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Ausgezeichnet:Besser wohnen

Bayerischer Wohnungsbaupreis 2019

Langgestreckt bietet das Wohnmodell unterhalb der Münsinger Kirche 24 Familien Raum. Es ist nach dem früheren Bauernhof Pallaufhof benannt.

(Foto: Privat)

Das Baugemeinschaftsprojekt beim Pallaufhof in Münsing erhält den bayerischen Wohnungsbaupreis. Es ist ein Pioniermodell auf dem Land

Für den Landkreis sind die beiden lang gestreckten Häuser auf dem Münsinger Pallaufhof-Grundstück ein Pionier- und Vorzeigeprojekt. Unter ihrem Dach leben seit drei Jahren 24 Familien in variablen Wohnmodulen von der Zwei- und Dreizimmerwohnung bis zum Fünf-Zimmer-Haus. Sie hatten sich zu einer Baugemeinschaft zusammengeschlossen. Sie kauften den Grund, bauten selbst und arbeiteten dafür mit Partnern zusammen. Das sparte Fläche sowie Geld und ermöglichte ein innovatives Baumodell.

Im Dezember hat das Landesministerium für Wohnen, Bau und Verkehr das Projekt mit dem bayerischen Wohnungsbaupreis ausgezeichnet. Für das Mehrgenerationenwohnen in Münsing hatte sich eine mit Architekten besetzte Jury entschieden. Die offizielle Verleihung für sieben Preisträger soll Ende Januar kommenden Jahres stattfinden. "Der Markt für Wohnungsbau brummt, die Stadt ist übersät mit Baukränen. Doch nicht alles, was gebaut wird, ist qualitativ hochwertige Architektur. Wir wollen deshalb die Büros auszeichnen, die mit ihrer Arbeit die Geschichte des baukulturellen Erbes Bayerns würdevoll weiterschreiben und sorgsam mit unserer gebauten Umwelt umgehen", hatte Bauminister Hans Reichhart (CSU) die Juryentscheidung begründet.

Mit seinem Bad Birnbacher Büro Arc Architekten hatte Manfred Brennecke das Bauvorhaben geplant. Als Geschäftsführer der Baugemeinschaft GbR agierte der Münsinger Theo Peter vom Bauzeit-Netzwerk. Das diesjährige Schwerpunktthema des Wohnungsbaupreises "Lückenfüller - Besser Wohnen durch Wachstum nach innen" passt für Brennecke perfekt zum Münsinger Projekt. Er freut sich über die, wie er sagt, einstimmige Entscheidung. "Ein besonderes Verdienst gebührt der Gemeinde und Bürgermeister Michael Grasl, dass sie dieses Projekt gewagt hat."

Die Kommune hatte das 1,6 Hektar große Grundstück mit dem früheren, nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Pallaufhof 2008 gekauft. Ursprünglich sollten auf dem südlichen Teilareal drei Einfamilien- sowie drei Doppelhäuser entstehen. Doch dieser Plan war umstritten und löste kritische Umdenkprozesse aus. Der Gemeinderat entschloss sich 2013, das von Brennecke erarbeitete Konzept umzusetzen. Schon damals hatte Grasl von einem Modell-Projekt gesprochen.

Ursprünglich sind 24 Familien, darunter 55 Erwachsene und 17 Kinder, in die zwei Häuser mit Wohnungen zwischen 70 und 165 Quadratmetern eingezogen. 18 Familien stammten aus Münsing. Damit wurde die vom Gemeinderat festgelegte Quote von 60 Prozent übertroffen. Die Bewohner mussten 3300 bis 3600 Euro für den Quadratmeter zahlen. Nur bei zwei Wohnungen hätten die Eigentümer gewechselt, sagt Brennecke. Er spricht von einem guten Nachbarschaftsgemeinschaftsgefühl, das sich entwickelt habe.

Am Typus des langen satteldachgedeckten Bauernhofs haben sich Brennecke und die private Baugemeinschaft orientiert. Die Wohnungen durchziehen jeweils die ganze Gebäudebreite. Errichtet sind die Häuser in Holzständerbauweise. Laut Brennecke wurden 500 Kubikmeter des nachwachsenden Rohstoffes verwendet, was etwa der Menge von 160 Bäumen entspricht. Schmale Holzlamellen dienen an den Balkonen als Sichtschutz. Verschieden breite Bretter aus naturbelassenem Lärchenholz ummanteln die Gebäude und verwittern über die Zeit silbergrau. Die beiden Häuser sind an das mit Hackschnitzeln betriebene Nahwärmenetz der Kommune angeschlossen. Dreifachverglaste Fenster und Wärmedämmungen sparen zusätzlich Energie.

Die Bauarbeiten verzögert hatten wiederholte archäologische Bodenfunde aus der Hallstattzeit und dem Mittelalter. Lange konnten die Bewohner ihre Häuser zudem nur über eine Schotterstraße anfahren. Erst kürzlich konnten die Zufahrtsstraße und der Regenwasserkanal fertiggestellt werden. Der Gemeinschaftsgarten muss allerdings erst noch angelegt werden.

Bis das Münsinger Mehrgenerationenprojekt abgeschlossen ist, mussten die Bewohner also geduldig sein. Gerade in jüngster Zeit spürt Brennecke aber eine gestiegene Nachfrage nach derartigen Bauvorhaben auch auf dem Land. "Ich würde so etwas gerne wieder machen", betont er. Die Möglichkeit, weniger fremdbestimmt als im Geschosswohnungsbau zu sein, mache das Besondere aus.

© SZ vom 31.12.2019
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