Leichtathletik Der Tradition verpflichtet

Perfekte Wettkampfbedingungen für den Nachwuchs: Hier gewinnt Amy Griffin vom SV-DJK Taufkirchen den 50-Meter-Hürdensprint.

(Foto: Claus Schunk)

Beim 43. Werner-von-Linde-Sportfest gehen 1000 Kinder und Jugendliche an den Start. Erneut dominieren Italiener den Wettkampf - der gastgebende TSV 1860 stellt kaum Teilnehmer.

Von Anna-Lena Siebert

"Weil es Tradition ist." Dieser Satz schien am Wochenende im Olympiapark die Begründung für alles zu sein. Denn dort wurde zum 43. Mal das Werner-von-Linde-Sportfest ausgetragen. Traditionell Anfang März, traditionell mit einem internationalen Teilnehmerfeld. Junge Leichtathleten aus Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und Südtirol kamen in jener Halle zusammen, die nach den Olympischen Spielen 1972 abgerissen werden sollte, ehe Werner von Linde sich dagegen wehrte. Er setzte sich für einen Erhalt der Halle ein, die bei den Spielen zum Aufwärmen diente, und plante gemeinsam mit dem TSV 1860 München das erste Lindesportfest. Seitdem wird der Wettkampf jährlich ausgetragen. In diesem Jahr sind knapp 1000 Kinder und Jugendliche an den Start gegangen - zahlenmäßig sowie akustisch waren die Athleten aus Südtirol klar überlegen. Die lautstarken Anfeuerungsrufe auf italienisch verliehen der Veranstaltung internationales Flair.

Auch Linda Enrich war eigens für den Wettkampf aus Südtirol angereist, genauer gesagt aus Brixen. Am frühen Morgen hatte sie sich mit ihren Vereinskollegen auf den Weg in die bayerische Hauptstadt gemacht, mehr als drei Stunden waren sie unterwegs. Doch warum dieser Aufwand für ein Jugendsportfest? "Es ist eben Tradition in meinem Verein, jedes Jahr hier nach München zu kommen. Das machen wir immer so." Natürlich - da war sie wieder, die Tradition. Die 17-Jährige war bereits zum sechsten Mal dabei, am Sonntag trat sie in den Disziplinen Hochsprung und 60 Meter Hürden an. Und die weite Anreise sollte sich für sie lohnen: Im Hürdenlauf wurde sie Vierte, im Hochsprung feierte sie den Sieg in der Altersklasse U20, mit einer Höhe von 1,59 Metern. Mit ihrer Leistung sei sie zufrieden, sagte Enrich, auch wenn sie gerne ihre persönliche Bestleistung von 1,64 Metern geschafft hätte. "Es war knapp, aber vielleicht beim nächsten Mal", ergänzte sie, kurz bevor sie die Goldmedaille überreicht bekam. Vermutlich wird sie auch im kommenden Jahr wieder teilnehmen. Ist ja schließlich Tradition.

Kurz nach Enrichs Sieg beeindruckte bei den männlichen Hochspringern der Italiener Alberto Masera vom Athletic Club 96 Bozen. Mit jeder übersprungenen Höhe ging ein lautes Raunen durch die Halle, er gewann in der Altersklasse U20 schließlich mit herausragenden zwei Metern.

Laut Karl Rauh, dem Leiter der Leichtathletikabteilung des TSV 1860 München und Veranstalter des Sportfestes, sind die Wettkampfbedingungen in München ausgezeichnet. "Die Südtiroler Vereine haben eine solche Halle gar nicht, sondern nur kleine Turnhallen." Die Gäste aus dem Norden Italiens kämen daher jedes Jahr sehr gerne in die Werner-von-Linde-Halle, die Beziehungen pflege man nun schon seit über 40 Jahren. Wegen der ungewohnt guten Voraussetzungen reiste von den italienischen Vereinen die absolute Spitze an, wie eben auch Masera. "Für unsere Athleten dient der Wettkampf eher als Vorbereitung auf den Sommer", erklärte Rauh.

Am Sonntag waren die Wettkämpfe der 14- bis 20-Jährigen angesetzt. Bereits am Samstag gingen die zehn- bis 14-jährigen Teilnehmer an den Start. Es sei wichtig, den Nachwuchs an die optimalen Wettkampfbedingungen heranzuführen. "Die Vereine wollen den Kindern unbedingt diese tolle Atmosphäre bieten. So ein großes Sportfest mitzuerleben, soll sie motivieren", sagte Rauh. Auch in Bayern gibt es ja kaum ähnlich gut ausgestattete Hallen wie die im Olympiapark.

Der TSV 1860 München als Gastgeber war bei dem Wettkampf nicht stark vertreten. Nur 20 Athleten nahmen laut Rauh daran teil. Die Leichtathletikabteilung gilt nicht gerade als Aushängeschild des für seine Fußballer bekannten Vereins. Und auch wirtschaftlich lohnt sich das Sportfest für die Sparte nicht. Dennoch sei es sehr wichtig, diesen Wettkampf auch in Zukunft jährlich auszurichten. "Allein schon aus Dankbarkeit gegenüber der Familie von Linde, die im Verein sehr aktiv ist." Rauh hofft, dass die Kinder und Enkel des Schirmherren Albrecht von Linde das gleiche Engagement wie dieser zeigten, den Erfolg des Sportfestes aufrechtzuerhalten, das von ihrem Vorfahren initiiert wurde. "Weil es eben Tradition ist", wie Rauh sagt.