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Wasserball:Ihrer Zeit voraus

"Ziellos und ohne Ambitionen in der zweiten Liga zu spielen, wäre auch ein falscher Ansatz": SG-Kapitän Marko Ristic.

(Foto: Claus Schunk)

Münchens erfolgreiche Wasserballer reisen zum Zweitliga-Spitzenspiel nach Weiden. Ihr Ziel ist der Titel, zum Aufstieg fehlt ihnen aber ein taugliches Bad.

Vergangenen Sonntag haben sich Münchens Wasserballer mal wieder in ihrem Neuhauser Stammlokal verabredet, nach dem Frühtraining in der Olympiaschwimmhalle. Praktischerweise gehört es der Mutter von Marko Ristic, dem mächtigen Rückraumspieler, Kapitän und Torjäger. Sie saßen unter einem dunklen Kronleuchter und schauten auf die Leinwand, wo ihr Zweitliga-Heimspiel gegen Weiden von Dezember lief. Es war das Duell des Ersten gegen den Zweiten, Ergebnis: 12:12. Und es diente ihrem Spielertrainer Ivan Mikic nun als Grundlage für eine wichtige Taktikanalyse. Denn beide Teams, die noch immer ungeschlagen sind, treffen an diesem Samstag in Weiden erneut aufeinander. Wer gewinnt, darf sich große Hoffnungen machen, am Ende der Saison auch Meister zu werden. "Wir sind Außenseiter, aber es wird ein Spiel auf Augenhöhe", sagt Mikic.

Die SG hätte kommende Saison kein erstligataugliches Bad. Eine Lösung: Umzug nach Ingolstadt

Einige Stellungsfehler und Abwehrschwächen hatte der Coach ausgemacht bei der Analyse, die SG Stadtwerke lag schnell mit 0:4 Toren hinten. Das soll in der Thermenwelt Weiden nicht wieder passieren, und die Voraussetzungen könnten für die Gäste besser kaum sein. Mikic kann auf fast seinen kompletten Kader zurückgreifen, nur Henry Dietz (private Gründe) und SG-Jugendspieler Anton Spanjol fehlen. Spanjols Ausfall bedauert Mikic sehr, wobei er ihn selbst zu verantworten hat. Denn der 17-jährige Allrounder aus Rijeka hat ein Zweitspielrecht für den Erstligisten Bad Cannstadt, der als Vorletzter in akuten Abstiegsnöten ist. Mikic hat der Bitte um Freigabe daher nach Gesprächen mit Bad Cannstadts Verantwortlichen entsprochen - auch wenn die SG nun vor einem ähnlich richtungsweisenden Duell steht. Denn sollten die Münchner, die in den vergangenen beiden Jahren Zweiter und Dritter wurden, Weiden bezwingen und am Ende Meister werden, nehmen sie an einem Aufstiegsturnier der vier Meister aus den Zweitliga-Staffeln Nord, Süd, Ost und West teil. Die beiden besten Mannschaften steigen dann in die erste Liga auf. Wobei München von diesem Ziel noch meilenweit entfernt ist.

Eigentlich kommt das Hoch der Münchner Wasserballer zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn ihre Trainingsstätte, die Olympia-Schwimmhalle, wird saniert. Im Mai beginnt der zweite Bauabschnitt. Die Arbeiten ziehen sich weit ins Jahr 2018 hinein, die SG muss ihre Spiele dann also komplett im kleinen Giesinger Anton-Fingerle-Bad bestreiten, was sie gerade ohnehin schon tut. Erstligatauglich ist das Bad aber nicht, das wäre nur die Olympia-Schwimmhalle. Die Münchner müssten im Falle eines Aufstiegs ihre Heimspiele in Ingolstadt oder Augsburg austragen, was nicht nur finanziell sehr aufwendig wäre. Auch deshalb sagt Mikic: "Wir wollen Meister werden, aber der Aufstieg ist in den nächsten ein, zwei Jahren kein Thema, weil uns einfach die Wasserfläche fehlt."

Für Klubvorstand Füchsl käme der Sprung ins Oberhaus "ein Jahr zu früh". Unmöglich wäre er nicht

Der SG-Vorsitzende Andreas Füchsl, ein passionierter Wasserballer, der diesen Sport seit den siebziger Jahren spielt und noch immer ab und zu beim Training mitmacht, sieht die Strukturprobleme auch, klingt aber nicht ganz so pessimistisch wie Mikic. Ein Aufstieg "wäre brutal schwierig" in dieser Lage, findet Füchsl, "er würde wohl ein Jahr zu früh kommen". Aber ganz ausschließen möchte er dieses Szenario nicht: "Ziellos und ohne Ambitionen in der zweiten Liga zu spielen, wäre auch ein falscher Ansatz." Wobei: Münchens Wasserballer sind so ambitioniert wie selten zuvor. Die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern passt sehr gut, für die erste Liga würde Mikic zufolge kaum etwas verändert werden - auch, weil das Gefüge passt.

Die Münchner Stadtwerke kennen als Hauptsponsor der SG die Situation, einen Aufstieg schon nach dieser Saison sehnen auch sie nicht gerade herbei. Klubvorstand Füchsl könnte sich aber durchaus vorstellen, dass die SG, falls sie tatsächlich Meister wird, das Aufstiegsturnier in München ausrichtet. Ende Juni wäre es wohl, und das Dantebad, wo die SG-Wasserballer immer ihre Sommerspiele austragen, eine mögliche Option. Auch wenn die Aussichten sehr diffus erscheinen: Es hätte Charme, im Freibad in die erste Liga aufzusteigen.

© SZ vom 03.03.2017
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