Berg Ökonomierat Fahrenschon

Bei den "BergSpektiven" plaudert der Sparkassenpräsident über seinen Alltag, seine Aufgaben und ein wenig über die CSU.

Wolfgang Prochaska

Mal locker, mal ernst: Ex-Finanzminister und Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon in Aufkirchen. Foto: Georgine Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

- Er gehörte zu den politischen Hoffnungsträgern der CSU. Dann stieg Georg Fahrenschon aus Neuried, der ehemalige Finanzminister und studierte Volkswirt, aus der Politik aus und ist seitdem Präsident des Deutschen Sparkassenverbands. Ein Wendemanöver der besonderen Art. So lautete auch das Thema der "BergSpektiven", jenem Berger Plauderforum, das Christian Kalinke vom MTV Berg erfand. Am Donnerstag war Fahrenschon mit dem Starnberger Vermögensberater Hubert Thaler zu Gast. Im vollen Gasthof Post in Aufkirchen entstand ein lockerer Dialog über Lebenswege, den Mut zu Veränderungen und über politische und wirtschaftliche Einschätzungen. Und weil sich beide bei Freunden wussten, erfuhren die Zuschauer auch persönliche Vorlieben und Wünsche.

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Fahrenschon einen Wunschberuf hat? Nämlich Ökonomierat und zwar mit jener Lebensweise wie im "Königlich-bayerischen Amtsgericht", der beliebten TV-Serie in den siebziger Jahren. Also gut frühstücken, danach die Weißwürste und das Weißbier und zu Mittag den Schweinsbraten mit Knödel. Zu seinem Bedauern schaut Fahrenschons Alltag als Präsident des Sparkassenverbandes etwas anders aus: Um sieben Uhr geht es mit der Zeitungslektüre los, um 8.30 Uhr ist dann sein Tag "durchgetaktet". Dann heißt es, "die Sparkassengruppe ins rechte Licht setzen" und "Hauptansprechpartner für Finanzaufsicht und Politik" sein.

Ein gut gelaunter Fahrenschon ließ sich auch durch Moderator Kalinke nicht verleiten, sich auf Kosten der CSU zu profilieren oder gar schmutzige Wäsche zu waschen. Er sei ja "kein Glühwürmchen", lautete sein Kommentar. Das war der einzige Seitenhieb auf Ministerpräsident Horst Seehofer. Warum stieg er eigentlich aus? Es war nicht wegen des hohen Gehalts oder wegen Seehofer. Fahrenschon, der sich als "verdammt neugierig" einschätzt, reizte das "völlig Neue" in seiner Funktion als oberster Sparkassenchef.

Natürlich stellten die Zuhörer viele Fragen. Fahrenschon zum Fall Zypern: Russland an der Rettung beteiligen. Zur Zahl der Landesbanken: drei oder vier, da eine einzige Landesbank als Kreditgeber für die Industrie das "Klumpenrisiko" berge. Was macht einen guten Finanzminister aus? Er müsse in der Lage sein, dem "Behördenapparat Paroli zu bieten". Bei solchen Antworten gab es viel Applaus.

Den erhielt auch Vermögensberater Hubert Thaler, zumal er sich als Fußballer outete, der immerhin bei der SpVgg Feldmoching in der Landesliga spielte. Sein Spezi ist übrigens Willy Bierofka, der einst bei 1860 München spielte und zum B-Kader der Nationalmannschaft gehörte. Beide sind ausgebildete Banker. So etwas schmiedet zusammen. Ehe sich Thaler selbständig machte und seine Vermögensverwaltung gründete, war er Direktor der VR-Bank Starnberg. Ein Posten, den er aufgab, als er sich ums Controlling kümmern musste und nicht um die Kundenberatung. "Das war nicht meine Welt." Was mache einen guten Vermögensberater aus?, fragte Kalinke. Dass er immer daran denke, dass das Geld, das man verwaltet, den Kunden gehört. Einen "mittleren dreistelligen Millionenbetrag" betreut seine Firma. Daneben ist er auch Stiftungsmanager, was auch als Vertrauensbeweis gelten kann. Sein Anlagetipp: Unternehmen sind die besseren Staaten.