bedeckt München 15°

Stadtklinikum München:Elizabeth Harrison fristlos gekündigt

Wollte ihre Entmachtung durch einen Lenkungskreis nicht hinnehmen und drohte mit einer Klage: Am Ende hat Elizabeth Harrison aufgegeben.

Fristlos gekündigt: Elizabeth Harrison.

(Foto: Robert Haas)

Nach ihrem Rückzug vom Chefposten beendet der Aufsichtsrat das Arbeitsverhältnis mit Elizabeth Harrison. Dem Stadtklinikum droht weiter die Insolvenz. Die Stadt München will nun einen Chefsanierer und private Investoren an Bord holen.

Von Silke Lode

Der Aufsichtsrat des Stadtklinikums hat der Klinik-Chefin Elizabeth Harrison am Freitag fristlos gekündigt, nachdem die Vorsitzende der Geschäftsführung in dieser Woche ihr Amt niedergelegt hat. Das teilte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nach einer Sondersitzung des Gremiums mit. Die Kündigung war eigens nötig, da Harrison darauf bestanden hatte, trotz ihres Rückzugs aus der Geschäftsführung an ihrem Arbeitsverhältnis mit dem Klinikum festzuhalten.

Harrisons Anwalt, der Arbeitsrechtler Knut Müller, sagte, dass er die fristlose Kündigung nicht für rechtmäßig hält und kündigte eine Klage an. "Wir sind irritiert, dass die Stadt mehrfache Gesprächsangebote unsererseits nicht angenommen hat", sagte Müller. Ude habe auf die Briefe, die er im Auftrag Harrisons an den OB geschickt hat, nie reagiert. Spätestens in sechs Monaten muss Harrison auf jeden Fall gehen, da der Aufsichtsrat auch eine reguläre Kündigung ausgesprochen hat.

Gleich zwei neue Geschäftsführer sollen die Lücke schließen, die Harrison hinterlässt: Neben einem eigenständigen Arbeitsdirektor sucht die Stadt laut Ude einen Sanierungschef. Ob der neue Chefsanierer dauerhaft beim Klinikum bleibt oder befristet kommt, ist offen. Ude, der neuerdings auch Aufsichtsratschef des Stadtklinikums ist, sagte, es gebe "Persönlichkeiten, die nichts anderes wollen als Sanierungsaufträge" und alle zwei, drei Jahre neue Projekte suchten. Ihm sei ein Manager lieber, der fünf Jahre bliebe - aber das sei auch einer Frage der Verfügbarkeit.

Ein neuer Arbeitsdirektor wird derweil auf zwei Wegen gesucht: der Aufsichtsrat hat einen Headhunter eingeschaltet, zugleich sind die Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund um einen gemeinsamen Vorschlag gebeten worden. Ude betonte, dass der Gewerkschafts-Vorschlag Vorrang habe. Dominik Schirmer, der für Verdi im Aufsichtsrat sitzt, erklärte, es gehe bei der Postenbesetzung vor allem um Fachlichkeit und Kompetenz, nicht um eine langjährige Gewerkschafts-Mitgliedschaft. Die Suche nach den beiden neuen Chefs soll Ende Februar abgeschlossen sein, bis dahin übernimmt Finanzchef Bergmann die Aufgaben des Arbeitsdirektors. Offen ist laut Ude, welcher der Chefs künftig an der Spitze des Konzerns steht.

Die wirtschaftliche Situation des Konzerns hat sich derweil weiter verschlechtert. Im schlimmsten Fall droht laut Kämmerer Ernst Wolowicz bereits Ende 2014 die Insolvenz. Zudem darf die Stadt den letzten Teil ihrer 200-Millionen-Euro-Finanzspritze zunächst nicht auszahlen, da die Grundlage ins Wanken geraten ist, auf der die Hilfen gegeben werden dürfen. "Der Private-Investor-Test wurde von der Realität überholt", sagte Wolowicz. Bis ein neuer Test vorliegt, der bestätigt, dass die Zuschüsse nicht im Widerspruch zum EU-Wettbewerbsrecht stehen, darf die Stadt die 60 Millionen Euro nicht geben, die Mitte Februar 2014 ausgezahlt werden sollten.

Neues Sanierungskonzept bis Mitte Februar

Ein Beraterteam soll nun bis Mitte Februar die Eckpunkte eines neuen Sanierungskonzepts vorlegen, spätestens Anfang März soll der Plan fertig sein. "Wir werden nicht die Kommunalwahl abwarten und dann Grausamkeiten verkünden", versprach Wolowicz. Laut Ude können die Wirtschaftszahlen des Konzerns "sehr kurzfristig verbessert werden".

Ude will für die nötigen Baumaßnahmen, die bei den städtischen Krankenhäusern in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach und Schwabing anstehen, private Investoren gewinnen. Ude betonte, dass dies keine Privatisierung des Stadtklinikums sei und verwies auf das Ausländeramt, das Standesamt oder viele Polizeidienststellen in Bayern, die ebenfalls zu Miete bei einem privaten Eigentümer untergekommen seien. Mit diesem Modell ist in Udes Augen gewährleistet, dass das Stadtklinikum seinen Anteil an den Investitionskosten, die nach Schätzungen insgesamt weit über einer Milliarde Euro liegen, nicht stemmen muss. Die Krankenhäuser müssten lediglich die Mietkosten bezahlen, die Stadt würde mit einer 30-jährigen Garantie gegenüber dem Investor bürgen.

© SZ vom 21.12.2013/geu
Zur SZ-Startseite