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Volleyball:Dr. Seelentrösterin

Angriff der Etablierten: Planeggs Zuspielerin Kira Böhm setzt Julia Horst (li.) in Szene – Gegner Grimma gewann dennoch 3:1.

(Foto: Claus Schunk)

Frauen-Zweitligist TV Planegg-Krailling kämpft mit Abstimmungsproblemen - und mit den Nachwirkungen einer Quarantäne.

Von Sebastian Winter

Steffi Mehnert ist gerade so etwas wie die gute Fee bei Planeggs Zweitliga-Volleyballerinnen. Als Teammanagerin kümmert sie sich ohnehin um das Drumherum, hat ein offenes Ohr für alle Spielerinnen und ist oft genug auch Seelentrösterin. Inzwischen hat sich Mehnerts Jobprofil um ein großes Feld erweitert: Sie ist in diesem Jahr auch Corona-Beauftragte - mit allem, was dazugehört, ob das nun Hygienekonzepte sind oder die nächsten Tests, die die Spielerinnen vor sich haben. Glücklicherweise ist Mehnert Ärztin von Beruf, das hat dem Team auch Anfang September sehr geholfen, kurz nach dem Saisonstart. Damals verloren die TV-Volleyballerinnen einen Fünfsatz-Krimi bei den Roten Raben Vilsbiburg II nach knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit. Schlimmer aber war, dass eine von Planeggs Spielerinnen kurze Zeit später positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. Das Team musste 14 Tage in Quarantäne, eine Zeit, von der Mehnert sagt, sie habe "Spuren hinterlassen".

Als Mannschaft musste sich Planegg, das sich vor dieser Saison neu formiert hatte, erst wieder finden. Die Pause war auch in physiologischer und psychologischer Hinsicht für die einzelnen Spielerinnen nicht einfach. Immerhin hatte die Internistin Mehnert, die in einer Praxis in Murnau arbeitet, die Möglichkeit, die Spielerinnen selbst in ihrem Garten auf das Corona-Virus zu testen. Das macht sie auch weiterhin, die Liga schreibt ja Schnelltests oder PCR-Tests vor jedem Spieltag vor.

Inzwischen hat Planegg sechs Spiele absolviert, ist also nach der Corona-Pause wieder im Soll, was den Spielplan angeht. Allerdings noch nicht in sportlicher Hinsicht, denn bislang hat die Mannschaft des neuen Trainers Florian Saller erst eine Partie gewonnen, gegen Waldgirmes. Von den fünf Niederlagen gingen drei in den fünften Satz. Am vergangenen Wochenende verlor Planegg, das derzeit Tabellendrittletzter ist, zuhause gegen Grimma 1:3 und auswärts 2:3 in Dingolfing. Eigentliches Ziel der Mannschaft ist das Mittelfeld.

Ob es überhaupt Absteiger gibt, ist noch unklar

Die lange Quarantäne dürfte nur ein Grund dafür sein, dass in Planegg noch nicht alles nach Plan läuft. Der andere ist die neu strukturierte Mannschaft. Trainer Saller, der vorher den Regionalligisten Esting coachte, folgte auf Sven Lehmann, der lange Zeit Mr. Volleyball in Planegg war und eine Leerstelle hinterließ. Der neue Coach, der gerade seinen A-Schein macht, muss in schwierigen Zeiten ein Team formen, das ziemlich umgekrempelt wurde. Nachdem im vergangenen Jahr Annahme und Abwehr überzeugten, aber die Durchschlagskraft fehlte, verpflichtete der Klub die Außenangreiferinnen Julia Ziegler (SV Schwarz-Weiß München), Sophia Kilger (VV Gotteszell) und die 18-jährige Chiara Lukes (Mauerstetten), die alle den Sprung in die zweite Liga wagten. Wie auch die erst 17 Jahre alte Celia-Celene Morkoc (TB München), die nun zweite Zuspielerin hinter der etablierten Kira Böhm ist. Tanja Redecker wurde außerdem für den Mittelblock verpflichtet. Der Rest besteht überwiegend aus Stammkräften der letzten Jahre, wie Böhm, Jenny Wickler, Lisa Baumgartner oder Nadine Raß.

Vor allem die Abstimmung in Abwehr und Annahme passt noch nicht so gut, "das ist eine Baustelle", gibt Teammanagerin Mehnert offen zu. Und in den bisher so vielen engen Spielen, die Planegg fast alle verlor, spürte man gerade in den besonders kniffligen Situationen, dass Trainer Saller auch noch an mentalen Dingen feilen muss. Am kommenden Sonntag in Holz hat die Mannschaft die nächste Gelegenheit, besser zusammenzuwachsen und den Abstand zur Abstiegszone zu vergrößern. Wobei unklar ist, ob es in dieser Saison überhaupt Absteiger in die dritte Liga gibt. Die ersten Bundesligen haben die Abstiegsregel wegen der Corona-Pandemie schon ausgesetzt, die zweiten Ligen haben diesbezüglich noch nichts beschlossen.

Planegg versucht in jedem Fall, sich sportlich auch weiterhin in der Liga zu halten, Mehnert hofft, dass die Saison regulär beendet wird. Das Wichtigste: Der betroffenen Spielerin geht es gut. Sie hatte nur leichte Symptome, nach der Quarantäne konnte sie direkt wieder ins Training einsteigen.

© SZ vom 12.11.2020

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