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Bernried:Grenze überschritten

Bernried, BGM Kandidat Franz Eder

"Ich will mich so nicht behandeln lassen". Franz Eder, vormals Bürgermeisterkandidat von BL und Grünen.

(Foto: Georgine Treybal)

Franz Eder will Mandat wegen des Streits im Gremium aufgeben

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

Unter dem Motto "Die Zeiten stehen auf Wechsel" war Franz Eder für die Fraktionsgemeinschaft Bernrieder Liste Mensch und Natur (BL) und die Grünen bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr als Bürgermeisterkandidat angetreten. Die Fraktionsgemeinschaft erzielte einen Achtungserfolg. Sie konnte ÜFW einen Sitz abringen und brachte es auf drei Sitze. Doch der angestrebte Wechsel währte lediglich ein paar Monate.

Als die BL und die Grünen ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf des gemeindeeigenen Waldhortgrundstücks startete, wirbelte das nicht nur viel Staub in Bernried auf, sondern brachte auch viel Unruhe in die Gruppierung. Weil er die Initiative nicht mittragen konnte, trat Achim Regenauer (BL) im Dezember aus der Gruppierung aus. Er sitzt seither fraktionslos im Gemeinderat, und die Vereinigung BL/Grüne verlor einen Sitz im Gremium. Nun wirft auch Franz Eder das Handtuch. In der Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag will er sein Amt im Gremium niederlegen. "Die Grünen sehen es so, dass es ein Neustart ist", erklärte Eder vor dem Hintergrund, dass Christine Philipp (BL) für ihn nachrücken und die Gruppierung daher ihre zwei verbliebenen Sitze behalten wird.

Eder zufolge waren es weder parteipolitische Gründe, die den Ausschlag für seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik gegeben haben, noch habe das Ganze inhaltlich mit der Initiative zum Begehren zu tun. Der 62-Jährige begründet seinen Abgang vielmehr mit der Art, in der im Gremium Auseinandersetzungen geführt worden seien. Nach seinen Erfahrungen war eine konstruktive Zusammenarbeit von Anfang an nicht möglich. Und der "Gipfel" sei in der Gemeinderatssitzung im Dezember 2020 erreicht worden. Damals hatte es im Rahmen der Entscheidung zum Grundstücksverkauf Vorwürfe gehagelt, es war zu harten Auseinandersetzungen gekommen. Eder: "Da war meine Grenze überschritten. Ich will mich so nicht behandeln lassen". Der 62-Jährige, der schon 2008 bis 2014 für die BL im Gremium saß, geht "mit einem lachenden und einem weinenden Auge". Er habe die Arbeit im Gemeinderat gerne gemacht, aber nun sei auch eine Last von seinen Schultern genommen, sagt er. Der Agraringenieur will auch künftig aktiv im Ortsverband mitarbeiten, denn er identifiziere sich weiterhin mit den Zielen der Grünen. Mit Christine Philipp tritt keine Unbekannte die Nachfolge für Eder an. Die selbständige Verlegerin und Buchautorin war 2014 als Bürgermeisterkandidatin angetreten, sie gehörte dem Gemeinderat von 2008 bis 2020 an. Sie wird am 18. März vereidigt.

© SZ vom 16.03.2021
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