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Volleyball:Vor leeren Rängen!

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Ihr nächstes Heimspiel in der Nikolaushalle planen Herrschings Volleyballer noch mit Publikum. Im Playoff-Viertelfinale werden dann wohl auch sie vor leeren Rängen spielen müssen – in welcher Halle auch immer.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Herrsching und die Alpenvolleys sind massiv vom Coronavirus betroffen - auch die Playoffs im Audi Dome.

Von Sebastian Winter

Die beiden Volleyball-Erstligisten aus der Region werden in ihren Planungen durch das Coronavirus massiv beeinträchtigt. Bei den WWK Volleys Herrsching soll immerhin das letzte Rückrunden-Heimspiel gegen Frankfurt an diesem Samstag (19 Uhr, Nikolaushalle) regulär stattfinden. "Auch mit Zuschauern", sagt Herrschings Marketing-Manager André Bugl, "die Frage ist nur, wie viele wir reinlassen können." Für Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Personen hatte die bayerische Staatsregierung eine Absage bislang lediglich empfohlen, die Herrschinger sind im Austausch mit den örtlichen Behörden.

Allerdings steht das Playoff-Viertelfinalspiel am 1. April im Audi Dome auf der Kippe. Der Klub hatte diese Partie lange herbeigesehnt, er hätte sich erstmals auf großer Bühne vor mehreren Tausend Zuschauern in München präsentieren können, das Ziel waren 5000 Besucher. Seine Nikolaushalle entspricht nicht den Regularien und darf vom Viertelfinale an laut den Vorgaben der Volleyball-Bundesliga (VBL) nicht mehr genutzt werden. Nun macht die Anordnung der Staatsregierung, bis zum Ende der Osterferien Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen zu untersagen, die Pläne der Herrschinger zunichte.

Ob die Partie nun mit weniger als 1000 Besuchern, als komplettes Geisterspiel oder überhaupt nicht im Audi Dome ausgetragen wird, war am Mittwoch noch unklar, "wir prüfen gerade alle Optionen", sagte Bugl. Immerhin sei der Spieltag durch Sponsoren finanziert, "wir sind daher nicht von den Einnahmen über Eintrittsgelder abhängig". Ein Spiel ohne oder mit sehr wenigen Zuschauern im Audi Dome würde aber trotzdem kaum Sinn ergeben, denn die gewünschte Aufmerksamkeit brächte ein solches Szenario ja gerade nicht. Und auch keine schönen Fernsehbilder. "Generell ist das alles sehr schade für uns, weil wir diese Möglichkeit gerne genutzt hätten. Außerdem ist unsere Mannschaft in diesem Jahr top", sagt Bugl.

Da die Herrschinger wegen der VBL-Vorgaben für das Playoff-Viertelfinale nicht in ihre eigene Halle zurückkehren können, ist nun auch die Frage, wo abseits des Audi Domes sie ihr Heimspiel in der Runde der letzten Acht überhaupt austragen würden. In Vilsbiburg, wohin sie in bislang zwei Saisons für die Playoffs gewichen sind, spielen die dort ansässigen Roten Raben am Samstag ohne Zuschauer gegen die Ladies in Black Aachen. Ähnliches würde dann wohl auch Herrsching blühen. Denkbar wäre eine Verlegung nach Innsbruck - zumal der Gegner im Viertelfinale nach derzeitigem Stand die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching wären, deren Heimspielstätten Unterhaching und Innsbruck sind. In Tirol sind bislang die Heimspiele im Playoff-Viertel- und Halbfinale geplant.

Allerdings müssen die Alpenvolleys bereits ihre letzte Rückrunden-Heimpartie an diesem Donnerstag in Innsbruck gegen Giesen (18.10 Uhr/Sport 1) als Geisterspiel ohne Zuschauer austragen. Lediglich 100 Menschen dürfen nach den Vorgaben der örtlichen Behörden in die 8000 Fans fassende Olympiahalle gelassen werden. "Wir bitten um Verständnis, dass Personen, die nicht zum Staff, den Teams oder zum Personal der Olympiaworld gehören, kein Einlass gewährt werden kann", teilten die Alpenvolleys mit. Alle Fans, die sich im Vorverkauf bereits ein Ticket gesichert haben, werden vom Verein in den kommenden Tagen über die Rückabwicklung informiert. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch das erste Heimspiel im Playoff-Viertelfinale - womöglich gegen Herrsching - ohne Publikum ausgetragen wird. In Unterhaching wurde unterdessen das Zweitligaspiel der Alpenvolleys II gegen den SSC Karlsruhe in der Bayernwerk-Arena auf Samstag, 19 Uhr, vorverlegt.

"Am vernünftigsten wäre es, es dem Eishockey gleich zu tun", sagt Herrschings André Bugl

Die VBL teilte mit, dass sie gewillt sei, "die laufende Saison in einer für alle Vereine fairen Art und Weise zu Ende zu spielen, um Meister und Europapokalteilnehmer, aber auch mögliche Auf- und Absteiger in einem sportlichen Wettbewerb zu ermitteln und ihren Vereinen dadurch die notwendige Planungssicherheit für die Zukunft zu gewährleisten". Hinsichtlich der anstehenden Playoffs behält sich der VBL-Vorstand allerdings vor, "die Situation zu jedem Zeitpunkt (Hauptrunde, Viertelfinale, Halbfinale, Finale) den aktuellen Gegebenheiten entsprechend neu zu bewerten". An diesem Donnerstag will der Vorstand über das weitere Vorgehen beraten.

Die Klubs benötigen dringend Planungssicherheit, außerdem fürchten sie finanzielle Sorgen. Auch das Topduell Berlin gegen Friedrichshafen findet am Sonntag vor leeren Rängen statt, "finanziell ist die Absage mit enormen Einbußen verbunden", sagt Berlins Manager Kaweh Niroomand. In Herrsching findet André Bugl inzwischen: "Am vernünftigsten wäre es, es dem Eishockey gleich zu tun. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende - aber dafür halten sich die Einbußen in Grenzen." Sebastian Winter

© SZ vom 12.03.2020
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