Stadtentwicklung:Wo der Westen wächst

Stadtentwicklung: Der 22. Stadtbezirk wird durch das Neubaugebiet Freiham auf lange Sicht um bis zu 20 000 Einwohner vergrößert.

Der 22. Stadtbezirk wird durch das Neubaugebiet Freiham auf lange Sicht um bis zu 20 000 Einwohner vergrößert.

(Foto: SZ-Grafik)

Der 22. Stadtbezirk wird durch das Neubaugebiet Freiham auf lange Sicht um bis zu 20 000 Einwohner vergrößert. Aber auch an weiteren Stellen im Viertel entstehen Wohnungen, Schulen und Gewerbeflächen

Von Ellen Draxel, Aubing/Lochhausen/Langwied

Im Westen wird gebaut. Allein durch den Ortsteil Freiham wächst der 22. Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied in den kommenden Jahren um 50 Prozent - aber auch sonst wird gebaut. Ein Überblick.

Freiham zählt zu den wichtigsten Stadtentwicklungsvorhaben in München. Der 110 Hektar große Gewerbestandort Freiham-Süd südlich der Bodenseestraße zwischen den Autobahnen A 96 und A 99 ist bereits größtenteils bebaut, etwa 7500 Menschen sollen auf dem Areal einmal arbeiten. Einige Baufelder aber sind noch frei - dort sollen für das Schuljahr 2016/17 vorübergehend Schulpavillons für Kinder aus den Baugebieten an der Gleisharfe und dem ehemaligen Dornier-Gelände sowie der Grundschule an der Limesstraße errichtet werden. Derzeit wird geprüft, ob das Areal auch langfristig als Schulstandort nutzbar sein könnte und der Bereich, der bisher für die Trambahnwendeschleife vorgesehen war, stattdessen dem Gewerbe geöffnet werden kann.

Freiham-Nord dagegen, konzipiert als Wohngebiet für 20 000 Menschen, befindet sich noch in der Anfangsphase. Die Fläche erstreckt sich zwischen dem Germeringer und dem Freihamer Weg, der Kunreuth-, Wiesentfelser und beidseits der Anton-Böck-Straße bis zur nördlichen Bodenseestraße und der verlängerten Freihamer Allee. Der erste, 85 Hektar umfassende Realisierungsabschnitt mit rund 4000 Wohnungen für 10 000 Einwohner ist erst vor wenigen Tagen endgültig vom Stadtrat genehmigt worden. Etwa die Hälfte der Wohnungen sollen im München-Modell oder im Zuge der einkommensorientierten Förderung entstehen, weitere 20 Prozent im neuen Modell für bezahlbaren Wohnraum, dem "konzeptionellen Mietwohnungsbau" (KMB).

Auch das Quartierszentrum, einen Bildungscampus mit Grundschule, Realschule, Gymnasium und Förderzentrum, einen Sportpark, 13 Kitas, ein Stadtteilzentrum sowie viel Grün- und Freifläche sieht der Bebauungsplan vor. Mit dem Bau der beiden Grundschulen am Quartierszentrum und an der Aubinger Allee wurde bereits begonnen. Unterricht soll dort schon im Schuljahr 2017/18 möglich sein. Der Bildungscampus und der Sportpark hingegen sollen 2019/2020 fertig sein.

Bis die ersten Bewohner in Freiham-Nord einziehen können, wird es noch mindestens drei Jahre dauern - Baustart der ersten Wohngebäude ist frühestens im kommenden Jahr. Offen bleibt vorerst, ob Freiham durch die Verlängerung der Tram 19 oder der U 5 erschlossen wird: Die Stadt lässt beide Varianten prüfen, ein Ergebnis könnte Anfang 2016 vorliegen.

Direkt neben Freiham Süd, im Osten, liegen zwei weitere Neubaugebiete. Auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks Neuaubing, der sogenannten Gleisharfe, entstehen rund 500 Wohnungen für 1200 Menschen. Die Siedlung umfasst eine Fläche von rund 8,5 Hektar zwischen der Bahnlinie München-Herrsching, der Kravogel- und der Papinstraße sowie dem im Norden anschließenden Gewerbegebiet des ehemaligen Ausbesserungswerks, bekannt unter dem Namen "Triebwerk".

