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Volleyball:Den Grizzlys entwischt

Berlin Deutschland 25 11 2017 Michal Sladecek Herrsching 12 jubelt mit Ferdinand Tille Herrsch

"Viel zu tun": Gegen Giesen war auch Herrschings Abwehrchef Ferdinand Tille nicht fehlerfrei.

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Herrschings Volleyballer bezwingen Giesen beim Erstliga-Auftakt auswärts mit 3:1. Trainer Hauser ist mit keinem seiner Spieler wirklich zufrieden - am ehesten mit Zugang Jori Mantha.

Gute sechs Stunden braucht man von der 100 000-Einwohner-Stadt Hildesheim mit dem Auto nach Herrsching, bei freier Fahrt. Trainer Max Hauser und seine Erstliga-Volleyballer wollten also am Samstagabend, nach dem Spiel gegen die Helios Grizzlys Giesen, die wegen ihrer mickrigen Halle ihre Heimspiele etwas weiter südlich in der Hildesheimer Eventarena austragen, möglichst bald wieder an den Ammersee zurück. Doch sie mussten warten. Denn ihr Mittelblocker Norbert Engemann, der Polizeianwärter, und Zuspieler Benedikt Sagstetter mussten zur Dopingkontrolle - obwohl beide mit am wenigsten Einsatzzeit hatten.

"Das macht die Fahrt sehr, sehr viel angenehmer", sagte der wartende Hauser am Abend nach dem Spiel, und er meinte damit natürlich nicht Sagstetter und Engemann, die ihre Pinkelpause beim Reiseantritt bereits hinter sich hatten. Hauser meinte den sehr, sehr hart erkämpften 3:1 (27:25 11:25, 25:21, 25:23)-Erfolg seiner WWK Volleys aus Herrsching, den knapp 2000 Zuschauern in der stimmungsvollen Hildesheimer Arena verfolgt hatten: "Den Tiebreak hätten wir wohl verloren."

So aber haben sich die Oberbayern nach einem knapp zwei Stunden dauernden sportlichen Kampf zum Saisonauftakt drei wichtige Punkte gesichert - Giesen gilt ja als einer der Konkurrenten Herrschings in der zweiten Tabellenhälfte um die hinteren Playoff-Plätze. "Das war eine enge Kiste gegen ein gutes Team", sagte Hauser, "wie stark sie sind, hat man vor allem im zweiten Satz gesehen."

Der zweite Satz gerät zur Farce: Einen 2:18-Rückstand hat bisher noch keiner der Spieler erlebt

Dieser Satz entwickelte sich zur nie dagewesenen Farce für Herrsching in seiner Bundesliga-Geschichte. Nach dem 0:4-Start und einer schnellen Auszeit Hausers, die dafür gedacht war, die Spieler wachzurütteln, brachen die neu formierten Gäste komplett auseinander. Ihr Rückstand schwoll auf ein peinliches 1:10 an, den Giesen auch dank seiner starken Aufschläge immer weiter ausbaute. Hauser stand ratlos an der Seitenlinie, und als er mal wieder ungläubig auf die Ergebnistafel blickte, leuchtete dort bereits ein 2:18-Debakel. Seit das Rallye-Point-System, bei dem jeder Punkt zählt, vor 20 Jahren im Leistungsvolleyball eingeführt wurde, dürfte es so einen Zwischenstand kaum einmal in der Bundesliga gegeben haben. "Ich habe den Ferdl (Herrschings langjähriger, mit 165 Länderspielen dekorierter Libero Tille) gefragt, ob er schon mal so weit zurücklag. Wir konnten uns beide nicht erinnern", sagte Hauser: "Umso wichtiger ist es, dass wir dann so ein Spiel gewinnen."

Im ersten Durchgang war vor allem Herrschings Nervenstärke ausschlaggebend für die Führung, und außerdem eine starke Abwehr des neuen kanadischen Außenangreifers Jori Mantha, die beim 26:25 der Ausgangspunkt für den späteren Block der Gäste war. Überhaupt überzeugte Mantha noch am ehesten bei Herrsching, mit seinen 20 Punkten wurde er als MVP ausgezeichnet. "Der Angriff klappt super bei ihm, verbunden mit seiner Kraft und seinem Spielgefühl", lobte ihn Hauser. Nach dem folgenden Debakel im zweiten Satz, das auch Mantha fast widerstandslos über sich ergehen ließ, dürfte Hausers Mannschaft froh gewesen sein, in die Zehn-Minuten-Pause entlassen zu werden - aus der sie mit neuem Mut wieder aufs Feld kam. Sie erarbeitete sich recht schnell einen Zwei-Punkte-Vorsprung, und als beim 24:21 der erst 18-jährige Sagstetter, der später zur Dopingkontrolle musste, clever den zweiten Ball mit einem Lob in Giesens Feldhälfte platzierte, war die neuerliche Satzführung perfekt.

Sagstetter fand auch im noch knapperen vierten Satz die Lücke für seinen zweiten Ball zum 24:22, den Matchball verwandelte Herrschings neuer Diagonalmann aus den USA, Jalen Penrose, dem Hauser ansonsten ein eher schwaches Zeugnis ausstellte. "Ich bin mit keinem Spieler hundertprozentig zufrieden. Der Block war nicht richtig gut, der Angriff insgesamt auch nicht, die Annahme wohl auch nicht bei diesem zweiten Satz." Die Blocker Mart van Werkhoven und Ilic Dorde, Diagonalmann Penrose, selbst der erfahrene Libero Tille, alle machten sie ihre Fehler. "Wir haben noch viel zu tun", sagte Hauser, dem auch die Statistik Sorgen machen dürfte: Herrsching gelangen nur drei Asse (Giesen neun) und neun direkte Blocks (Giesen 17).

An diesem Donnerstag (20 Uhr) kommt mit den Alpenvolleys Haching, die ihr Auftaktspiel in Innsbruck gegen Außenseiter Rottenburg mit einiger Mühe 3:1 gewannen, ein härterer Prüfstein in die Nikolaushalle. Die Alpenvolleys wollen ja nicht weniger als das Meisterschaftsfinale erreichen.