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Tennis:Alle im gleichen Takt

Wimbledon

In Wimbledon ist Peter Gojowzcyk in Runde eins ausgeschieden - gegen Roberto Bautista Agut, der dort am Freitag im Halbfinale steht.

(Foto: Carl Recine/Reuters)

Bei Bundesliga-Aufsteiger Großhesselohe hat sich eine eingeschworene Gemeinschaft gefunden. Am Freitag findet gegen Köln ihre Heimspielpremiere statt.

Peter Gojowczyk gab sich wirklich Mühe, ernst zu bleiben. Ja, es sei sensationell, in diesem bayerischen Team zu spielen, mit all den alten Kumpels; und ja, er habe die alten Zeiten zusammen mit Matthias Bachinger und Daniel Brands noch gut in Erinnerung: "Ich bin glücklich, wieder zurück in München zu sein, es ist einfach cool, zusammen mit den Jungs in einer Mannschaft zu spielen." Doch als die Frage gestellt wurde, wessen Idee das mit dem Rudern im Flughafengebäude gewesen sei, da prustete der Tennisprofi los. "Es war Peters Idee", klärte Christopher Kas, der Teammanager der Bundesligamannschaft des TC Großhesselohe, lachend auf. Er meinte ein Video, das die Spieler gedreht hatten und das nun in den sozialen Medien auf viel Resonanz stößt. Da fahren fünf Großhesseloher Profis plus Teammanager sitzend auf einem Laufband des Terminals durchs Bild und imitieren dabei eine Rudermannschaft; bei jedem Zug mit den imaginären Paddeln rufen sie: "TCG!"

Das sieht wirklich sehr lustig aus, zumal das Band in die verkehrte Richtung läuft, denn die TCG-Jungs rudern nach hinten und fahren nach vorne. "Sie hätten mal die Blicke der asiatische Reisegruppe sehen sollen", ergänzte Kas. Man darf annehmen, dass die TCG-Bundesligamannschaft auch auf asiatischen Social-Media-Kanälen Erheiterung auslösen dürften. Es ist aber auch ein Bild, das beispielhaft für die neue Saison des TCG steht: Da hat sich eine eingeschworene Gemeinschaft zusammengefunden, um nach dem Aufstieg die erste Liga ein bisschen aufzumischen. Bernard Eßmann, der als Präsident und Taktgeber hinter dieser Erfolgsgeschichte steht, gibt nun als Sportchef, der nach eigener Aussage den Bereich Budgetierung verantwortet, gibt die Richtung vor: "Ich bin überzeugt davon, dass wir eine gute Rolle im Mittelfeld spielen werden."

Teammanager Kas hält nichts von Geheimiskrämerei, die Fans sollen wissen, wer spielt

Eßmann, der auch aktiv an der Finanzierung mitwirkt, hat guten Grund zu seiner neu geschöpften Zuversicht, wie er erzählt. Denn der Saisonauftakt am vergangenen Wochenende ist mit einem 3:3-Unentschieden beim Rochusclub Düsseldorf schon einmal prächtig gelungen. Wobei sich auch bei diesem Remis die obligatorische Frage stellte: Punkt gewonnen oder Punkt verloren? Einem derart positiven Menschen wie Christopher Kas muss man diese Frage erst gar nicht stellen, der Teammanager sagt wenig überraschend: "Ich bin mit dem Unentschieden total happy." Zurecht, denn die jeweiligen Gegner des Polen Kamil Majchrzak und der drei Kumpels Bachinger, Gojowczyk und Brands, waren im Schnitt um etwa 50 Plätze besser in der Weltrangliste platziert. Majchrzak und Gojowczyk gewannen ihre Partien, Bachinger und Brands unterlagen denkbar knapp jeweils im Matchtiebreak. Was auch für das Doppel Gojowczyk und Kevin Krawietz galt, Brands/Bachinger gewannen deutlich. Also doch Punkt verloren? Zumal Bachinger, der im Dachauer Hinterland, in Ampermoching, aufwuchs, sein Einzel 8:10 verlor - die Partie hätte gut und gerne auch anders herum ausgehen können. Kein Problem für den Teammanager, der auch diese Bedenken weglächelt: "Wir können mit dem Punkt leben."

Lieber wirft Kas einen Blick auf den nächsten Gegner. An diesem Freitag (Spielbeginn 13 Uhr) gastiert auf der wunderbar gelegenen Anlage im Pullacher Isartal der Kölner THC Stadion Rot-Weiss. Ein Gegner, der nicht besser für das Niveau in dieser ersten Bundesliga stehen könnte, denn in Fabio Fognini spielt die aktuelle Nummer zehn der Welt für die Rheinländer an eins. Ob der Gegner allerdings in Bestbesetzung anreist, bleibt abzuwarten. Bei der Niederlage in Aachen vor einer Woche etwa war Kölns Nummer zwei Benoit Paire noch in Wimbledon beschäftigt, ehe der Franzose im Achtelfinale gegen den Spanier Roberto Bautista Agut - der im Übrigen für Aachen an eins notiert ist - ausschied. TCG-Teammanager Kas glaubt nicht daran, denn "die Klubs schauen schon darauf, dass sie ihre Granaten dem eigenen Publikum präsentieren".

So wie Großhesselohe, das am Freitag daheim im Österreicher Dennis Novak seine Nummer zwei präsentiert. Bachinger und Gojowzcyk werden spielen, wie auch der Spanier Alejandro Davidovich, der 2017 bei den Junioren in Wimbledon triumphierte und für Brands an vier spielt. Im Doppel wird wieder Kevin Kravietz antreten, dabei wird der French-Open-Sieger auf seinen Partner Andreas Mies treffen, der für Gegner Köln spielt. Am Sonntag geht es für die Münchner Mannschaft dann zum Titelverteidiger Mannheim. Brands wird dort wie Gojowczyk auf alte Kollegen treffen. Beide gewannen im Vorjahr mit den Kurpfälzern den deutschen Meistertitel. An eins beim Meister spielt im Übrigen Dominik Thiem. Der Österreicher steht derzeit in der Weltrangliste an Position vier. Am Donnerstag hatte er noch eine Trainingseinheit in Wien eingelegt - mit seinem Landsmann Dennis Novak, der am Wochenende für Großhesselohe spielt.

Ob er spielt, wird sich zeigen, Kas jedenfalls will aus den Aufstellungen kein Geheimnis machen: "Das ist doch albern, die Zuschauer sollen wissen, wen sie sehen können." Unterhaltsam wird es ohnehin, wie Präsident Roland Benedikt verspricht: "Es wird die spannendste Saison bisher."