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Synchronschwimmen:Trockenübungen

Die Münchner Isarnixen klagen über zu wenig Wasserzeiten. Das Problem sei "existenzbedrohend", das Olympiaduo Bojer/Reinhardt werde "im Stich gelassen". Wenn sich nicht rasch etwas ändere, würden sie vor dem Rathaus demonstrieren.

Am Dienstag haben die Isarnixen, wie sich die Synchronschwimmerinnen der SG Stadtwerke München nennen, ein Video in den sozialen Medien gepostet. Darin laufen zwei Männer auf einem langen Rollband, wie es sie an Flughäfen gibt. Einer schwingt sich auf das Geländer an der Seite und lässt sich bäuchlings auf ihm weitertransportieren, dazu macht er Schwimmbewegungen. Das Video dieser ulkigen Trockenübungen soll die Probleme der Münchner Synchronschwimmerinnen um ihre Olympiahoffnungen für Tokio 2020, Marlene Bojer und Daniela Reinhardt, symbolisieren. Diese finden es gar nicht ulkig, wie sie im vorolympischen Jahr um Trainingszeiten im schwierigen Münchner Bäderumfeld kämpfen müssen. Kurz nach ihrem am Wochenende in Berlin errungenen mehrfachen DM-Erfolg wenden sie sich nun mit harscher Kritik an die Stadt und ihren höchsten Amtsträger - Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

In einem von SG-Vorstandsmitglied Barbara Liegl unter anderem an Reiter und die Leiterin des Referats für Bildung und Sport, Beatrix Zurek, gerichteten Schreiben vom 12. November heißt es: "Das Problem mit unseren Trainingszeiten ist für uns derzeit wirklich absolut existenzbedrohend. Wir brauchen eine schnelle und nachhaltige Lösung, andernfalls können wir für die inzwischen über 80 Mitglieder unserer Wettkampfmannschaft keine Zukunft mehr bieten." Zur Einordnung: Münchens Synchronschwimmerinnen sind derzeit das Maß aller Dinge in Deutschland.

Vor allem fehlten der SG um Bojer und Reinhardt abends Wasserzeiten, sie hätten nur den Montag im Morawitzky-Bad und den Dienstag im Ruth-Drexel-Bad, was trotz vergleichsweise großzügiger Zeiten an Wochentagen morgens und an Wochenenden nachmittags im Olympiabad zu wenig sei: "Uns fehlen zum Wettkampftraining mindestens zehn bis zwölf Stunden Wasserzeit am Nachmittag/Abend. Während unser Olympiaduett 20 Stunden pro Woche trainiert, haben die Schweizerinnen 40 Stunden", sagt Liegl. Kürzlich habe ihnen die Stadt noch die Mittwochszeit im Ruth-Drexel-Bad genommen.

Hilferufe ans Schulreferat und Sportamt seien unbeantwortet geblieben, Vorschläge für einen runden Tisch mit den Klubs abgelehnt worden, vom Rathaus seien sie vertröstet worden, seither herrsche Funkstille. "Wir sitzen auf dem Trockenen, unser Olympiaduett ist im Stich gelassen worden", klagt Liegl, die nun eine Demo vor dem Rathaus plant. "Wenn sich diese Woche nichts tut, werden wir dort so lange Stehproben machen, bis sich was tut."

Das Sportamt verweist auf Nachfrage darauf, dass die Stadt das Leistungssportkonzept der SG Stadtwerke finanziell unterstütze, dass es wegen Sanierungen zu Engpässen gekommen sei, durch die Eröffnungen von Bädern an der Engadiner Straße und im Schulcampus Freiham aber demnächst wieder neue Trainingszeiten zur Verfügung stünden.