Sporthalle im Olympiapark Entree zu Europas Eliten

Die 100-Millionen-Sporthalle soll dem Münchner Eishockey und Basketball ab 2021 neue Dimensionen eröffnen. Nur der Parkplatz könnte knapp werden.

Von Johannes Schnitzler und Ralf Tögel

Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Zwei Kerle, die es gewohnt sind anzupacken; eine Idee; das nötige Kleingeld für die Umsetzung; dann einmal in die Hand gespuckt, und Hand drauf.

Gut, das mit der Spucke ist erfunden. Aber ziemlich genau so lief der inoffizielle Beschluss, dass Red Bull auf dem Areal des ehemaligen Radstadions im Münchner Olympiapark eine multifunktionale Sporthalle bauen wird. Den Deal, den der Stadtrat noch offiziell genehmigen muss, verabredeten Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, und Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, dessen meisterliche Basketballer in Wohngemeinschaft mit der Stadt und dem deutschen Eishockeymeister EHC Red Bull München in die neue Halle einziehen werden. Die Kosten - geplant wird mit rund 100 Millionen Euro - gehen auf das Konto von Red Bull. Eröffnung soll zum Saisonbeginn 2021/22 sein. Wenn doch nur alles so einfach wäre.

Etwas verknappt, aber im Kern richtig war der eingangs skizzierte Bericht von Christian Schluder, Geschäftsführer der ausführenden Bull Bau GmbH, bei der Präsentation des Siegerentwurfs des dänischen Architektenteams 3XN vergangene Woche. Hoeneß' Besuch bei Mateschitz in Salzburg samt abschließendem Handschlag habe die letzten Hürden aus dem Weg geräumt. Die Stadt München hatte mit der Bereitstellung des Grundstücks südwestlich des Olympiastadions bereits die Grundlage für das Projekt geschaffen. Nicht nur Sportbürgermeisterin Christine Strobl geht davon aus, dass das Ja des Stadtrats in gut einer Woche zur Formsache wird. Die Baugenehmigung erwartet sie "für das dritte, vierte Quartal 2019".

"Wir wollen etwas schaffen, das der Marke entspricht. Etwas, das Flügel verleiht."

Baubeginn soll im nächsten Winter sein. Die Bauzeit von zwei Jahren sei realistisch, sagt Schluder ("Wir haben auch schon ein Fußballstadion in New York gebaut."), die Ansprüche sind hoch: "Wir wollen etwas schaffen, das der Marke entspricht. Etwas, das Flügel verleiht." 62 500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche wird der Komplex haben, das entspricht knapp zehn Fußball- oder 35 Eishockeyfeldern "In Basketball-Felder habe ich es nicht umgerechnet", sagt Schluder (ca. 140, Anm. d. Red.). 11 500 Menschen werden darin Platz finden, etwa doppelt so viele wie in der alten Eishalle und im Audi Dome, wobei die Umbauzeit zwischen einem Eishockey- und einem Basketballspiel "unter sechs Stunden" liegen soll. Bis zu 2000 Stehplätze sind je nach Anlass vorgesehen.

Die Stadt hat etwa 8000 Stunden pro Jahr in der Halle gebucht für Münchner Vereine, Schulsport und öffentlichen Eislauf - für den Breitensport also, der sich vornehmlich auf den drei Trainingseisflächen abspielen wird, die unter einem stimmig ins Gelände modellierten Hügel versteckt liegen. Blickfang ist die ovale Schüssel mit der geschwungenen Lamellenfassade, die sich auch wegen der Dachbegrünung harmonisch in das denkmalgeschützte Ensemble schmiegt. Aber nicht nur optisch soll die Halle Maßstäbe setzen, sagt Bernd Leukert, Vorstandsmitglied des namensgebenden Partners SAP. In puncto Energieeffizienz und Nachhaltigkeit strebe man eine Vorreiterrolle an, wofür die weltweit gesammelten Erfahrungen einfließen werden. "Wir werden mit neuer Technik Energiespitzen bei der Klimaanlage vermeiden", versichert Leukert; bei vergleichbaren Bauwerken sei das "der größte Kostentreiber".

Vor allem der Besucher aber werde im Fokus stehen: Von der Parkplatzsuche über die Verköstigung bis hin zum digitalen Ticket "werden wir dem Fan ein ganz besonderes Erlebnis bieten", seien es Spielanalysen in Echtzeit oder "Informationen, wo der nächste Essensstand ist". Einfach eine App laden, und der Spaß könne beginnen. Man wolle es dem Fan so leicht wie möglich machen, in die Halle zu kommen, sagt Schluder. Lediglich die Parkplatzsituation könnte problematisch bleiben: Wie schnell die 4000 Stellplätze in der Parkharfe zu wenige sein können, zeigte sich am vergangenen Wochenende wieder, als der EHC gegen Nürnberg spielte und parallel die Ehrlich Brothers zwei Zaubershows in der Olympiahalle gaben. Längere Staus und Fußmärsche waren die Folge.

Für FCB-Präsident Hoeneß ist das Projekt die logische Fortsetzung des Weges, den seine Basketballer damals als Bundesliga-Aufsteiger in der nun obsoleten alten Eishalle begonnen haben. Mittlerweile messen sie sich mit Real Madrid, ZSKA Moskau und dem FC Barcelona. Spätestens wenn die Halle steht, verriet Hoeneß, strebe man die kooptierte Mitgliedschaft in der kontinentalen Königsklasse an, der momentan elf Topklubs fest angehören; bis 2021 haben die Bayern eine Wildcard. Auch ein Euroleague-Finale sei dann in München denkbar, so Hoeneß. Beim EHC - Anfang Februar in Göteborg an den Frölunda Indians gescheitert - träumen sie derweil von einem Champions-Hockey-League-Endspiel in und mit München. Wenn doch nur alles so einfach wäre wie der Bau einer 100-Millionen-Halle.

Noch bis 4. März läuft die Namenssuche für die Halle: Vorschläge unter www.namegameon.com. Einzige Bedingung: Der Name SAP muss enthalten sein.