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Turnen:Auftakt mit Aussicht

Sixpack: Hachings Felix Kriedemann tritt an allen Geräten an. Nur eins verliert er und erobert 19 Punkte.

(Foto: Claus Schunk)

Der Zweitligist Exquisa Oberbayern unterstreicht seine Aufstiegsmbitionen gegen Hanauerland mit einem eindrucksvollen Sieg. Der Wettkampftag unter den Augen eines Ehrengastes beginnt allerdings mit einer traurigen Nachricht.

Von Andreas Liebmann, Unterhaching

Der Ehrengast trug Maske, trotz Abstand; zur Begrüßung, beim Anfeuern und als er seinem Vereinskollegen Felix Kriedemann am Ende das Shirt für den Topscorer überreichte. Marcel Nguyen hat ja noch viel vor, zum Beispiel will der zweimalige Olympia-Zweite nach Tokio. Am Samstag war er zu Besuch bei seinem Verein, für den er nicht mehr in der Liga, aber bis heute bei Wettkämpfen antritt; in dem er "groß geworden" ist, wie er sagte. Im Interview mit Uli Ernst, einem der Moderatoren des Livestreams, den das Turnteam Exquisa Oberbayern zum Zweitliga-Auftakt gegen die TG Hanauerland ins Netz stellte, sagte er auch, dass er seine Karriere hier beenden wolle - und das war dann doch eine sehr vielversprechende Aussicht. Denn die Aktiven der Turngemeinschaft, zu der Nguyens TSV Unterhaching zählt, haben sich diesmal den Aufstieg in die erste Liga fest vorgenommen.

Nguyens Besuch war auch wegen einer traurigen Nachricht sehr passend. Richard Hörle, sein erster Trainer hier, war in der Nacht auf Freitag gestorben. Der Wettkampf begann mit einer Schweigeminute, in der das Publikum daheim an den Monitoren Fotos des von allen geschätzten Hörle sah, auch im Kreise der Nationalmannschaftsturner wie Nguyen, Lukas Dauser oder Felix Remuta. Und dann zeigten die Gastgeber, dass es mehr als nur eine vage Idee ist, in diesem Jahr den Aufstieg anzupacken. Mit 76:13 Scorepunkten besiegten sie die TG Hanauerland, gewannen dabei alle sechs Geräte. Die Gäste, gegen die es früher schon viel knapper zuging, mussten ohne Trainer und wegen der Pandemie ohne internationale Verstärkung auskommen, doch Letzteres ging den Oberbayern ähnlich (abgesehen vom in Deutschland lebenden Christian Precup, der nach fünfjähriger Wettkampfpause an einem seiner zwei Geräte gewann). Sogar auf Jakob Paulicks, einen ihrer Besten, verzichteten sie wegen Trainingsrückstands, Samuel Dobrovsky hing studienbedingt in Innsbruck fest. Umso beachtlicher das Ergebnis.

Es stand bereits 29:0, als Felix Kriedemann die Hände in die Hüften stemmte und konsterniert das Seitpferd anstarrte, ehemals Wackel- und seit Jahren Paradegerät seines Teams, das ihn soeben zum zweiten Mal abgeworfen hatte. Würden die Gäste nun die Aufholjagd starten? Kriedemann konnte hier nichts mehr retten. Doch Markus Müller, Stefan Miedl und Fabian Dauth hatten ihm einen 14:0-Vorsprung mitgegeben. Kriedemann, der 17-Jährige, brauchte auch gar keinen Trost: An den anderen fünf Geräten sammelte er 19 Punkte, Tagesbestwert. In zwei Wochen kommt die KTV Ries.

© SZ vom 12.10.2020

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