Außer den Wohnungen werden hier noch zwei Kinderhäuser mit Platz für fünf Kindergartengruppen und fünf Krippengruppen, eine soziale Infrastruktur und öffentliche Grünflächen geschaffen. 2017 sollen die ersten Bewohner in das neue Quartier einziehen können. Und auf dem ehemaligen Dornier-Gelände sollen 2018 die ersten der rund 320 neuen Wohnungen bezugsfertig sein. Die Siedlung befindet sich auf dem Areal zwischen Trimburg-, Vogler-, Leisaustraße und Am Gleisdreieck.

Entschieden per Satzungsbeschluss hat der Stadtrat jetzt auch ein neues Quartier südlich des S-Bahnhofs Aubing. Das ehemalige Telekom-Gelände zwischen Colmdorf- und Pretzfelder Straße, dem Freihamer Weg und der Bahnlinie München-Buchloe bietet nach Fertigstellung voraussichtlich im Jahr 2017 Platz für rund tausend Menschen in 410 Wohnungen. Entstehen sollen in der unter dem Projektnamen "Aubing-Mitte" firmierenden Neubausiedlung außerdem zwei Kitas mit insgesamt vier Krippen-, vier Kindergarten- und zwei Hortgruppen sowie ein kleiner Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von 500 Quadratmetern nahe der S-Bahn. Ein weiteres Quartier, das bereits weit gediehen ist, liegt auf dem zehn Hektar großen, ehemaligen Bahn-Gelände an der Aubing-Ost-Straße: Einige der rund 500 Wohnungen zwischen Straße und Bahntrasse können demnächst bezogen werden.

Gebaut werden soll außerdem an drei Standorten in Lochhausen. Am "Spatzenwinkel" zwischen Pirol-, Rossittener, Lochhausener Straße und der Einfamilienhausbebauung westlich der Mettnauer Straße sollen Doppel- und Reihenhäuser, aber auch Geschosswohnungen Platz finden. Für den Südrand ist eine viergruppige Kindertagesstätte vorgesehen, ergänzt durch eine öffentliche Grünfläche mit Spielplatz. Gebilligt hat der Stadtrat den Bebauungsplan bereits im Mai 2013. Weil aber ein Teil des Areals der Kirche gehört, die den Grund in Erbpacht vergeben will, steht die endgültige Freigabe nach wie vor aus.

Planungsgebiet Nummer zwei in Lochhausen ist die "Henschelstraße". Den Ideenwettbewerb für das etwa sechs Hektar große Areal zwischen Kleiberweg, Henschel- und Federseestraße konnten das Dachauer Architekturbüro Deffner Voitländer und die Haimhauser Landschaftsarchitekten Schegk für sich entscheiden. Mehr als 400 Wohnungen, zwei Häuser für Kinder, einen Nachbarschaftstreff, einen Supermarkt mit Café und eine rund 25 Meter breite, öffentliche Grünfläche soll Lochhausen mit der neuen Siedlung dazugewinnen.

Ein drittes Neubaugebiet für 390 Wohnungen und eine Kindertageseinrichtung, situiert zwischen Osteranger- und nördlicher Lochhausener Straße, ist bislang nur als Vorentwurf konzipiert. Diese Planung soll 2017 fertig sein.

Wohnraum ist indes nicht das einzige, was im 22. Stadtbezirk wächst. Auch Gewerbeansiedlungen werden forciert, nicht nur in Freiham-Süd. Ein Standort ist das sogenannte Triebwerksgelände südlich der Gleisharfe, ein 400 000 Quadratmeter großes Areal mit sieben denkmalgeschützten Werkhallen. Und südlich der Autobahn A 8, rund um die Mühlangerstraße, soll das bereits bestehende Gewerbegebiet ausgeweitet werden: Paulaner ist bereits umgezogen, für die Südgrenze des neuen Brauerei-Standorts will das Planungsreferat nun eine "Machbarkeitsstudie zur Gewerbeflächenentwicklung Mühlangerstraße" in Auftrag geben.

© SZ vom 21.10.2015
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