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Triathlon:Mit geliehenem Rad

Der Münchner Sven Pollert gewinnt auf kuriose Art und Weise erstmals den Wörthsee-Triathlon. Nun will er bei der DM aufs Siegertreppchen.

Sven Pollert lacht und reißt die Arme nach oben, er kann den Zieleinlauf trotz der absolvierten zehn Kilometer, begleitet von einer La Ola der Zuschauer auf der Uferpromenade in Steinebach, genießen. Und er kann im Ziel seinen ersten Sieg beim Wörthsee-Triathlon zunächst in aller Ruhe feiern, von einem Verfolger ist nichts zu sehen.

Der Münchner hat nicht nur zum ersten Mal gewonnen, Pollert hat nach Belieben dominiert. Um gerade mal 30 Sekunden später schon wieder entspannt zu reden. Die Anstrengungen der 1500 Meter Schwimmen, 41 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen, die immerhin 2:05:26 Stunden gedauert haben, sind kaum zu bemerken. Doch das täuscht: "Der Puls war beim Laufen durchgängig bei 190", sagt Pollert - also dicht am Maximalpuls. Der 27-jährige Sieger vom SC Prinz Eugen München erholt sich jedoch im Nu - ein Zeichen für beste Ausdauerqualitäten des Triathleten.

Sport und Meer

Organisator Maximilian Krumm konnte es kaum fassen: Wie im Vorjahr hatten Unbekannte im Wald die Laufstrecke in der Nacht vor dem Start manipuliert: "Ein Streckenpfeil wurde gedreht und die Sägespäne anders ausgerichtet", berichtete Krumm, 36, der Germeringer hat selbst den Wörthsee-Triathlon schon gewonnen, seine Karriere aber mittlerweile beendet. Nun tritt er als Organisator in die Fußstapfen von Walter Neumann, der 80-Jährige hat mit dem Polizei-Sportverein den Wörthsee-Triathlon 1985 aus der Taufe gehoben. Weil der Veranstalter gewarnt wurde, war die Strecke bei der 34. Auflage des Rennens rechtzeitig in Ordnung gebracht.

Auch diesmal war das Rennen mit 800 Starterinnen und Startern schon im Mai ausgebucht: "Wenn wir schon so viel Aufwand betreiben, müssen wir den Sport mit einem gesellschaftspolitischen Anspruch verbinden", beschreibt Krumm das Credo der Veranstaltung. Die Organisation Greenpeace war zum Thema Meeresschutz mit einem Stand vertreten, für sie und die örtliche Nachbarschaftshilfe, die von einem Sportkleidungsbasar profitierte, kamen insgesamt 3500 Euro an Spenden zusammen. KWG

Diese exzellente Ausdauer hat natürlich viel mit dem Trainingsumfang zu tun. "Ich komme auf 20 Stunden pro Woche", erzählt Pollert, als gerade ein Konkurrent ins Ziel kommt und sich umgehend übergeben muss. 20 Stunden Training sind eine Menge, wie das zusammengehe mit seiner Arbeit als IT-Experte? "Ich habe eine super Chefin", erklärt der Triathlet, "sonst geht das nicht." So konnte Pollert im vergangenen Winter in der Saisonvorbereitung noch einmal einen Schwerpunkt auf das Schwimmen legen, obwohl er schon als starker Schwimmer bekannt war. Die neuerliche Verbesserung verdanke er Trainer Stefan Drexl vom SC Prinz Eugen, am Wörthsee kam Pollert nach dem 1500-Meter-Dreieckskurs auch als Erster aus dem Wasser - der Beginn seines Start-Ziel-Sieges. Denn auch auf dem Rad blieb er vorn.

Einigermaßen angepasst: Obwohl Sven Pollert nicht sein Sportgerät hatte, war er nicht zu bezwingen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das hatte Pollert so gar nicht erwartet, war doch an seinem Fahrrad einen Tag vor dem Rennen die Schaltung kaputt gegangen. Kurzfristig besorgte er sich ein "Leihrad" bei einem Fahrradspezialisten in Markt Schwaben, das schnell noch einigermaßen angepasst wurde. Mit dem geliehenen Rad ging alles gut auf dem schwierigen Kurs mit sechs Wendepunkten. Die Organisatoren vom SV Funkstreife München mussten die Strecke in diesem Jahr verändern, weil Herrsching die Fahrt durch die Gemeinde verweigerte. So verlängerte sich der Radkurs von 40 auf etwa 41 Kilometer. "Zu jung und zu schnell" dieser Pollert, fand auch Tom Weikert anerkennend. Der 44-jährige Polizist aus Kaufering ist besonders stark auf dem Rad und hatte in den vergangenen Jahren zweimal am Wörthsee triumphiert. Er wurde Dritter, Pollert war auch auf dem Rad eine halbe Minute schneller. Die Vorentscheidung war aber schon gefallen, weil Pollerts Vorsprung nach dem Schwimmen schon drei Minuten betragen hatte. Am Ende verlor Weikert auf Pollert insgesamt vier Minuten. Zweiter wurde der Ingolstädter Alexander Saul, sein Rückstand betrug 2:15 Minuten.

Der Sieg beim dritten Start in seinem "Lieblingsrennen", wie Pollert den Wörthsee-Triathlon nennt, war zugleich der oberbayerische Meistertitel. 2018 war er noch Dritter, 2019 scheint sein Jahr zu werden: Vor dem Triumph am Wörthsee hatte er schon den Sprint in Regensburg gewonnen. In zwei Wochen stehen die deutschen Meisterschaften über die olympische Distanz an - wie am Wörthsee. "Da will ich in meiner Altersklasse aufs Podium.

Der gebürtige Oberpfälzer, der seit elf Jahren Triathlon betreibt, ist mit 27 Jahren noch nicht ganz im besten Triathlonalter, von der Langstrecke lässt Pollert aber noch die Finger: "Der Trainingsumfang würde es hergeben, aber ich habe noch großen Respekt vor dem Ironman."