Betreutes Wohnen:Zwei Weißbier, ein Projekt

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Bernried: Einweihung von der Seniorenresidenz  Theresia Petch Haus

Vorbildliche Zusammenarbeit: Bürgermeister Georg Malterer und Gäste bei der Eröffnungsfeier.

(Foto: Nila Thiel)

Tutzing und Bernried feiern ihr gemeinsames Projekt, Eröffnung soll am 1. Dezember sein

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

Am Eingang sitzen zwei freundliche ältere Damen und begrüßen die Besucher. Es sind Statuen der Tutzinger Künstlerin Sybille Brandes. Sie hat die Kunstwerke der Ambulanten Krankenpflege Tutzing zur Einweihung des Betreuten-Wohnen-Projekts in Bernried geschenkt, Geschäftsführer Armin Heil hat die "ersten Gäste" Sybille und Eva genannt. Im Theresia-Petsch-Haus mit 24 Wohneinheiten, zwei Pflegeappartements und 18 Tagespflegeplätzen sowie dem Bernrieder Sozialen Netz (SoNe) samt Sozialstation und Seniorentreff hängt moderne Kunst an den Wänden. Im Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss sorgen Antiquitäten für wohnliches Flair. Laut Heil haben Bürger die Bilder und Möbel gespendet.

Das Betreute Wohnen in Bernried liegt nach Angaben des Stiftungsvorsitzenden Thomas von Mischke-Collande im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. In nur 20 Monaten sei die 8,2 Millionen Euro teure Anlage fertiggestellt und der Niedrigenergie-Gebäude-Standard dabei um 15 Prozent unterschritten worden. Das Haus ist mit energiesparender Heizung und einer Belüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Am 1. Dezember werden Tagespflege und Pflegeappartements eröffnet. An diesem Tag können Senioren in die Wohnungen einziehen.

Gemeinschaftlich und über zwei Landkreise hinweg haben Nachbargemeinden das Projekt vorangetrieben: Die Tutzinger hatten das Kapital, aber kein Grundstück. In Bernried war es genau anders herum. Das Gemeinschaftsprojekt könnte laut dem stellvertretenden Landrat von Weilheim-Schongau, Michael Marksteiner, Vorbild für andere Gemeinden sein. "Es ist ein kleines Paradies", sagte er bei der Eröffnungsfeier, bei der Pfarrer Peter Brummer und seine evangelische Amtskollegin Beate Frankenberger ihren Segen erteilten.

Angefangen hatte alles mit einem Weißbier, wie Brummer verriet, zugleich Vorstandsmitglied der Ambulanten Krankenpflege. Der Vorgänger von Bernrieds Bürgermeister Georg Malterer, Josef Steigenberger, hatte Projekte gerne bei einem gemütlichen Bier besprochen. Also ging der Tutzinger Pfarrer zu Steigenberger und entwickelte mit ihm die Idee, Geld und Grund zusammenzubringen. Die Tutzinger seien finanziell gut aufgestellt, seit sie von der verstorbenen Bürgerin Theresia Petsch Geld erhalten und es in eine Stiftung eingebracht hatten. Und Bernried hatte sich zufällig ein 3500 Quadratmeter großes Grundstück sichern können, das ideal für das Projekt war. Um die Hälfte der Wohnungen erwerben zu können, musste die Kommune jedoch ein Grundstück in Bestlage verkaufen. Das wäre fast schiefgegangen. Es drohte ein Bürgerbegehren, das am Ende aber abgewendet werden konnte, wie Rathauschef Malterer betonte.

Die anderen 50 Prozent der Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen stehen Tutzingern zur Verfügung. Ein Plus ist laut Heil, dass die Krankenpflege als Träger trotz des Pflegenotstands gute Mitarbeiter gewonnen habe. Davon könnten jetzt etwa 120 Menschen profitieren, sagte er vor dem Hintergrund, dass die Einrichtung neben den 18 Tagespflegeplätzen in Bernried bereits 16 Plätze in Tutzing und zehn in Starnberg hat. Die Aussichten, dass ein weiteres Betreutes Wohnen entsteht, sind laut Mischke-Collande gut. Die Theresia-Petsch-Stiftung habe noch genug finanzielle Mittel. Einen Wermutstropfen aber gebe es. Wie er bemängelte, gehöre die Bereitstellung von Kindergärten und Schulen zu den Pflichtaufgaben von Gemeinden, nicht aber die Schaffung einer Infrastruktur für ältere Menschen: "Da ist die Politik gefragt."

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