SV Heimstetten Das freche Eichhörnchen sorgt vor

Der Aufsteiger gewinnt in Buchbach und hat nach fünf Spielen nun bereits neun Punkte gesammelt - alle auswärts. Alleine Torjäger Orhan Akkurt hat nun schon sieben Mal ins Schwarze getroffen.

Von Christian Bernhard

Mittags hat Christoph Schmitt eine feste Verabredung: Wenn er zu Hause ist, bringt er seine kleine Tochter ins Bett. In welcher Stimmung der Trainer des SV Heimstetten das macht, ist der Kleinen relativ egal - sie will einfach den Papa neben sich haben, wenn ihr Mittagsschläfchen ansteht. Dann ist zumindest die Kleine bester Laune. Inzwischen habe er gelernt, seine Gemütslage vor ihr zu verbergen, erzählt Schmitt, "für den Fall, dass wir verloren hätten". Nach Auswärtsspielen stellt sich Schmitt dieses Problem derzeit aber überhaupt nicht, er ist dann automatisch gut drauf. Am vergangenen Freitagabend etwa siegte Heimstetten beim TSV Buchbach 5:2 (2:1) und gewann auch sein drittes Auswärtsspiel dieser Regionalliga-Saison. Damit führt der Aufsteiger zusammen mit dem FC Bayern II die Auswärtstabelle an und verfügt auch über den treffsichersten Angriff der Liga. "Ich kann mich nicht beschweren", sagt Schmitt.

Dabei hatte in den ersten Minuten wenig auf einen deutlichen Sieg hingedeutet. Buchbach machte laut Schmitt "von der ersten Sekunde an massiv Druck" und brannte ein "Feuerwerk" ab. Sein Team habe in dieser Phase sehr viele Fehler gemacht und keine Mittel gegen den TSV gefunden: "Wir haben das Spiel einfach nicht beruhigen können." Nach zwölf Minuten hätte es aus Heimstettener Sicht auch 0:2 stehen können, gestand der Coach. Tat es aber nicht. Stattdessen stand es nach 35 Minuten 2:0 für Heimstetten. Aber nicht lang. Nachdem Buchbachs Thomas Leberfinger Gelb-Rot gesehen hatte (39.), traf Moritz Sassmann mit dem Pausenpfiff zum 1:2.

Lukas Riglewski steht mit nun drei Treffern intern auf Platz zwei: mehr als ordentlich

Die ersten beiden Heimstettener Tore ähnelten einander. Beide fielen nach gewonnenen Zweikämpfen und Kontern; beide wurden im Strafraum durch Querpässe initiiert. Lukas Riglewski (21.) und Orhan Akkurt (35.) sagten Dankeschön. "So ging es dahin", berichtete Schmitt.

Die Coolness, derartige Druckphasen des Gegners schadlos zu überstehen, sei diesmal auch ein bisschen dem Glück zu verdanken gewesen, aber auch der "Qualität, die wir im Offensiv-Bereich haben". Mit 13 Treffern haben Akkurt, Riglewski und Co. in den ersten Spielen eindrucksvoll bewiesen, dass sie den Weggang von Sebastiano Nappo zum FC Augsburg abfangen und auch in der Regionalliga funktionieren können. Zwar verkürzte Buchbach durch Aleksandro Petrovic auf 2:3. Fabio Sabbagh (80.) und Akkurt (94.) machten in der Schlussphase dann aber alles klar. "Wir haben gezeigt, dass wir fußballerische Qualität haben, die wir auch in dieser Liga an den Tag legen können", sagt Schmitt. Die Grundsituation, aus der heraus der Aufsteiger diese ins Spiel bringt, ist nun aber eine andere.

Vergangene Saison fielen deutlich mehr Heimstettener Tore nach Kombinationen, aus eigenem Ballbesitz heraus. In dieser Spielzeit sind sie häufig die Folge von Umschaltsituationen. Im Training "haben wir aber nur Details verändert", sagt Schmitt. Trotz des sehr guten Starts mit neun Punkten aus fünf Spielen sei allen bewusst, dass man in jeder Partie 90 Minuten intensiv gegen den Ball arbeiten müsse. "Da haben wir noch massiv Probleme", betont Schmitt.

Die Anpassungsschwierigkeiten fallen aber kaum ins Gewicht, solange die Offensive weiter so rollt. Stellvertretend dafür steht Lukas Riglewski. Der 24-Jährige, der das 3:1 (62.) erzielte, hatte Schmitt vor der Saison "Bauchschmerzen" bereitet, "weil wir uns nicht ganz sicher waren, wie er in dieser Liga zurande kommt." Das erste Urteil über Riglewski nach drei Treffern, die ihn hinter Akkurt (sieben Tore) zur internen Nummer zwei machen, lautet: mehr als ordentlich. Dabei war Riglewskis Einsatz in Buchbach wegen eines Oberschenkelproblems fraglich gewesen.

Auf den Boden holen muss Schmitt weder Riglewski noch einen seiner anderen Spieler. "Im Moment fliegt keiner", sagt der Trainer. Sein Team erkenne die eigenen Fehler und könne die Situation gut einschätzen, glaubt er. Für Schmitt ergibt sich daraus eine ideale Konstellation: Es gibt noch einiges zu korrigieren, aber seine Mannschaft sammelt derweil brav und zuverlässig Punkte - wie ein Eichhörnchen, das überpünktlich begonnen hat, sich um den Wintervorrat zu kümmern. Wer weiß, ob dieser nicht von Nutzen sein wird, wenn es kalt wird.