SpVgg Unterhaching: Fredi Ruthe geht Abschied im Familienkreis

Nach 15 Jahren muss Fredi Ruthe als Trainer der SpVgg Unterhaching II plötzlich gehen. Den Rauswurf hat er bis heute nicht verdaut.

Von Andreas Liebmann

Ägypten, zwei Wochen. Alfred Ruthe macht gerne dort Urlaub. "Wenn du Sonne willst, kannst du da nichts falsch machen", weiß er. Doch dieses Mal war irgendetwas anders. Die Sonne brannte wie immer, Ruthe hatte seine Familie um sich, ebenfalls wie immer - nur das Handy stand still. "Ich musste mich um nichts mehr kümmern", bemerkte der 48-Jährige. Er ist ja nun nicht mehr der Trainer der Spielvereinigung Unterhaching II: "So fühlt es sich wohl an, wenn man in Rente geht."

Letzter Auftritt in der Grünau: Dort, wo alles begann, endete auch die Ära von Fredi Ruthe. Zum Abschied war das Konterfei des Trainers meterhoch auf der Stadiontribüne zu sehen.

(Foto: Claus Schunk)

Nach 15 Jahren als Ausbilder der Hachinger Fußballtalente ist Ruthe ziemlich unvermittelt entsorgt worden, doch er versucht das Positive darin zu sehen. So erholsame Ferien habe er seit ewigen Zeiten nicht gehabt; er könne nun vielleicht bald im Münchner Umkreis eine erste Mannschaft mit Perspektive übernehmen; und den Aufwand bei der Spielvereinigung hätte er mangels vernünftiger Bezahlung ohnehin nicht mehr betreiben wollen. "Am Schluss war das ein 400-Euro-Job, für den ich fünf- bis sechsmal pro Woche auf dem Fußballplatz gestanden bin", sagt er: "Jeder Bezirksligatrainer kriegt mehr."

Ruthe hat diesen Urlaub gebraucht. Um Abstand zu gewinnen und um zu verarbeiten, was ihm vier Spieltage vor Saisonende mitgeteilt wurde. Dass Harry Deutinger sein Nachfolger werden soll. "Das war sehr kurzfristig, das war das Negative an der Sache", sagt Ruthe.

Nun sei es schwer, einen Verein zu finden, bei dem man etwas aufbauen könne. "Aber ich habe keinen Druck. Vielleicht bleibe ich auch in Unterhaching und übernehme irgendwelche Aufgaben in der Jugendarbeit." Ruthe arbeitet hauptberuflich als Programmierer in Unterhaching, diese örtliche Nähe hat ihm bislang sein Engagement ermöglicht.

Um den Abschied zu verarbeiten, haben die zwei Wochen offenbar nicht ausgereicht. Noch redet Ruthe widersprüchlich über das Ende seiner Ära. "Ich hatte mich innerlich längst verabschiedet", erzählt er zwar, um im selben Atemzug fortzufahren: "So lange man etwas nicht schwarz auf weiß sieht, denkt man immer noch, es geht weiter."

Dass seine Zeit ablief, habe einzig am Geld gelegen. Immer weiter sei er gekürzt worden, berichtet Ruthe. "Nach dem Regionalliga-Abstieg wollte ich auch nicht feilschen, da habe ich gesagt: Mache ich es halt zum Freundschaftspreis." Einen Vertrag habe er nie besessen. "So lange Norbert Hartmann das Sagen hatte, war der Job auch per Handschlag sicher. Alles, was nicht zur ersten Mannschaft zählt, gilt in Unterhaching sowieso als Inventar."

Doch in der ersten Mannschaft sei es danach "richtig zur Sache gegangen", Mäzen Anton Schrobenhauser habe auch bei den Amateuren weiter gekürzt, und Ruthe klagt: "Für dieses Geld würdest du höchstens einen C-Trainer kriegen." Oder Harry Deutinger.

Deutinger habe seit seinem Rauswurf ohnehin "24 Stunden am Tag im Sportpark" verbracht und sich um Jugendarbeit gekümmert, sagt Ruthe. "Also war das ein kluger Zug von Haching. Es spielt doch keine Rolle, ob Ruthe die zweite Mannschaft macht oder Deutinger." Der 63-Jährige werde in der Lage sein, seine Arbeit fortzuführen. Kurioserweise schließt sich damit ein Kreis, denn Ruthe hatte die Amateure seinerzeit von Deutinger in der Bezirksliga übernommen, als dieser Co-Trainer unter Lorenz Günther Köstner wurde.