Barockmusik: Feuer und Leidenschaft

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Barockmusik: Das Quartett "Spirit of Musicke" präsentiert im Sudhaus des Schlosses Seefeld Barockmusik.

Das Quartett "Spirit of Musicke" präsentiert im Sudhaus des Schlosses Seefeld Barockmusik.

(Foto: Nila Thiel)

Das weiblich besetzte Quartett "Spirit of Musicke" begeistert sein Publikum im Sudhaus des Schlosses Seefeld.

Von Reinhard Palmer, Seefeld

Mit Barockmusik in historischer Aufführungspraxis zu begeistern, setzt bei den Musikern voraus, dass sie selbst davon begeistert sind und den unbedingten Willen haben, ihren Enthusiasmus mit dem Publikum zu teilen. Damit ist das Erfolgsrezept des rein weiblich besetzten Quartetts "Spirit of Musicke" schon im Wesentlichen umrissen. Das impliziert einen packenden, straffen und vor allem lustvollen Zugriff, mit dem sich die auch fesselnd moderierenden Musikerinnen auf originalen und nachgebauten historischen Instrumenten seit 1994 langsam aber stetig weiterentwickelt haben und inzwischen an der Spitze der Alte-Musik-Szene mitmischen.

Eine Kostprobe davon durften Gäste von "Kultur im Schloss Seefeld" im stimmungsvollen Sudhaus im Rahmen der Aktion "Neustart Kultur" der Bundesregierung aus nächster Nähe erleben. Die Musizierfreude von Maria Loos (Blockflöte), Christine Busch (Barockgeige), Gabriele Ruhland (Barockcello und Gambe) sowie Veronika Braß (Cembalo) hat aber auch einen mächtigen Anfeuerer: die Musik selbst. Denn das Ensemble widmete sich im Programm "Women 4 Baroque III" explizit den Komponistinnen des Barock, die in ihrem Kampf um Anerkennung viel Feuer und Leidenschaft in ihre Werke haben einfließen lassen.

In der Zeit als die Kirche Frauen das Musizieren verbot und die Gesellschaft das weibliche Geschlecht für der künstlerischen Genialität als unfähig erklärte, mussten Frauen schon deutlich ihre männlichen Kontrahenten übertreffen, um eine Chance zu haben, überhaupt gespielt zu werden. Und sie taten es nicht mit besonders verkopften Konstrukten, sondern mit den mächtigsten weiblichen Waffen: Intuition und Einfühlsamkeit. Allerdings auch nicht ohne zu beweisen, dass ihnen die gängigen Kompositionstechniken geläufig waren. Und die Umsetzung all dieser Dinge brachte eine Musik hervor, die sich ruhig öfter in den Konzertprogrammen der Gegenwart finden lassen sollte.

Die Komponistinnen von damals fanden so wenig Gehör, dass man heute kaum einmal ihre Namen herausfinden kann

Das kaum erforschte Gebiet fristet indes immer noch ein Schattendasein. Nicht selten lassen sich nicht einmal die Namen der Komponistinnen herausfinden. Die 1715 in London veröffentlichte Sonatensammlung ist "Mrs. Philarmonica" zugeschrieben. Dementsprechend sind ihre Hintergründe unbekannt. Die Werke, die Spirit of Musicke hier vorstellten, verwiesen auf eine wahre Meisterin ihres Fachs. Mit eng verflochtenen Stimmen, nicht selten imitatorisch vorantreibend und mit harmonischen Reibungen der Stimmen angereichert, brillierten ihre Sätze mit polyphoner Farbigkeit. Spritzig leicht und beschwingt in den schnellen Sätzen, mit Geschmeidigkeit lyrisch-melodisch indes in den getragenen langsamen Sätzen, fanden die Interpretinnen viel Material emotionaler Gestaltung.

Von den klösterlichen Mauern des Ursulinenordens geschützt konnte Isabella Leonarda indes ihrer Fantasie freien Lauf lassen. In der Sonata I aus op. 16 für Violine, Flauto dolce und Basso continuo bewies sie insbesondere mit der Fülle der musikalischen Einfälle, dass sie über reichlich davon verfügte. Mutiger in der Klangfülle und Virtuosität, in den schnellen Sätzen auch tänzerische Verve, zeigte sich indes Anna Bon di Venezia, die zum Glück in Wilhelmine von Bayreuth eine Förderin gefunden hatte. Deren von 120 einzig erhaltene Flötensonate verwies indes auf eine kraftvolle Tonkünstlerin, die auch vor rasanten Tempi wie großen Gesten nicht zurückschreckte.

Französische Eleganz und Finesse brachte Spirit of Musicke indes mit Elisabeth Jacquet de la Guerre ins Spiel. Auch sie zeigte sich mutig mit tänzerischer Leichtigkeit in bisweilen mächtig wirbelnden schnellen Sätzen, die das Ensemble beherzt und mit kraftvoller Rhythmik ausspielte. Um aber im Gegenzug mit melancholischer Schönmelodik und sinnierender Lyrik der langsamen Sätze zu betören. Die Begeisterung des Publikums durfte Mrs. Philharmonika mit einem forsch-virtuosen Satz belohnen.

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