SpVgg Unterhaching "Wir müssen um den Verein kämpfen"

Nach dem 1:1 gegen Spitzenreiter Kickers Offenbach: Sportlich ist die SpVgg Unterhaching im Soll, Fragen nach den Finanzen bleiben unbeantwortet.

Von Christoph Leischwitz

Es lohnt sich in jeder Beziehung, die sportliche Analyse zur SpVgg Unterhaching vorzuziehen, trotz all der Neuigkeiten der vergangenen Tage. Zumal der Vorstand sowieso weiter schweigt zu den Berichten der Süddeutschen Zeitung, wonach sich der Verein mit einem undurchsichtigen Investor eingelassen hat. Also: Der erste Satz von Trainer Klaus Augenthaler nach dem Spiel lautete: "Das Ergebnis ist in erster Linie erst einmal zweitrangig." Und fügte hinzu: "Bei so einem Wetter aufzulaufen, das muss ein Traum sein für jeden Spieler." Es ist schön zu hören, dass in Unterhaching noch nicht alle ihren Humor verloren haben.

Enger zusammenrücken: Vorlagengeber Michael Stegmayer (li.) und Torschütze Marc Nygaard demonstrieren gegen Tabellenführer Offenbach Gemeinschaftssinn.

(Foto: Johannes Simon)

Ganz nüchtern betrachtet war das, was die SpVgg Unterhaching in der ersten Halbzeit gegen Spitzenreiter Kickers Offenbach zeigte, das beste, was in dieser Saison im Sportpark zu sehen war. Dass am Schluss nur ein 1:1 heraussprang, war genau deshalb für Augenthaler zweitrangig - erstmals stellte er die Fortschritte seiner Mannschaft vorne an und sprach erst danach von den Rückschritten. "Wir waren aggressiv und spielfreudig, dann haben wir leider nur 1:0 geführt. In der zweiten Halbzeit glaubte die Mannschaft einfach nicht mehr daran, den Tabellenführer zu beherrschen."

Es waren zwei unterschiedliche Halbzeiten, zumindest in der ersten konnten die Spieler zeigen, dass sie sich von der unsicheren finanziellen Zukunft des Vereins nicht verunsichern ließen. Offenbach wurde durch schnelle, präzise Zuspiele in seiner eigenen Hälfte eingeschnürt. Roman Tyce, der zum ersten Mal in dieser Saison in der Startaufstellung stand, hatte in der dritten Minute die erste Chance. Angreifer Marc Nygaard legte ihm den Ball auf, Tyces Schuss aus 17 Metern flog knapp vorbei.

Besonders auffällig war die Gefährlichkeit bei Hachinger Standards: Nygaard verpasste nach einem Eckball nur knapp den Ball (19.), im zweiten Versuch klärte der Offenbacher Denis Berger Nygaards Kopfball auf der Linie. Sein dritter Versuch entstand dann wieder aus dem Spiel heraus: Robert Zillner hatte den Ball nach vorne getragen und den mitgelaufenen Michael Stegmayer im Strafraum bedient. Der leitete sofort weiter, Nygaard hielt den Fuß hin und traf zum 1:0 (37.). Drei Minuten später konnten gleich mehrere Hachinger die allgemeine Verwirrung im Offenbacher Strafraum nicht zum 2:0 nutzen.

Offenbach brachte zu Beginn der zweiten Hälfte einen zweiten Stürmer, einen besonders motivierten: Thomas Rathgeber durfte sich nun gegen seine ehemaligen Mitspieler austoben und tat dies mit einem Elan, den die Hachinger Fans in den vergangenen vier Spielzeiten von ihm nur selten sahen. Typisch war allerdings seine Erfolgsquote: Drei vorzügliche Konterchancen konnte er nicht nutzen, dafür aber ein Gestochere im Strafraum zum 1:1-Ausgleich. (62.). "Wir hatten in der zweiten Halbzeit keine echte Chance mehr. Wir wollten eigentlich so spielen wie zu Beginn, aber dann hat man doch gemerkt, dass wir hier gegen Offenbach spielen", sagte Roman Tyce.

Keine Chance hatte man auch, nach dem Spiel aufklärende Stellungnahmen des Vorstands zu bekommen. Es gibt allerdings Hinweise, wonach der Kontakt zwischen Investor Franco Levis und der SpVgg über den ehemaligen 1860-Geschäftsführer Karl-Heinz Wildmoser junior zustande gekommen sein soll, der bis 2008 wegen Bestechlichkeit und Untreue in Haft saß.

So äußerte sich lediglich Hachings Sportlicher Leiter Francisco Copado, wenn auch zaghaft: "Natürlich steht es im Moment nicht gut um die SpVgg Unterhaching. Wir müssen nun weiter um den Verein kämpfen." Die Mannschaft hat das am Wochenende getan. Zumindest auf dem Platz herrscht nun mehr Klarheit, was der Verein noch leisten kann. (München)