Stadtrat Erst gelobt, dann vertagt

Kulturausschuss beschäftigt sich mit Kreativquartier und Zuschüssen

Von Franz Kotteder

Wenn im Stadtrat ein Tagesordnungspunkt vertagt wird, dann ist das meistens kein gutes Zeichen für die Verwaltung. Im Kulturausschuss war das diesmal anders. Da wurden die Arbeit und das Konzept des Kulturreferats für die beiden Hallen im Kreativquartier an der Dachauer Straße von allen über den grünen Klee gelobt - die Abstimmung aber trotzdem auf die Oktobersitzung vertagt. Die SPD-Fraktion hatte noch Beratungsbedarf, und ihr Stadtrat Christian Vorländer beeilte sich zu betonen, das wäre auch bei der CSU so. Deren Kultursprecher Richard Quaas führte genüsslich aus, dass die Kulturausschussmitglieder seiner Fraktion keinerlei Beratungsbedarf hätten, den Wünschen des Kooperationspartners aber gerne nachkämen. Das Kreativquartier sei "eine der ganz großen Innovationen für die Kulturpolitik der Stadt", und man werde sich nun bemühen, bis zur nächsten Sitzung "die Kuh vom Eis zu bekommen".

Weitgehend Einigkeit herrschte in der Runde dann wieder, was die Zuschüsse für verschiedenste Kulturvereine anging. Die reichen vom Kunstverein über den Jazzclub Unterfahrt bis zum Festival Tanzwerkstatt Europa und dem Valentin-Karlstadt-Musäum. Insgesamt handelt es sich da um eine Summe von fast 686 000 Euro, die für verschiedenste Vereine und Institutionen aufgewendet werden. Umstritten waren vor allem die stolze Summe von 250 000 Euro für das Theater für Kinder - dagegen waren die Grünen und die FDP - sowie die Unterstützung von 10 000 Euro für den Bund der Vertriebenen. Die Grünen lehnten weitere Zuschüsse ab, weil die Vertriebenen das Geld hauptsächlich für einen Tagesausflug nach Tirol, ein Kirchweihfest und diverse Grillfeste ausgegeben hatten. Grünen-Sprecher Florian Roth: "Kulturpolitisch besonders förderungswürdig ist das wohl nicht." Da gaben ihm die anderen Fraktionen zum Teil zwar recht. Aber nachdem das Kulturreferat angemerkt hatte, dass die Förderung nur ausbezahlt werde, wenn für die bislang vergebenen Zuschüsse vernünftige Verwendungsnachweise vorgelegt würden, bekommen die grillenden Vertriebenen nun noch eine Chance, das städtische Geld in Zukunft sinnvoll auszugeben.