Süddeutsche Zeitung

SpVgg Unterhaching:Es fließt Herzblut

Die Spielvereinigung hat 2,3 Millionen Euro Schulden: Jetzt sucht der Drittligist fierberhaft nach Geldquellen, um die Insolvenz abzuwenden.

Etwa 50 Schaulustige sehen am Dienstag beim Mannschaftstraining zu, ungefähr doppelt so viele wie in normalen Zeiten. Auf dem Parkplatz des Unterhachinger Sportparks stehen viele Autos mit auswärtigen Kennzeichen, ein Indiz dafür, dass auch in der Geschäftsstelle Leute vorstellig werden, die sonst nicht hier anzutreffen sind. Es gibt sie also noch, die Fans mit Herzblut. Auch SpVgg-Präsident Engelbert Kupka ist gekommen, Schatzmeister Anton Schrobenhauser ebenfalls, gewiss kein Routinebesuch.

Bei allem, was man den Entscheidern im Verein eventuell an Fehlern vorwerfen könnte - auch sie bringen genug Herzblut mit, die SpVgg retten zu wollen. Und aus dem Umfeld häufen sich die Aussagen, wonach sich der Einsatz tatsächlich noch lohnen könnte. Es sehe deutlich besser aus, heißt es aus Vereinskreisen. "Man ist positiver gestimmt als vergangene Woche", sagen Mitarbeiter. Es tut sich was in Unterhaching.

37 Jahre steht Engelbert Kupka an der Spitze der SpVgg Unterhaching. Eine Zeitspanne, nach der Berufstätige sich in die Rente verabschieden. Doch an Entspannung kann Kupka im Moment nicht denken, vielmehr erlebt er die aufreibendsten Tage seiner Präsidentschaft. Den Verein drücken Verbindlichkeiten von 2,3 Millionen Euro, der SpVgg droht die Pleite.

Fast eine Woche ist Kupka nun unterwegs, um nicht weniger als sein sportliches Lebenswerk vor dem Untergang zu bewahren. Er sagt: "Wir sind dabei alles zu tun, um die Insolvenz abzuwenden." Er selbst hält sich mit Erfolgsmeldungen zurück, die Ereignisse der vergangenen Wochen dürften ihn nicht ermutigt haben, Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen, die nicht in trockenen Tüchern sind. Dass ein Insolvenzverfahren zu verhindern ist, erscheint immer wahrscheinlicher. Die Frage ist nur, wie lange.

Trainer Klaus Augenthaler hatte in der vergangenen Woche gesagt: "Entscheidend sind erst einmal die kommenden zwei Wochen." Genauso wichtig ist es aber, die Zukunft über diese Saison hinaus zu sichern, für den Fall, dass Unterhaching der Sprung in die zweite Bundesliga misslingt. "Ziel muss es sein, langfristig eine solide Lösung hinzubekommen", sagt Vizepräsident Peter Wagstyl.

Hohe Kosten und geringe Einnahmen in der dritten Liga veranlassen ihn zu der Schlussfolgerung: "Da kannst du nicht überleben." Oft genug musste die SpVgg Spieler verkaufen, um den Haushalt auszugleichen. Ob das auch diesmal eine Lösung ist, dürfte sich im Winter entscheiden. Sollte der Verein keine Aufstiegschancen mehr sehen, könnte sich der Kader durchaus lichten.

Bislang funktionierte das Finanzmodell Unterhaching folgendermaßen: War eine offene Rechnung zu begleichen, stand letztlich Schatzmeister und Mäzen Anton Schrobenhauser dafür gerade. Danach sieht es diesmal nicht aus. Möglich ist, dass Schrobenhauser einen Restbetrag übernimmt, der Großteil der Förderung aber auf mehrere andere Schultern verteilt wird. Fest steht, dass der Wirtschaftsbeirat des Vereins akribisch mitarbeitet - ob allein mit Kontakten oder finanzieller Hilfe, ist noch offen. So war gestern etwa Werner Wenisch im Sportpark anzutreffen, der Geschäftsführer der Firma Soccerade, die für kurze Zeit schon einmal als neuer Hauptsponsor im Gespräch war - ebenso kam Sportdirektor Francisco Copado vorbei, ein "Botschafter" dieses Sportgetränks.

Die Herausforderungen sind offenbar derart gewaltig, dass es dafür "ein ganzes Gremium" brauche, wie Kupka sagt. Wenn Schrobenhauser den kompletten Fehlbetrag habe ausgleichen wollen, hätte er es schon längst getan, heißt es im Verein. Offen ist, ob es dem Mäzen an den finanziellen Mitteln oder am Willen mangelt, den Schaden allein abzuwenden.

Ebenso unklar ist, ob Sponsoren und Gönner bereit sind, ihr Engagement zu erhöhen. Michael Durach, der Chef von Develey und frühere SpVgg-Vizepräsident, befindet sich derzeit im Ausland. Josef Bittscheidt, der designierte Chef der Kreissparkasse München-Starnberg, einem Finanzierer und Geldgeber der Spielvereinigung, war zu keiner Stellungnahme bereit. Auch weitere Beiratsmitglieder wollten sich nicht äußern.

Präsident Kupka wird sich voraussichtlich am Donnerstag erklären. Dann dürfte feststehen, ob sich die Rettungsmaßnahmen gelohnt haben.

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Quelle:
SZ vom 27.10.2010
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