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Tennis:Sie haben ihr Ziel erreicht

"Das Mentale gehört zu meinen Stärken": Nach einem 0:6 im ersten Satz drehte Isabella Pfennig ihr Match gegen die Italienerin Alice Balducci noch. Die 15-Jährige blieb damit im Einzel in dieser Saison ungeschlagen.

(Foto: Claus Schunk)

Durch eine 2:7-Niederlage im Saison-Finale gegen Ludwigshafen verpassen Großhesselohes Frauen den Aufstieg in die erste Liga - traurig ist darüber niemand.

Isabella Pfennig saß weit nach vorne gebeugt auf ihrer Bank. Ihr Gesicht hatte sie hinter einem Handtuch versteckt. Sie wollte nichts mehr sehen und auch nicht gesehen werden. Sie zweifelte an sich und ihrem Spiel. 0:6 hatte die Zweitligaspielerin des TC Großhesselohe gerade den ersten Satz gegen ihre italienische Kontrahentin vom TC Ludwigshafen, Alice Balducci, verloren. Pfennig hatte keine Chance, sie konnte den meisten Bällen ihrer Gegnerin nur staunend hinterherschauen, links und rechts flogen die wuchtigen Grundschläge an ihr vorbei in die Ecken.

Das Erstaunliche an Pfennig aber ist, dass sie sich von einem furios missratenen Satz nicht beeindrucken lässt. Die 15-Jährige verliert nicht die Lust, wie es Gleichaltrigen oft passiert, wenn es nicht gleich so läuft, wie sie sich das vorstellen. Die Lehrstunde spornte sie vielmehr an. Sie rückte näher an die Grundlinie, traf die Bälle sehr viel früher als zuvor und gewann die Partie doch noch im Match-Tiebreak des dritten Satzes mit 10:5. "Das Mentale gehört zu meinen Stärken", hat sie vor ein paar Wochen erzählt. Bei ihr hört sich das nicht auswendig gelernt an, es ist nicht einer dieser psychologischen Lehrsätze, die ihr die Trainer genauso beibringen wie die Vor- und die Rückhand. Pfennig zeichnet eine Haltung auf dem Platz aus, die man nicht lernen kann. Sie gratuliert ihrer Gegnerin erst dann zum Sieg, wenn diese tatsächlich den letzten Punkt verwandelt hat. In dieser Saison war es aber meist sie, die Glückwünsche entgegennahm. In der 2. Bundesliga blieb sie sogar in allen sechs Einzeln ungeschlagen - und das in ihrer Premierensaison in der zweithöchsten Spielklasse.

Frauen, Männer und Herren 30 in der ersten Liga: "Das wäre schwierig geworden."

An der hinreißend aufspielenden Pfennig lag es also nicht, dass Großhesselohe am Sonntag gegen Ludwigshafen das Nachsehen hatte und damit die Chance zur Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die erste Liga verspielte. 2:7 verlor der Klub das letzte Saisonspiel, das ein richtiges Finale war, weil beide Mannschaften punktgleich an der Spitze standen. Aber es fand sich hinterher niemand, der ob der Niederlage besonders traurig gewesen wäre. Auch Bernard Eßmann, der Präsident des TCG, meldete sich aus Kroatien mit vergnügter Stimme, wo er sich gerade ein paar Tage erholt. "Wir haben mit dem Klassenerhalt unser Saisonziel längst schon erreicht gehabt", befand Eßmann: "Wir wollten mit den Damen nicht in die erste Liga aufsteigen."

Der Klubchef gab aber zu, dass sie im Verein kurz darüber nachdachten, die beiden Spitzenspielerinnen Jesika Maleckova und Valentina Iwakhnenko am letzten Spieltag einfliegen zu lassen, um zumindest die Meisterschaft feiern zu können, was gut fürs Renommee und den Briefkopf ist. Aber die Gedanken haben sie schnell wieder verworfen, "weil wir Kontinuität bei uns über den sportlichen Erfolg stellen", wie Eßmann sagt. Am fehlenden Budget habe es nicht gelegen, der Hauptsponsor hätte die Einsätze ermöglicht. Eßmann wollte aber seine Zusagen einhalten, die er schon vor der Saison seinen deutschen Spielerinnen gegeben hat, "ich wollte nicht mein Wort brechen". So hatte er nicht nur Isabella Pfennig versprochen, dass sie die komplette Saison mitmachen darf, sobald feststand, dass die Mannschaft nicht mehr absteigen kann. Er garantierte auch Melanie Hafner und der erst 13-jährigen Carolin Himmel zwei Spiele in der Bundesliga, "damit auch unsere deutschen Spielerinnen an das Zweitliganiveau herangeführt werden".

Wie schnell sich Pfennig in der Liga in den Vordergrund gespielt hat, überraschte dann aber auch Eßmann. "Sie hat das toll gemacht und meistens sogar noch überlegen gewonnen", lobt er die Spielerin, die vor der Saison vom Münchner SC gekommen war. Pfennig nähert sich mit ihrer wuchtigen Vorhand und ihrer Beweglichkeit in diesen Tagen ihrem Optimum. Sie gewann nicht nur alle Einzel in der zweiten Liga, sondern zuletzt auch die deutsche Meisterschaft in der Altersklasse bis 16 Jahre. Am liebsten, so hat Pfennig verraten, schaue sie im Fernsehen Männertennis. Sie wird deshalb gerne zur Kenntnis nehmen, dass ihr Klub die erste Herrenmannschaft in die erste Liga bringen will, wo die Herren 30 bereits den Verein präsentieren. "Wenn wir dann auch noch mit den Frauen den Aufstieg geschafft hätten, wäre es mit so einer breiten Front schwierig geworden", sagt Eßmann.

Sollten die Männer des TC Großhesselohe tatsächlich in der nächsten Saison in der Bundesliga aufschlagen, wird Isabella Pfennig ihren Lieblingsspieler dennoch nicht treffen können. Roger Federer spielt nicht in der Bundesliga. Aber der Schweizer tritt in dieser Woche beim Rasenturnier in Stuttgart an. Es sind ja Ferien, vielleicht fahren ihre Eltern sie auf den Killesberg. Verdient hätte sie es.