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Volleyball:Genug geübt

Der Durchbruch? Aufsteiger Herrsching gelingen erstmals in der Bundesliga zwei Siege hintereinander

Als sich Julius Höfer für den fünften Aufschlag in Folge bereit machte, kam er doch kurz ins Nachdenken. "Ich habe überlegt, einen Sicheren zu machen, mich dann aber doch dagegen entschieden. Du musst in so einer Situation dann einfach draufgehen, zum Glück hat es geklappt", sagte er. Fünf Mal schlug Höfer für die Volleyballer des TSV Herrsching im vierten Durchgang gegen den Satzverlust auf, fünf Mal bereitete sein Service dem Gegner Probleme und der Punkt ging an die Gastgeber. "So was ist in der Bundesliga eigentlich unmöglich", kommentierte Trainer Max Hauser die Aufholjagd seiner Mannschaft. Von 19:24 auf 35:33 - dramatischer hätte das perfekte Wochenende mit zwei Siegen für das Team vom Ammersee kaum enden können. Nach dem 3:0 (25:21, 25:11, 27:25) gegen den VCO Berlin am Freitag besiegte Herrsching am Samstag die Netzhoppers KW-Bestensee 3:1 (25:22, 20:25, 26:24, 35:33). Damit gelang dem TSV nicht nur der erste Heimerfolg in der Bundesliga überhaupt, er landete auch erstmals zwei Siege hintereinander.

Der viel zitierte Heimvorteil, selten war er so spürbar wie am Samstag im Duell der beiden Aufsteiger. Die mit fast 1000 Zuschauern wieder ausverkaufte Halle schraubte den Lautstärkepegel wieder einmal weit nach oben. Hallensprecher und krachende Musikbeschallung taten ein Übriges. "Die Stimmung hier drin war wirklich so, dass es Auswirkungen aufs Spiel hatte", meinte Hauser, der das Publikum abwechselnd anspornte und beruhigte. Und schließlich selbst jubelnd am Spielfeldrand entlang hüpfte: "Ich versuche, Publikum und Emotionen in den kritischen Phasen so zu lenken, dass es uns hilft", erklärte der Trainer. Heißt: Richtig laut sein, wenn der Gegner unter Druck steht und punkten muss ; beruhigen, wenn das eigene Team vorne liegt.

Die Netzhoppers ließen sich davon im vierten Satz tatsächlich beeinflussen, verloren neben den fünf Satzbällen letztlich auch ihre Nerven. Plötzlich leisteten sich die Gäste ungewohnte Fehler in der Annahme, eine rote Karte wegen provozierenden Verhaltens brachte Herrsching zudem einen weiteren entscheidenden Punkt. Und auch so manche Schiedsrichterentscheidung fiel im Zweifel eher für die Gastgeber aus.

"Vom Kämpferischen her war das einzigartig", schwärmte Hauser, der gleichzeitig aber auch die spielerische Komponente hervorhob. "Wir haben eine halbe Saison lang Bundesliga geübt, jetzt sind wir sportlich angekommen", glaubt der Coach. Seine Mannschaft habe sich in allen Bereichen verbessert.

Herrsching Volleyball.

Heimvorteil: 1000 frenetische Zuschauer trieben den TSV Herrsching um Libero Sebastian Prüsener an. Auch beim Gegner zeigte die Kulisse Wirkung.

(Foto: Georgine Treybal)

Tatsächlich liest sich die Statistik der Herrschinger von der Annahme über den Angriff bis zum Aufschlag wesentlich besser als noch zu Saisonbeginn. Gerade die weniger erfahrenen Spieler haben dazugelernt. Während der australische Nationalspieler Luke Smith anfangs noch als Star der Mannschaft hervorstach, ist er jetzt einer unter vielen. Daniel Malescha hat sich zur ersten Wahl im Angriff entwickelt, besticht durch zunehmende Effektivität und Aufschlagstärke. Julius Höfer zeigt in der Annahme enorme Fortschritte und wirkt zunehmend konstant. Er erhielt von Hauser ein Extralob.

Dazu finden bundesligaerfahrene Spieler wie Mittelblocker Roy Friedrich und Zuspieler Tobias Neumann immer besser in ihre Rolle. Sportlich jedenfalls hat der TSV Herrsching spätestens mit diesen beiden Heimsiegen seine Bundesligatauglichkeit bewiesen. Die Oberbayern machen einen Sprung von Platz zehn auf acht - dort wollen sie sich, so das neue Saisonziel, behaupten. Der Klassenerhalt steht nach dem Lizenzentzug von Dresden ohnehin seit vergangener Woche fest. "Das hat natürlich auch ein wenig den Druck genommen", räumte Höfer ein. Laut seinem Trainer hätte er die Auszeichnung des besten Spielers an diesem Tag verdient gehabt, allein schon wegen der außergewöhnlichen Aufschlagserie zum Schluss.

Stattdessen bekam sie Libero Sebastian Prüsener. "Das liegt wohl daran, dass sie die Namen unserer Spieler nicht alle kennen", meinte Hauser. Das werde sich schon noch ändern.