Bauen für Einheimische Mehr Wohnungen - mehr Verkehr

In Starnberger Wohngebieten wächst die Angst vor zusätzlichen Belastungen durch ein neues Einheimischenmodell. Die Stadt sucht weiter nach einer geeigneten Anbindung, das Staatliche Bauamt will sich erst im Sommer äußern

Von Peter Haacke, Starnberg

Große Erwartungen knüpfen Starnberger, die eine Wohnung suchen, an as Einheimischenmodell "Am Wiesengrund". Bürgermeisterin Eva John hatte schon 2015 von dem Projekt berichtet und damit die Hoffnung auf bezahlbaren Wohnraum geweckt. Nun ist das Vorhaben in der Planungsphase, doch eines der größten Probleme ist noch ungelöst: die Verkehrsanbindung der Siedlung mit insgesamt 120 Wohneinheiten an die Bundesstraße 2. Auf einen Antrag aus der Bürgerversammlung im vergangenen November hin befasste sich der Stadtrat am Montag erneut mit der Angelegenheit.

Die Diskussion über die Verkehrsproblematik erfüllt auch die Anlieger des Waldspielplatzes und der Jahnstraße mit Sorge. Die aktuelle Planung sieht vor, den kompletten Baustellenverkehr ausschließlich über den Waldspielplatz zu führen. Die Straße durch das dicht besiedelte Wohngebiet ist aber schon jetzt in einem schlechten Zustand, vom kommenden Jahr an sollen dort die Lastwagen rollen.

Auswirkungen hat das Bauvorhaben aber voraussichtlich auch auf die benachbarte Jahnstraße, die in Richtung Starnberg zur Bundesstraße führt. Schon jetzt ist diese schmale Straße, die teilweise keinen Gehweg aufweist, als Alternative zum Waldspielplatz in Spitzenzeiten viel befahren. Aktuell hat die Stadtverwaltung einen Durchschnittswert von 50 Fahrzeugen pro Stunde ermittelt. Sobald jedoch das Einheimischenmodell "Am Wiesengrund" fertiggestellt ist, dürfte sich diese Zahl noch deutlich erhöhen; derzeit wird mit weiteren 150 Autos gerechnet, die sich künftig ihren Weg über Waldspielplatz und Jahnstraße bahnen.

Bei der Bürgerversammlung im November war beantragt worden, die Verkehrserschließung für das Einheimischenmodell nicht über die Jahnstraße und den Waldspielplatz erfolgen zu lassen. Der Stadtrat hatte sich schon zuvor mehrfach mit der Thematik befasst, doch eine realisierbare Lösung ergab sich dabei nicht. Von den insgesamt sieben Varianten, die von der Stadtverwaltung erarbeitet worden waren, kann keine verwirklicht werden: Teils scheiterten die Ideen an betroffenen privaten Grundstückseigentümern, die übrigen Vorschläge zur Verkehrsanbindung verwarf das Staatliche Bauamt in Weilheim. Im jüngsten Schreiben der Behörde an die Stadt vom 21. Januar heißt es unter anderem: "Auf Grund der Ausweisung neuer Baugebiete durch die Stadt Starnberg und die unzureichend leistungsfähige Erschließung dieser Baugebiete innerstädtisch ist zu erwarten, dass bestehende Knotenpunkte an der Bundesstraße 2 ohne Umbaumaßnahmen auf längere Zeit nicht mehr leistungsfähig sind." Gleichwohl untersucht das Staatliche Bauamt seit Jahresbeginn die Anschlüsse vom künftigen Tunnelportal Süd bis hin zum Maxhof-Kreisel.

Ziel sei es, bis Sommerbeginn für alle Knotenpunkte ein Gesamtkonzept vorzulegen, erklärte Bürgermeisterin John. Bis dahin werde das Bauamt jedoch keine Bewertung für einen Anschluss zur B 2 abgeben.

Die Stadtverwaltung hat nun einen Vorschlag formuliert, der eine Anbindung an die Bundesstraße ablehnt, weil die ohne Zustimmung vom Staatlichen Bauamt ohnehin nicht durchsetzbar ist. Dagegen votierte CSU-Stadtrat Stefan Frey: Man dürfe nicht zögerlich sein gegenüber dem Bauamt und eine B2-Anbindung "nicht einfach aufgeben", sagte er. Alle Alternativen müsse die Stadt mit Nachdruck verhandeln. "Da ist noch Bewegungsspielraum drin, über vieles ist noch gar nicht gesprochen worden", sagte Frey und erntete dafür Applaus von knapp 40 Zuhörern, überwiegend Anwohner von Waldspielplatz und Jahnstraße.

Zustimmung für Frey kam auch von SPD, Parteifreien und UWG, die einen Halbanschluss favorisiert. Anton Summer (BMS) plädierte für einen Kreisverkehr am Waldspielplatz. Franz Sengl (Grüne) bezweifelt, ob das Problem mit einem Anschluss gelöst sei: "Damit allein ist es nicht getan." Gerd Weger (CSU) dagegen strebt eine gemeinsame Lösung mit Pöcking an. Zwar ist Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler grundsätzlich gesprächsbereit, fühlt sich aber außerstande, das Starnberger Problem zu lösen: "Momentan sehe ich nicht, wo wir da helfen können", sagte er. "Ich sehe die Lösung nicht."

Auch die etwa 800 Meter lange Jahnstraße sollen einen durchgehenden, mindestens 1,50 Meter breiten Bürgersteig erhalten, damit Fußgänger ungefährdet ihr Ziel erreichen. Darüber soll am Dienstag, 12. März, der Ausschuss für Umwelt, Mobilität und Energie beraten.