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Sportpolitik:Dem Wachstum hinterher

Der Sportausschuss der Stadt München verabschiedet sein zweites Maßnahmenpaket - mit 38,4 Millionen Euro werden nun städtische Sportanlagen modernisiert. Die Vereine üben Kritik.

Von Sebastian Winter

Die Gründung der "Interessengemeinschaft Sport München" (IGSM), die am Montag einen umfassenden Forderungskatalog an die Stadt und das Sportamt gerichtet hatte (SZ vom 9.10.), schlägt hohe Wellen. Die IGSM, ein Zusammenschluss von 15 Vereinen und Förderern, unter ihnen der zweitgrößte Münchner Breitensportklub ESV München, hatte der Stadt unter anderem eine mangelhafte Kommunikation mit den Klubs und zu hohe bürokratische Hürden vorgeworfen - gerade beim Sportanlagenbau.

Das Referat für Bildung und Sport beruft sich in einer Stellungnahme vom Dienstag darauf, allein in diesem Jahr 72 Millionen Euro für den Sport in München auszugeben, viele Asche- oder Rasen- in Kunstrasenplätze umzuwandeln und vereinseigene Baumaßnahmen mit Millionensummen zu fördern. Darüber hinaus, heißt es in der Mitteilung, profitierten Klubs, die eigene Sportanlagen besitzen, vom Sonderförderprogramm - auch der ESV München, der für die Erweiterung seiner Sporthalle insgesamt 7,8 Millionen Euro aus Zuschüssen und zinslose Darlehen der Stadt erhält. Bezüglich der Kritik zu hoher bürokratischer Hürden lautet es in der Mitteilung: "Die Vergabe von derlei hohen Summen erfordert ein Mindestmaß an Verwaltungsaufwand, um sicherzustellen, dass die Steuergelder sinnvoll und gewinnbringend für die Bürgerinnen und Bürger eingesetzt werden". Auf Mängel in der Kommunikation mit den Klubs wird in der Stellungnahme nicht näher eingegangen.

Unterdessen ist das zweite Baumaßnahmenpaket, mit dem die Stadt unter anderem vier ihrer Sportanlagen für insgesamt 38,4 Millionen Euro modernisieren will, am Mittwoch einstimmig im Sportausschuss der Stadt verabschiedet worden, was auch beim Bayerischen Landessportverband (BLSV) positive Reaktionen hervorruft: "Davon profitieren nicht nur die größeren Sportvereine mit ihren Bauvorhaben, sondern der Breitensport in der Landeshauptstadt insgesamt. Und das geht im Übrigen nur, wenn alle Beteiligten - Vereine, Verbände, Sportamt, Stadtrat - an einem Strang ziehen", lässt sich der BLSV-Kreisvorsitzende München-Stadt, Hermann Brem, in einer Pressemitteilung zitieren. Brem kritisiert zugleich, dass die bestehende Sportinfrastruktur dem Bevölkerungswachstum in München teilweise noch deutlich hinterher hinke.

Kritik kommt nun auch vom Basketballklub MTSV Schwabing mit seiner Nachwuchsakademie. Der Klub muss zurzeit wegen Bodenmängeln für alle Trainings und Spiele seiner Teams, inklusive Junioren und Regionalliga-Mannschaft, von der städtischen Morawitzkyhalle in die Halle an der Elektrastraße umziehen. "Zum vierten Mal seit 2014 wird uns dadurch die Saison zerlegt", sagt Oliver Bartels, Förderer und MTSV-Nachwuchstrainer. "Wir haben riesen Kosten durch die Verlegung, es ist langsam nicht mehr zumutbar. Der Herr Oberbürgermeister weiß Bescheid und bittet wie üblich um Geduld, wirkliche Hilfe kommt nicht."

© SZ vom 11.10.2018

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