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Tennis:Unterhaltung mit Bäuchlein

Micke Kontinen kann derzeit nicht viel trainieren, er macht eine Ausbildung zum Hotelfachwirt. Sein Einzel gewann der Finne dennoch.

(Foto: Claus Schunk)

Der TC Großhesselohe startet mit einem Sieg in die zweite Tennis-Bundesliga Süd. Wichtig ist dem Verein, dass sich die Spieler mit ihm identifizieren - und die Zuschauer begeistern

Als die drei älteren Herren diese wunderbare Vorhand sahen, wurden sie nervös. Sie kannten den jungen Mann unten auf dem Platz nicht, der gerade auf furchtlose und bemerkenswerte Weise im Champions-Tiebreak des dritten Satzes seinen Matchball zum 10:5 verwandelte, sie hatten ihn nie zuvor auf der Anlage des TC Großhesselohe gesehen. Also fragten sie Marcel Zimmermann um Rat, "den Zimbo", wie sie den 31-Jährigen hier beim Tennis-Zweitligisten an der Pullacher Straße alle rufen. Der Zimbo ist schon immer da gewesen, irgendwie. Seit 15 Jahren spielt er für den TC Großhesselohe, mit 16 Jahren hatte er sich als junger Bursche dem Klub angeschlossen, alle Höhen und Tiefen miterlebt. Sogar das eine Jahr in der ersten Liga 2003. "Das ist Lucas Miedler", entgegnete Zimmermann, "der spielt richtig gut." Zustimmendes Nicken der drei Herren.

Die Zuschauer fühlten sich am Sonntag, am ersten Spieltag der 2. Bundesliga Süd, bestens unterhalten, sie gingen nach dem 6:3 ihrer Mannschaft gegen den TC Ludwigshafen vergnügt nach Hause. Nicht nur am Österreicher Miedler fanden sie Gefallen, der kurzerhand für Kevin Krawietz, eingesprungen war. Der war am Sonntag verhindert, weil er beim ATP-Challenger-Turnier in San Benedetto ins Halbfinale eingezogen war. Miedler reiste deshalb von Kitzbühel an, in seiner Heimat steht er beim ATP-Turnier in dieser Woche im Doppel-Hauptfeld. "Wir mussten am Samstag noch viel telefonieren", sagte Großhesselohes Mannschaftsführer Maximilian Wimmer. Alles war hektisch und ein kleines bisschen chaotisch. Denn neben Krawietz erreichte auch Arthur de Greef das Halbfinale in San Benedetto, ein weiterer Spieler, der beim TCG auf der Meldeliste steht. Weshalb die Aufstellung gegen Ludwigshafen im letzten Moment umbesetzt werden musste.

Doch die Telefoniererei lohnte sich, Wimmer und Teammanager Christopher Kas fanden ein Team, das die Zuschauer begeisterte. Allen voran Micke Kontinen verblüffte mit zum Teil irrwitzigen Ballwechseln. Der jüngere Bruder des Weltklasse-Doppelspielers Henri Kontinen, der am Sonntag das Doppelfinale in Hamburg gewann, wirkt im ersten Moment nicht gerade wie ein austrainierter Tennisprofi. Er trägt ein viel zu großes T-Shirt, um den kleinen Bauchansatz zu verbergen, er ist gedrungen, trotzdem keiner, der wild auf die Bälle eindrischt. Kontinen spielt mit Köpfchen, ist mit sehr viel Ballgefühl gesegnet. Am Ende gewann er sein Einzel in drei Sätzen. "Micke wird in den nächsten Partien noch viel besser spielen, er braucht Matchpraxis", glaubt Wimmer. Der Finne aus Helsinki hat zuletzt nicht mehr besonders viele Matches unter Wettkampfbedingungen gespielt. Er hatte einfach keine Zeit, seine Ausbildung zum Hotelfachwirt beansprucht ihn sehr: "Ich musste meine professionelle Karriere aufgrund vieler Verletzungen leider schon beenden", erzählte Kontinen. Mit 23 Jahren. Dabei ist er hochbegabt, er stand in der Weltrangliste schon auf Rang 355, doch sein Körper ist offenbar nicht für den Leistungssport ausgelegt. Wimmer glaubt aber, dass "wir noch viel Spaß an ihm haben werden".

Wimmer selbst, der als Trainer von Mattias Bachinger und Peter Gojowczyk, beide Tour-Profis haben schon für Großhesselohe gespielt, in Oberföhring arbeitet, gewann gegen Ludwigshafen Einzel und Doppel. "Wir haben in dieser Saison eine starke Mannschaft, mit der wir schon oben mitspielen wollen", sagt er. Oben mitspielen ist aber nicht gleichbedeutend mit aufsteigen wollen. Der TC Großhesselohe fühlt sich in der zweiten Liga wohl. "Das ist die richtige Liga für uns, weil die Zuschauer schon richtig gutes Tennis erleben können", sagt Klub-Präsident Bernard Eßmann. Außerdem treten in der ersten Liga nur Viererteams an, nicht sechs wie in der zweiten. "In der Bundesliga könnten gar nicht alle spielen und, es wäre wirklich eine eingekaufte Truppe", sagt Teamkapitän Wimmer. Mit ihm, Zimmermann, Krawietz und Hannes Wagner stehen regelmäßig vier deutsche Spieler beim TCG auf dem Platz, Spieler, die eine Verbindung zum Klub haben. Diese Identifikation ist auch Präsident Eßmann sehr wichtig, in der ersten Liga wäre das anders. Denn dort ist das Niveau der Profis um einiges höher. "Im Moment ist der Aufstieg kein Thema, aber vielleicht ändert sich das irgendwann mal", sagt Maximilian Wimmer.

Aber auch in dieser Spielzeit kann noch viel passieren, im Mannschaftstennis führt oftmals der Zufall Regie. Kein Verein weiß, ob er schon am nächsten Spieltag wieder mit der besten Formation auflaufen kann. "Aber ich bin ganz zuversichtlich, dass uns das gelingen wird und wir wieder gemeinsam viel Spaß haben werden", glaubt Wimmer. Nächster Gegner ist am kommenden Freitag der TC Amberg am Schanzl. Sicher ist bisher nur, dass Marcel Zimmermann wieder dabei sein wird, so wie in den vergangenen 15 Jahren auch.