Volleyball Doppelter Heimvorteil

Servus, bis Samstag: Die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching (links vom Netz) und Viertelfinalgegner Herrsching (rechts) haben eine verbindliche Playoff-Verabredung.

(Foto: Oryk Haist/imago)

Die Alpenvolleys beenden die Hauptrunde als Zweiter und erwarten im Viertelfinale den Lokalrivalen Herrsching - in Innsbruck und in Haching.

Von Katrin Freiburghaus

Ein bisschen skurril war die Situation schon: Als die Bundesliga-Volleyballer aus Rottenburg und Herrsching am vergangenen Samstagabend zum finalen Tie-Break - dem Inbegriff der Hochspannung - zurück auf das Feld schritten, hatte die Volleyball-Bundesliga auf ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken bereits ein paar hübsche Grafiken mit den Paarungen für die in der kommenden Woche beginnenden Playoffs veröffentlicht. Viel deutlicher ließ sich kaum zeigen, dass es in den letzten 15 der 140 Minuten Netto-Spielzeit am letzten Spieltag der Hauptrunde eigentlich um nichts mehr ging.

Streng genommen war es bereits ab einem viel früheren Zeitpunkt lediglich noch um ein feines Spektakel für Rottenburgs scheidenden Trainer Hans-Peter Müller-Angstenberger gegangen und Herrschings 3:2 (22:25, 25:23, 25:27, 25:23, 15:9) weder für die sportlich bereits abgestiegenen Rottenburger noch für ihre Gäste tabellarisch relevant: Da der lange indisponierte Meister Berlin nun doch noch beschlossen hat, ernsthaft am Wettbewerb um die Meisterschaft teilzunehmen, und kurzen Prozess mit Herrschings einzigem Verfolger Bühl machte, stand früh fest, dass Herrsching die Hauptrunde auf Platz sieben beenden würde. Das sei "schlussendlich schon auch der Platz, wo wir hingehören", sagte Libero Ferdinand Tille, der in der wechselvollen Partie einen Spiegel für die gesamte Herrschinger Saison sah: "Wir haben oft gut gespielt, uns dann aber nicht belohnt. Trotzdem brauchen wir insgesamt sicher nicht unzufrieden zu sein." Tatsächlich ist der finale Rückstand von 14 Punkten auf den Sechsten Düren zu groß, um mit Nuancen zu hadern. Auch zum Abschluss in Rottenburg folgten auf starke Phasen immer wieder Abschnitte mit Unkonzentriertheiten und vielen Fehlern, durch die Herrsching die Gastgeber zurück ins Spiel brachte. Am Ende tat es Tille "fast ein bisschen leid, dass wir ihnen die Party versaut haben". Da für die Herrschinger im Wunsch-Viertelfinale mit den Hypo Tirol Alpenvolleys Haching aber noch mindestens eine weitere eigene Party folgen soll, hatten sie selbst bei der Abschiedsfete eines Liga-Urgesteins wie Müller-Angstenberger nichts zu verschenken. "Wir haben nicht gut gespielt, aber es ist ein Zeichen für eine gewisse Qualität, dass wir es dann doch noch gewonnen haben", bilanzierte Herrschings Trainer Max Hauser.

Ob es tatsächlich zum Duell mit den Alpenvolleys kommen würde, war im Gegensatz zu Herrschings siebtem Platz deutlich länger fraglich gewesen. Denn um den dafür nötigen zweiten Rang in der Tabelle zu verteidigen, musste die deutsch-österreichische Co-Produktion mit Hauptsitz in Tirol bei den Talenten des VCO Berlin gewinnen. Vor fast leeren Tribünen fiel das den in der Rückrunde nicht immer souveränen Innsbruckern schwerer als erwartet.

Weil Herrschings Halle zu niedrig ist, finden die Spiele in Innsbruck und Unterhaching statt

Den ersten Satz gewannen sie erst dank größerer Durchsetzungskraft in der Schlussphase, den zweiten Durchgang gaben sie dagegen mit 16:25 ab. Zwar lobte Trainer Stefan Chrtiansky brav die beachtlichen Qualitäten des Nachwuchses, sagte über die Leistung seiner eigenen Spieler im zweiten Satz jedoch auch: "Das war von einem anderen Planeten." Im dritten Durchgang war sein Team zurück auf der Erde und fertigte die Berliner mit 25:14 ab - Fernreisen dieser Dimension gibt es sonst nur im Planetarium.

Das 3:1 (25:22, 16:25, 25:14, 25:19) beschert dem Klub mit der doppelten Staatsbürgerschaft nun ein maßgeschneidertes Viertelfinale mit doppeltem Heimspiel: Weil die Ausnahmegenehmigung für die eigentlich nach Liga-Maßstäben zu niedrige Halle der Herrschinger in den Playoffs nicht gilt, haben sie ihr Heimrecht an die Alpenvolleys abgetreten. "Das ist eine Win-Win-Situation", sagte Hauser. Die Tiroler stemmen auch im zweiten Spiel der Best-of-three-Serie die Organisation, hoffen aber auch auf die Sogwirkung des Derbys und damit volle Ränge in Unterhaching; zudem hilft je ein Viertelfinale in Innsbruck und Unterhaching beim nach wie vor schwierigen Spagat, parallel zwei Anhängerschaften in Österreich und Deutschland aufzubauen.

Sportlich sind beide Teams zufrieden, was zunächst ein wenig merkwürdig anmutet. Doch die Alpenvolleys berufen sich auf zwei glatte 3:0-Erfolge in der Hauptrunde, während die Herrschinger ihren nächsten Nachbarn verglichen mit Tabellenführer Friedrichshafen und dem Dritten Berlin als das kleinere Übel betrachten. "Die Mannschaft liegt uns", sagt Tille, "wir sind Außenseiter, aber wir gehen da nicht mit der Einstellung rein, dass es nichts wird." Chrtiansky sieht sein Team als "klaren Favoriten", ergänzte aber: "Das müssen wir jetzt auch bestätigen." Bayern und Österreich sind ihm für dieses Vorhaben gleichermaßen recht. Auf interplanetarische Irrfahrten sollte seine Mannschaft dagegen künftig lieber verzichten.