Schwimmen Der Außenseiter überrascht alle

Marius Kusch von der SG München gewinnt bei der Kurzbahn-EM Bronze über 100 Meter Schmetterling.

Von Sebastian Winter, Kopenhagen/München

Marius Kusch weilt schon ein paar Tage in Kopenhagen, und spätestens seit Donnerstagabend kann man sagen, dass sich der 24-jährige Schwimmer der SG Stadtwerke München so richtig eingelebt hat in Dänemarks Hauptstadt. An jenem Abend war Kusch bei der Kurzbahn-Europameisterschaft über 100 Meter Schmetterling in der Royal Arena über sich hinausgewachsen. In persönlicher Bestzeit von 50,01 Sekunden schlug Kusch an, fast eine halbe Sekunde unter seinem bisherigen Rekord, den er erst tags zuvor im Halbfinale aufgestellt hatte, und gewann Bronze. Es ist seine erste internationale Medaille überhaupt - und die bislang überraschendste für den Deutschen Schwimm-Verband. "Dass der Marius Kusch hier noch Bronze holt, das war natürlich phänomenal", sagte Bundestrainer Henning Lambertz: "Das ist eine große Überraschung für uns alle. Nicht einmal eine Zehntelsekunde, und er hätte sogar Gold gewonnen." Der krasse Außenseiter Kusch hatte sich nur dem Italiener Matteo Rivolta (49,93 Sekunden) und dessen Landsmann Piero Codia (49,96) geschlagen geben müssen.

„Sein bisher größter Moment“: Marius Kusch ballt die Faust nach seinem Bronzerennen bei der Kurzbahn-Europameisterschaft in Kopenhagen. Es ist die erste internationale Medaille für den Münchner Schwimmer.

(Foto: imago)

Kusch studiert und trainiert seit knapp zwei Jahren in den USA und profitiert dort auch von einem professionellen Umfeld. "Er passt ins Team dort", sagt sein Münchner Heimtrainer Olaf Bünde, der ebenfalls begeistert von Kuschs Leistung war: "Mit Bronze bei der EM hätte niemand gerechnet, das ist toll und sein bisher größter Moment." Lambertz setzt Kusch, der voraussichtlich noch zwei weitere Jahre in den USA bleiben wird, als Vielstarter bei der EM ein. Mit der 4 x 50 Meter Freistil-Staffel schied er als 13. aus, über 200 Meter Freistil scheiterte er mit neuer persönlicher Bestzeit im Vorlauf. Am Wochenende startet Kusch voraussichtlich noch über 100 Meter Kraul, 200 Meter Schmetterling und in zwei Staffeln.

Bundestrainer Henning Lambertz

"Dass der Marius Kusch hier noch Bronze holt, das war natürlich phänomenal. Nicht einmal eine Zehntelsekunde, und er hätte sogar Gold gewonnen."

Vereinskameradin Alexandra Wenk ist auf dem Treppchen noch zwei Plätze höher geklettert, allerdings bei der parallel zur EM stattfindenden deutschen Kurzbahnmeisterschaft in Berlin. Die Olympia-Teilnehmerin, die ihren Fokus auf Tokio 2020 richtet, gewann Gold über 200 m Schmetterling. In 2:08,32 Minuten lag Wenk nur knapp über ihrer persönlichen Bestzeit. Auch über 400 m Lagen holte Wenk den Titel. Am Wochenende haben sie und andere SG-Schwimmer weitere Medaillenchancen.