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Volleyball:Versetzung gefährdet

Die spielerische Entwicklung der Hachinger Volleyballer (hier Benedikt Sagstetter) stellt den Trainer eher zufrieden als die mentale.

(Foto: Claus Schunk)

Der TSV Unterhaching unterliegt den Talenten vom VC Olympia und ist damit Tabellenletzter. Trainer Steuerwald wähnt das Problem vor allem in den Köpfen der jungen Spieler.

Von Katrin Freiburghaus, Unterhaching

Die erste Saison-Entscheidung in der Volleyball-Bundesliga fiel bereits am vergangenen Wochenende, und der Ausgang war für die Mannschaft des TSV Unterhaching "enttäuschend". So fasste Trainer Patrick Steuerwald das 1:3 (26:24, 26:28, 23:25, 20:25) gegen die Talente des VC Olympia Berlin zusammen, das gleichbedeutend mit der Niederlage in der inoffiziellen Nachwuchsmeisterschaft war. Nach zwei Duellen zwischen Unterhaching und dem VCO steht es nach Punkten 4:2 für die Berliner, weitere Aufeinandertreffen wird es in dieser Spielzeit nicht geben.

Die Spiele zwischen den beiden Teams gesondert zu betrachten, ist keine Respektlosigkeit vor ihrer Entwicklung, die am Sonntag im Vergleich zum ersten Aufeinandertreffen im vergangenen Dezember durchaus zu sehen war. Doch die Statistik ist trotz spielerischer Fortschritte gnadenlos: Beide Mannschaften holten gegen den Rest der Liga bisher keine Punkte; Unterhaching gewann fünf weitere Sätze, der VCO vier. Während das Konzept des VCO aber darauf ausgelegt ist, Spieler auszubilden und dann auf verschiedene Bundesligisten aufzuteilen, in denen sie von den Etablierten lernen, ist Unterhaching aktuell zwar in Teilen eine Nachwuchs-, jedoch keine Stützpunktmannschaft.

Einige Spieler hätten "schon auch Begehrlichkeiten" bei anderen Klubs geweckt, sagt Steuerwald - das allerdings dürfte den Kader sehr wahrscheinlich eher schwächer als stärker machen, weil es die Leistungsträger betrifft. Ziel für diese Saison, die für Unterhaching noch zwei Spiele gegen Herrsching und Düren lang ist, war es deshalb, den VCO hinter sich zu lassen. Damit sollte das Team jenen Schritt mehr zum Niveau der ersten Liga aufschließen, den man benötigt, wenn die Qualitätssteigerung auch in der kommenden Saison aus den eigenen Reihen kommen muss. Steuerwald mochte das selbst formulierte Klassenziel, "am Ende nicht Letzter zu werden", noch nicht ganz verloren geben. Die Saison sei schließlich noch nicht vorbei, sagte er tapfer, räumte aber ein, dass die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu verfehlen, groß sei; die Versetzung ist akut gefährdet.

Steuerwald hatte in den vergangenen Wochen insgesamt eine spielerische Verbesserung im Vergleich mit der Hinrunde beobachtet, sich aber auch immer wieder über Rückschritte geärgert. Ohnehin sieht er das Problem nicht primär im spielerischen Bereich. "Da haben wir den richtigen Weg eingeschlagen, auch wenn er für die allermeisten noch lange nicht zu Ende ist", sagte er. Dass diese Entwicklung kaum Zählbares zutage förderte, sei eher eine Frage des Kopfes. "Man muss in der ersten Liga auch mental einen Schritt machen, eher zwei", sagt er.

Dieses Jahr waren ihre Talente von allen Zielen befreit - doch das soll nicht so bleiben

Gegen den VCO erlebte Steuerwald sein Team diesbezüglich allerdings eher im Rückwärtsgang. "Unsere Vorgabe war, mutig, aktiv und aggressiv zu spielen - wir waren aber das gesamte Spiel über zu passiv", analysierte er. Das komplette Wochenende, das mit einem 1:3 gegen Königs Wusterhausen begonnen hatte, verbuchte er als "großen Dämpfer". Der VCO sei "das einzige Team auf Augenhöhe" gewesen, weshalb seine Mannschaft bewusst die Favoritenrolle eingenommen habe, um eine Drucksituation zu erleben, die sich nicht simulieren lässt. Gegen den VCO wollte Unterhaching punkten - das klappte nur beim 3:2 im Dezember. Diesen Druck künftig öfter zu spüren, werde folglich "eine große Herausforderung". Steuerwalds tief sitzende Enttäuschung dürfte viel mit diesem Blick auf die Zukunft zu tun gehabt haben.

Für die laufende Spielzeit hatten er und TSV-Geschäftsführer Mihai Paduretu ihren Talentschuppen ja von nahezu allen statistisch erfassbaren Zielen befreit. Allerdings stellt Steuerwald klar, "dass das nächstes Jahr nicht mehr so laufen soll, selbst wenn wieder niemand absteigt". Genau das dürfte sich mit dem aktuellen Kader jedoch schwierig gestalten, denn auf Sicht werden zwei natürliche Feinde junger Spieler hinzukommen, mit denen sich Hachings Team noch gar nicht beschäftigen musste: Erfolgsdruck und einschüchternde Auswärts-Kulissen. Steuerwald betrachtet "Verstärkung auf zwei, drei Positionen" dafür als Notwendigkeit. Die große Aufgabe für den Verein wird darin bestehen, Anreize für gestandene Bundesliga-Spieler aufzustöbern, die das leisten können - und wollen. Denn in einer Profi-Liga sind sie klassischerweise sportlicher oder finanzieller Natur. In beiden Bereichen taugt die aktuelle Saison nicht als Werbung.

© SZ/lib/sjo
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