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Volleyball:Auf Happy-End-Kurs

„Es sieht ganz gut aus“: Trainer Sven Lehmann mit der 17-jährigen Zuspielerin Kira Böhm, die die schwangere Diana Hübner seit November vertrat.

(Foto: Claus Schunk)

Planegg waren eigentlich aus der zweiten Liga abgestiegen - bleibt nun aber wohl doch drin. Das liegt einerseits am Rückzug des Konkurrenten Sonthofen - andererseits kommt ihnen das vorzeitige Saisonende zu Hilfe.

Am Sonntag haben Sonthofens Volleyballerinnen eine für sie bittere Nachricht bekannt gegeben. Der Traditionsklub aus dem Allgäu zieht sich nach 18 Jahren und zwei Meistertiteln aus der zweiten Volleyball-Bundesliga zurück. Nicht wegen des Coronavirus, sondern um Volleyball in Sonthofen "wieder regionaler zu gestalten", wie es in der Mitteilung heißt. Seit vielen Jahren hatte Sonthofen sich wegen fehlender eigener Talente mit Spielerinnen aus München verstärkt. Der Aufwand war enorm, denn die Volleys trainierten dadurch immer zweimal wöchentlich in München, und nur an Freitagen vor den Heimspielen in Sonthofen. Die Kosten wuchsen, Trainingshallen in München waren kaum zu finden - und mit der Konkurrenz aus Lohhof und Planegg-Krailling buhlte man um die besten Talente.

Das ist jetzt vorbei, Sonthofen zieht sich in die dritte Liga zurück, was Lohhofs Teammanagerin Martina Banse sehr bedauert: "Ich finde das schade, dass dieses Derby nun wegfällt." Brisanz hatte es immer genug. In dieser Saison gab es in Lohhof ein spannendes 2:3 für Sonthofen, die Rückrundenpartie im Allgäu fiel dann dem Virus zum Opfer, die Spielzeit ist seit Donnerstag vorzeitig beendet. Und auch die beiden Frauen-Zweitligisten aus der Region müssen erst einmal klarkommen. "Wir hatten Telefonkonferenzen wegen des Trainingsbetriebs, wegen der südbayerischen U-13-Meisterschaft, die am Wochenende noch bei uns hätten stattfinden sollen", sagt Banse. Letztlich wurde alles abgesagt, die Sportanlagen sind nun in Unterschleißheim, wie anderswo, ohnehin dicht.

Für Lohhof bleibt eine ordentliche Saison, die der Klub auf Platz fünf abschließt - wenn die Tabelle überhaupt gewertet wird. In Planegg aber, dem Tabellenletzten und einzigen Regelabsteiger in die dritte Liga, gab es zuletzt vor allem viele Fragen. Die wichtigste lautete: Steigt der Klub tatsächlich ab oder hat er das Glück, wegen der besonderen Umstände doch in der zweiten Liga zu bleiben? Und will er das überhaupt nach einer eher ernüchternden Saison, die er wohl auch bei einem regulären Abschluss als Schlusslicht beendet hätte? Immerhin hatten die Planeggerinnen nach dem letzten ausgetragenen Spieltag bereits sechs Punkte Rückstand auf den Vorletzten Waldgirmes.

Antwort eins: Planegg möchte in der Liga bleiben, im Gegensatz zu Sonthofen, dessen Rückzug nun unmittelbare Auswirkungen auf die Situation der Volleyballerinnen aus dem Würmtal haben dürfte. Denn durch den Rückzug der Allgäuerinnen wird ein zusätzlicher Platz in der zweiten Liga frei, die ohnehin nicht ganz voll war. Zwar sind genau zwölf Teams in der Südstaffel, was der Regelstärke entspricht. Aber der VC Olympia Dresden wird als Internatsteam nicht dazugezählt. Damit wäre kommende Saison Platz für zwei weitere Mannschaften. Und da aus der dritten Liga nur Bad Soden und Altdorf aufsteigen wollen, wäre auch für Planegg-Krailling noch ein Plätzchen frei. Außer aus der ersten Liga gerät noch ein Klub aus dem Süden ins Schlingern und muss zwangsabsteigen.

Die Volleyball-Bundesliga (VBL) wird wohl bis Ende dieser Woche entscheiden, wie sie den Auf- und Abstieg unterhalb der ersten Liga generell regelt. Es gibt drei Szenarien: Von einer eingefrorenen Tabelle ist die Rede, an der sich Auf- und Abstieg orientiert; von einer kompletten Annullierung der Saison, womit es dann eben auch wie in der ersten Liga keine Auf- und Absteiger gibt; und von einer Regelung, nach der Tabellenletzte, die rein rechnerisch noch die Möglichkeit gehabt hätten, in der Liga zu bleiben, nicht absteigen sollen. Planegg aber würde wohl bei allen Szenarien in der Liga bleiben - weil sie eben wieder aufgefüllt werden kann. "Es schaut ganz gut aus jetzt", sagt Planeggs Teammanagerin Stephanie Mehnert, auch wenn sie sich noch nicht traue, "zu sagen, dass das zu einhundert Prozent sicher ist".

Für Planegg, das sich in den letzten zwei Jahren strukturell gut entwickelt hat, wären das gute Nachrichten in dieser Krise, die auch sechs Monate Arbeit des TV für die Ausrichtung der nun abgesagten U-20-DM Anfang Mai zunichte gemacht hat. Auch die Kaderplanungen schreiten nun voran. Bei einigen Sonthofener Spielerinnen, die in München oder dem Umland wohnen, dürften bald die Telefone klingeln.

© SZ vom 17.03.2020

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