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Bestattungen:Letzte Ruhe im Urnenfeld

Auf dem Uttinger Friedhof steht eine vom Gärtner gepflegte Gemeinschafts-Grabanlage bereit

UttingAlternativen zu den herkömmlichen Bestattungsformen Gruft, Grab und Urnenwand sind auch am Ammersee gefragt. In Utting haben sich der Gemeinderat und die Standesbeamtin Claudia Breier seit Jahren mit dieser Frage beschäftigt, nun steht dort die erste treuhänderisch gepflegte Gemeinschaftsanlage für 16 Urnenerdgräber bereit. Etwas ähnliches ist am Ammersee bislang nur in Inning zu finden, wo 2010 der erste Memoriam-Garten Bayerns angelegt wurde. Ursprünglich waren dafür insgesamt 20 Urnen- und Erdgräber vorgesehen. Doch während die Erdgräber für Körperbestattungen dort wohl zu teuer ausfielen, erwies sich die Nachfrage nach Urnengräbern als so stark, dass die Gemeinde nun Raum für weitere 42 Urnenplätze schafft. "Vor allem Alleinstehende oder Bürger, deren Angehörige weit entfernt leben, nutzen das neue Angebot gern," sagt Debra Jernigan vom Meldeamt.

Utting hat für die Gemeinschaftsanlage große Gräber mit Sarg von vornherein ausgeschlossen: Dort geht es auch darum, auf dem begrenzten Friedhofsareal "brach liegende Flächen zu nutzen, die für Särge nicht mehr aufnahmefähig waren", sagt Bürgermeister Josef Lutzenberger. Bislang konnte die Gemeinde nur mit den traditionellen Arten der Beisetzung aufwarten. Anonyme Bestattungen sind gemäß einer Übereinkunft mit der Ortskirche grundsätzlich nicht möglich. Aber die Idee, Urnen in Röhren spiralig um einen großen Baum anzuordnen, werde noch weiter verfolgt, sagt Breier.

Die Standesbeamtin freute sich bei der offiziellen Vorstellung der Gemeinschaftsanlage, dass dieses Konzept "nach so langer Zeit endlich umgesetzt wird." Auf der Fläche eines aufgelassenen Doppelgrabs steht eine zentrale Stele aus poliertem Muschelkalk, an der später Tafeln mit den Namen der Toten angebracht werden. Steinmetz Carsten von Pritzbeur hat sie mit der Bronzestatuette eines Mädchens mit Taube gekrönt, die Stele ließe sich auch mit anderen Figuren oder Symbolen versehen. Das mit Natursteinen eingefasste Beet drumherum hat Gärtner Josef Streicher mit Erika, Stiefmütterchen, Fetthenne und Purpurglöckchen bepflanzt.

Beide Handwerker arbeiten für die Treuhandgesellschaft bayrischer Friedhofsgärtner (TBF), die mit den Bürgern Dauerverträge für die Grabpflege abschließt, die in Utting über zehn Jahre laufen. Ob sie verlängert werden, ist noch offen. Streicher will das Gemeinschaftsgrab dreimal jährlich neu gestalten, ein einheitliches Erscheinungsbild ohne viele individuelle Dekorationselemente ist erwünscht. Die TBF verpflichtet sich zu regelmäßigen Kontrollen und stellt sicher, dass die Gräber gepflegt werden, falls etwa eine Gartenbaufirma ausfällt.

Die Kosten für die zehnjähriger Pflege des Urnengrabs und die Grabgestaltung einschließlich einer Bronzetafel mit den Daten des Verstorbenen belaufen sich in Utting auf 1670 Euro. Das ist etwa doppelt so teuer wie eine Nische in der Urnenwand, aber immer noch deutlich preiswerter als ein Einzelgrab.