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Tennis:Hohes Ziel, niedriger Druck

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Der Weißrusse Uladzimir Ignatik spielt beim TC Großhesselohe an Nummer eins der Setzliste. In der Welt steht er auf Position 131 - hinter Florian Mayer.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Der TC Großhesselohe will in die erste Tennis-Bundesliga - den Kader dazu hat er. An Nummer eins spielt der Weißrusse Uladzimir Ignatik, gefolgt vom Deutschen Florian Mayer, der Nummer 114.

Mittagspause. Eine gute Gelegenheit für ein kleines Pläuschchen mit Christopher Kas, der sich gerade in der Tennisbase Oberhaching mit Mona Barthel auf das ATP-Tennisturnier in Gstaad vorbereitet. Die deutsche Top-Spielerin wird in einer Woche bei den Swiss Open antreten. Kas ist aber nicht nur Trainer der 26-Jährigen, die derzeit an 48. Stelle der Weltrangliste steht. Der ehemalige Weltklasse-Doppelspieler ist auch Teammanager der Männer des TC Großhesselohe. Und die starten an diesem Sonntag mit dem Heimspiel gegen den TC Wolfsberg Pforzheim in die zweite Bundesliga. Die erste Frage antizipiert Kas wie einen wuchtigen Aufschlag: "Er wird spielen."

Er, das ist Florian Mayer, einst unter den Top 20, aktuell Nummer 114 der Welt, Sieger des ATP-Turniers in Halle 2016. Der 33-Jährige ist zweifellos eines der bekanntesten Gesichter im deutschen Tennis. Und dass die Zuschauer so einen Hochkaräter auf der Großhesseloher Anlage bewundern dürfen, das ist wohl zu einem großen Teil dem bestens vernetzten Teammanager zuzuschreiben: "Wir wollten auf die bayerische Karte setzen, und Flo wollte gerne in Bayern spielen", sagt Kas.

Aufsteiger Ismaning versteht die Saison in der zweiten Liga als ein Abenteuer

Freilich dürfte auch der Umstand, dass Mayer in Deisenhofen wohnt, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Kas erinnert in diesem Zusammenhang an Präsident Bernard Eßmann, der "das alles erst möglich gemacht hat". Eßmann ist für die Finanzen zuständig, akquiriert Sponsoren und hat den Klub neu ausgerichtet: "Unser Ziel ist ganz klar die erste Liga." Der Kader ist dafür geeignet, wenngleich Teammanager und Präsident an die starke Konkurrenz aus Reutlingen und Pforzheim erinnert. Beide Konkurrenten starten mit einem italienischen Duo an der Spitze des Kaders. Top-Favorit dürfte dennoch Großhesselohe sein, denn der Kader ist sehr stark besetzt. An eins spielt der Weißrusse Uladzimir Ignatik, was allerdings der Tatsache geschuldet ist, dass ausgerechnet zu der Zeit, als der Deutsche Tennisbund die Rangfolge festlegte, Mayer ein paar Plätze hinter ihm notiert war. "Ich glaube, das einzige Mal in den letzten zehn Jahren", sagt Kas. Derzeit steht der Weißrusse an Nummer 131 im Ranking. Aber auch auf den folgenden Positionen sind die Pullacher stark besetzt, zum Saisondebüt werden das tschechische Edel-Talent Marek Jaloviec (ATP: 285), Kevin Krawietz (119), der Spanier Carlos Boluda-Purkiss und Urgestein Marcel Zimmermann die Saison eröffnen.

Kas sagt aber, dass der Aufstieg zwar angepeilt sei, "aber keine Welt zusammenbricht, wenn wir es nicht schaffen". Druck von Seiten der Vereinsführung gebe es nicht, zumal nie alle Spieler verfügbar seien. Denn die verdienen ihr Geld mit dem Sport, reisen daher ständig durch die Welt - und Verletzungen seien ohnehin nicht kalkulierbar. Aber: "Wir werden immer die bestmögliche Mannschaft aufbieten", verspricht Kas. Gegen Pforzheim soll gleich ein Zeichen gesetzt werden, sagt Präsident Eßmann, der nach dem zweiten Platz der Zweitliga-Frauen und dem Einzug der Herren 30 in die Meisterschafts-Endrunde auf eine "bis jetzt schon sensationelle Saison" verweist.

Der zweite Vertreter der Region in der zweiten Liga muss leisere Töne anschlagen. Der TC Ismaning war als Dritter der vergangenen Regionalliga-Saison nachgerückt, versteht die kommende Spielzeit als eine Art Abenteuer. Man habe die Spieler entscheiden lassen, ob man sich darauf einlässt, erinnert Spielführer Rainer Gerhard. "Wir haben klar gesagt, dass wir die Mannschaft nicht verändern." Somit werden die Ismaninger erneut mit einer rein deutschen Mannschaft antreten. Ihr Bester Marc Meigel war zu seiner Hochzeit an ATP-Platz 477 gelistet, das ist aber schon ein Weilchen her. Das Saisonziel ergibt sich von selbst: "Klassenerhalt", sagt Gerhard. Die Aussichten schätzt er auf "20 bis 30 Prozent".