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Rudern:Genug gegammelt

Die Olympiastrecke in Oberschleißheim ist am Wochenende Schauplatz einer internationalen Juniorenregatta.

Es tut sich wieder etwas auf der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim. An diesem Wochenende trotzen fast 1000 Ruderer der vorhergesagten Kälte und messen sich bei der 1. Internationalen Junioren-Regatta des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Rund 180 Vereine aus zehn Ländern haben gemeldet, die weiteste Anreise haben Japan und Simbabwe. 73 Rennen wird es für die 15- bis 18-Jährigen geben, als Höhepunkt gilt das Achterfinale der A-Junioren am Sonntag um 16 Uhr. Die Regatta, die, anders als der Name suggeriert, bereits 1995 ihre Premiere feierte, gilt weltweit als eine der wichtigsten Leistungsüberprüfungen bei den U19-Talenten, die zwei Wochen später bei der Junioren-Europameisterschaft auf dem Baldeneysee in Essen starten.

Für den ausrichtenden Verein Regatta München, der der historischen Stätte wieder mehr sportliches Leben einhauchen möchte, ist der Wettbewerb zwar der einzige von internationalem Format in diesem Jahr - dafür laufen Bewerbungen zusammen mit der Landeshauptstadt für mehrere Ruder-Großereignisse zwischen 2021 und 2024. Demnach hat München Chancen auf die Junioren-Europameisterschaft 2021, auf die World Masters Regatta 2022 und auf je eine Regatta des Ruderweltcups 2023 und 2024. Außerdem hat sich die Stadt ja um die Ausrichtung der European Championships 2022 beworben, in deren Rahmen die Ruderwettkämpfe auch in Oberschleißheim stattfinden würden.

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Grün ist die Hoffnung: Die Vereine an der Regattastrecke warten auf 3. Juli. Dann soll im Stadtrat die Entscheidung über die Sanierung fallen.

(Foto: imago)

"Auf die Anlage gehören einfach regelmäßig hochkarätig besetzte, internationale Elitesportveranstaltungen", sagt Oliver Bettzieche, der Vorstandsvorsitzende von Regatta München: "Fast 50 Jahre nach den Olympischen Spielen von 1972 ist es Zeit, wieder mutig zu sein und mehr zu wollen. Die Strecke gehört definitiv nicht zum alten Eisen." Eine erfolgreiche Bewerbung sieht Bettzieche als "nötigen Impuls für die Landeshauptstadt München, das Renovierungsprojekt im Rahmen des Denkmalschutzes voranzutreiben und erfolgreich abzuschließen".

Seit Jahren schon schiebt die Stadt die Entscheidung, ob die Regattastrecke samt ihrer veralteten Anlagen saniert wird, vor sich her. Die längst überfällige Entscheidung soll nun am 3. Juli im Stadtrat fallen, größter Streitpunkt sind die horrenden Kosten, von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Dem Vernehmen nach sind einige Stadträte schon im Dezember fast von ihren Stühlen gefallen, als sie intern mit der Kostenplanung konfrontiert worden sind.

Oliver Bettzieche, Regatta München

"Fast 50 Jahre nach den Olympischen Spielen von 1972 ist es Zeit, wieder mutig zu sein und mehr zu wollen."

Jahrzehnte gammelte die Anlage vor sich hin, ohne dass viel renoviert worden wäre. Auch die Umkleide- und Duschmöglichkeiten sind noch von 1972, wie die Jugendherberge. Der Brandschutz ist in vielen Gebäuden, wie den Bootshallen oder den Unterkünften, ein großes Problem, die Technik am Start- und Zielturm ist ebenfalls veraltet, die monumentale Tribüne bröckelt und ist ohnehin viel zu groß, darf aber wie alle anderen Anlagen wegen des Denkmalschutzes nun nicht mehr abgerissen werden. Ein Szenario ist, sie zu entkernen und in ihrem Inneren neue Möglichkeiten zu schaffen, von Organisationsbüros über Medienräume bis hin zu Übernachtungsmöglichkeiten. "Die Anlage sollte ursprünglich nach den Spielen wieder abgerissen werden, unser Verein hat das damals verhindert", sagt Willi Bock, der Vorsitzende der Rudergesellschaft München, nicht ohne Stolz. "Viele denken, das ist ein Planschbecken, und dort rudert halt dann mal ab und zu einer", sagt Bock.

Er stellt dieser Sichtweise Zahlen gegenüber: Zehn Ruder- und Kanuvereine sind demnach an der Olympiaregattastrecke aktiv, inklusive des Hochschulsports. Die 2700 Mitglieder verfügen über 1222 Boote und kommen jährlich auf schlappe 320 000 Trainingskilometer. Die deutsche Nationalmannschaft plant samt ihres Achters, zur Vorbereitung der Ruder-WM im August in Oberschleißheim zu trainieren. Die bayerischen Meisterschaften der Kanuten sind bereits Ende Juni. Dazu kommen Langstreckenschwimmen, Läufe, Triathlons und bunte Festivals.

Willi Bock, Rudergesellschaft

"Viele denken, das ist ein Planschbecken, und dort rudert halt dann mal ab und zu einer."

Eine Delegation des Ruder-Weltverbandes war kürzlich auch da, um sich bezüglich der European Championships ein Bild von der Anlage zu machen. Sie schaute sich auch an, ob das Wasser veralgt ist (das große Problem der Olympischen Spiele von Peking 2008) oder genießbar (das große Problem 2016 in Rio) ist, "und war hochzufrieden", wie Bock sagt.

Die Ruderer haben am Samstag übrigens noch einen Grund zu feiern: Mün- chen ist vom DRV zum Qualifizierten Landesstützpunkt erhoben worden. Nicht nur Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat sein Kommen zugesagt, sondern auch der frisch gekürte deutsche Meister im Einer, Oliver Zeidler, der auch auf der Olympiaregattastrecke trainiert. Vielleicht lässt Zeidler am Samstag bei der Feier um 11 Uhr nicht nur die Sektkorken knallen, sondern zeigt den Junioren bei ihrer Regatta auch den größten Bewohner im Wasser: einen zwei Meter langen Waller, der bislang jedem Angelhaken entkommen ist.