberding. Dabei seien auch die Flächen westlich der Asklepios-Klinik und bei einem Verkehrskreisel am westlichen Ortsausgang zur Debatte gestanden, welche die Gemeinde zu Gewerbegebieten entwickeln will. Doch die Firma Hoffmann hat sich anders entschieden, nachdem sie Mitte des vergangenen Jahres auch die Firma Beutlhauser übernommen hat, die ebenfalls auf die Herstellung von metallischen Erzeugnissen spezialisiert sind. Gut 200 Kilometer ist dieser Betrieb von Gauting entfernt. Ein weiter Weg. Trotzdem haben sich ein paar Geissler-Mitarbeiter am Mittwoch dort umgesehen, um herauszufinden, ob sie künftig dort arbeiten wollen. Letztlich lasse sich die Zahl der Beschäftigten, die den Umzug mitmachen werden, aber an einer Hand abzählen, weiß Geschäftsführer Braunauer. Vier Lehrlinge sind von der Firma Stanz Schmidt übernommen worden und können dort ihre Ausbildung fortsetzen.

Was mit dem bisherigen Geissler-Gebäude geschieht, ist noch offen. Das Grundstück biete "vielfältige Möglichkeiten der Weiterentwicklung", sagt Bürgermeisterin Kössinger. Nun würden Konzepte für mögliche Nachnutzungen entwickelt und im Gemeinderat diskutiert. Die jährlichen Mieteinnahmen für die Gemeinde sind mit 210 000 Euro im Haushalt veranschlagt. In diesem Jahr sind vorsorglich 168 000 für die Erneuerung der Heizung vorgesehen.