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Städtische Kliniken:Chefin Harrison gibt ihr Amt auf

Wollte ihre Entmachtung durch einen Lenkungskreis nicht hinnehmen und drohte mit einer Klage: Am Ende hat Elizabeth Harrison aufgegeben.

Wollte ihre Entmachtung durch einen Lenkungskreis nicht hinnehmen und drohte mit einer Klage: Am Ende hat Elizabeth Harrison aufgegeben.

(Foto: Robert Haas)

Elizabeth Harrison zieht Konsequenzen aus ihrer Entmachtung und kommt damit einer Entlassung zuvor. Die Chefin des Städtischen Klinikums München hat ihr Amt niedergelegt - eine Abfindung wird man ihr wohl nicht anbieten.

Von Dominik Hutter und Silke Lode

Die Chefin der städtischen Kliniken, Elizabeth Harrison, hat mit sofortiger Wirkung ihr Amt niedergelegt. Dies teilte die Vorsitzende der Geschäftsführung Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) per Anwaltsschreiben mit. Ude, der seit Anfang des Monats auch Aufsichtsratschef des Klinikums ist, wertet den Schritt als "Grundstein für ein nachhaltig zukunftsfähiges Stadtklinikum".

Harrison selbst hat sich bislang nicht näher zu ihrer Entscheidung geäußert. Allerdings wurde in den vergangenen Tagen deutlich, dass sie sich massiv gegen ihre Entmachtung durch Ude gewehrt hat, der alle relevanten Entscheidungen zur Sanierung des angeschlagenen Konzerns über einen neu gegründeten Lenkungskreis an sich gezogen hat. Harrison hatte deshalb bereits einen Anwalt eingeschaltet und Ude mit einer Klage gedroht. Sie soll kritisiert haben, dass sie als Geschäftsführerin persönlich haftbar ist, zugleich aber ihre Entscheidungskompetenz beschnitten wird.

Die Stadt soll schon nach Nachfolgern suchen

Der Klinik-Aufsichtsrat berät noch an diesem Freitag in einer Sondersitzung, wie er mit Harrisons Rückzug umgeht. Die Klinik-Chefin hat lediglich erklärt, sich aus der Geschäftsführung zurückzuziehen. Rein rechtlich ist ihr Arbeitsverhältnis davon jedoch nicht berührt. Da kaum vorstellbar ist, dass Harrison eine einfache Verwaltungstätigkeit übernimmt, wird der Aufsichtsrat ihr am Freitag voraussichtlich zwei Kündigungen aussprechen: eine fristlose und - sicherheitshalber - eine mit ordentlicher sechsmonatiger Kündigungsfrist.

Ude geht aber davon aus, dass Harrison nicht mehr an ihren Schreibtisch zurückkehrt. Eine Geschäftsführerin, die nicht als Geschäftsführerin tätig sei, werde nicht benötigt. Eine Abfindung wolle man der 54-Jährigen nicht anbieten.

Aus Kreisen des Aufsichtsrats ist zu hören, dass Harrison mit ihrer Ankündigung der Stadt zuvorgekommen ist, die ihre Klinik-Chefin angeblich spätestens im Januar loswerden wollte. Die Suche nach Nachfolgern soll bereits vor zweieinhalb Wochen begonnen haben, als Ude das Schreiben von Harrisons Anwalt erhielt.

Das Jahresgehalt beträgt 300.000 Euro

Aus Udes Umfeld ist zu hören, er habe sich von Harrison vorgeführt gefühlt und könne ihr die Klage-Drohung nicht verzeihen. Gesucht wird jetzt nach zwei Führungskräften - Ude will die Position des Arbeitsdirektors von der des Sprechers der Geschäftsführung trennen. Das Jahresgehalt von brutto knapp 300.000 Euro soll offenbar unverändert bleiben, lediglich die Erfolgsprämie könnte großzügiger ausfallen.

Die Besetzung der Klinik-Leitung gilt als äußerst schwierig, da der Kreis der grundsätzlich geeigneten Manager recht klein ist und das Gehaltsniveau in vergleichbaren Krankenhäusern weit über dem liegt, was die Stadt München anbieten kann. Hinzu kommt, dass in Fachkreisen die schwierige Situation des Stadtklinikums bundesweit bekannt ist.

CSU-Fraktionschef Josef Schmid zollte Harrison "Respekt" für ihre Entscheidung, da sie so dem Klinikum einen Neustart ermögliche. "Es hätte nicht so weit kommen müssen, wenn der Oberbürgermeister von Anfang an Verantwortung übernommen hätte", erklärte Schmid.

Lydia Dietrich (Grüne) sagte, sie bedauere den Rückzug Harrisons sehr, die sie als "sehr engagiert und kompetent" erlebt habe. Michael Mattar (FDP) hingegen hält Harrison für "erfolglos". Das habe sie allerdings "weniger persönlich zu vertreten als der völlig überforderte Aufsichtsrat und die mangelnde politische Unterstützung von Rot-Grün". Er fordert, für das Stadtklinikum einen privaten Betreiber zu finden und auf die Suche nach neuen Klinik-Geschäftsführern zu verzichten.

© SZ vom 20.12.2013/tba
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