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Klaus Augenthaler:"Jetzt bräuchte ich fünf Wochen Vorbereitung"

Unterhaching-Trainer Klaus Augenthaler spricht über einen Neustart mit vier Nachverpflichtungen, Animositäten im Verein - und den Spaß an der Arbeit.

Klaus Augenthaler wirkt entspannt, als er das Klubheim der SpVgg Unterhaching betritt; ähnlich locker, wie er kurz zuvor das Training geleitet hat. Etwas verspätet hat er sich, weil er rasch auch noch ein Interview zur Jubiläums-DVD von "Darüber lacht die Welt" geben sollte: In seiner Grazer Zeit hatte der Weltmeister von 1990 einst Spieler und Presse verulkt, indem er einen gewissen Albertas Klimawiszys als seinen angeblichen Nachfolger ins Training mogelte - hinter dessen schräger Maske sich der Komiker Hape Kerkeling verbarg. Im Gespräch mit Andreas Liebmann ging es dann um etwas ernstere Themen.

Klaus Augenthaler: "Ich bin überhaupt nicht unter Druck. Ich muss nicht mehr - sondern ich kann!"

(Foto: Claus Schunk)

SZ: Vier Neuzugänge in sieben Tagen - sind Sie glücklich, Herr Augenthaler?

Klaus Augenthaler: Wir haben jetzt jedenfalls eine andere Qualität im Training, einen ganz anderen Konkurrenzkampf. Es kann sich keiner mehr sicher sein.

SZ: Der Kader war bislang zu klein?

Augenthaler: Zu klein vielleicht nicht. Aber der Verein muss sich nach der finanziellen Decke strecken und es war vorgesehen, Spieler aus der zweiten Mannschaft hochzuziehen. Das hat nicht geklappt. Im ersten Meisterschaftsspiel haben sich dann noch drei Neue, Hoffmann, Fioretto und Gunnlaugsson, verletzt.

SZ: Vor einigen Tagen kam Stürmer Marc Nygaard dazu und sagte, er wolle mit Haching aufsteigen. Gesunder Optimismus nach vier Partien ohne Torerfolg.

Augenthaler: Mehrere Spieler hatten dieses Ziel genannt, allerdings noch vor Saisonbeginn. Da hatten wir auch noch mit einem Robert Zillner im Mittelfeld gerechnet und mit einem Roman Tyce. Als die verletzt waren, mussten wir auf die Jungen zurückgreifen; und wir haben festgestellt, dass wir nur noch einen Stürmer hatten.

SZ: Nun sind noch drei weitere Spieler hinzugekommen, Abdenour Amachaibou, Tim Jerat und Dennis Mimm. Woher hat Haching plötzlich das Geld dafür?

Augenthaler: Ich bin nur fürs Training zuständig.

SZ: Wie kommen solche Transfers zustande? Sagen Sie, wen Sie gerne hätten?

Augenthaler: Co-Trainer Matthias Lust und ich sagen, auf welcher Position wir Probleme haben. Das geben wir weiter an Sportdirektor Francisco Copado. Man hat seine Netzwerke, und wir bekommen ja auch genügend Spieler angeboten...

SZ: ...als Stürmer wollten Sie zum Beispiel einen Brechertypen - bekommen haben sie den 1,96 Meter großen Nygaard.

Augenthaler: Der kam vom Netzwerk her. Ich habe mich bei seinen früheren Trainern schlau gemacht. Alle haben gesagt, das ist ein echter Typ; einer, der uns helfen kann.

SZ: Wollten Sie auch Tobias Strobl und Nazif Hajdarovic haben, deren Transfers beide im letzten Moment geplatzt sind?

Augenthaler: Also, Strobl war eine Irritation zwischen Manager und Sportdirektor. Erst hieß es, den könnten wir mit dazunehmen, dann haben wir unsere Problematik im Mittelfeld gesehen: Ich hatte nur noch junge Leute und brauchte etwas Erfahrenes. Copado und ich waren einhellig der Meinung, dass Strobl mit seinen 20 Jahren uns nicht weiterhelfen kann.

SZ: Vor Saisonbeginn hatte Copado versprochen, es werde nun südländischer gespielt werden, es gebe eine Abkehr vom 1:0-Kampfsieg. Manager Erich Meidert legte fest, die SpVgg sei künftig eine Adresse für Freunde des guten Fußballs. Nur Sie haben sich zurückgehalten.

Augenthaler: Die Leute haben sich vielleicht von der sehr guten Vorbereitung blenden lassen. Vor der Niederlage gegen Wehen Wiesbaden haben wir noch gegen Burgas gespielt, einen bulgarischen Erstligisten, und hätten 5:2 gewinnen müssen. Aber das war das einzige Vorbereitungsspiel, in dem annähernd die Mannschaft spielen konnte, die ich mir vorgestellt hatte. Deswegen war ich da vorsichtiger. Unser schlechter Start hat plausible Gründe.

SZ: Man hat klar erkannt, dass der Kader bisher zu dünn besetzt war.

Augenthaler: Absolut. Ich hatte ja gesagt, ich mache hier nur weiter, wenn ich sportliche Perspektiven sehe. Der Verein hat sich ins Zeug gelegt - und jetzt sind diese Perspektiven gegeben. Nur: Mit einem Kader, wie ich ihn jetzt habe, startet man eigentlich in die Saison. Jetzt bräuchte ich fünf Wochen Vorbereitung. Wir mussten leider so lange warten, denn zum 13. Juni hatten wir noch nicht die finanziellen Möglichkeiten, um solche Spieler zu verpflichten.

SZ: Was muss nun passieren, um möglichst schnell die Kurve zu kratzen?

Augenthaler: Es wäre schön, wenn ich am Samstag ins Trainingslager gehen könnte. Aber wir gehen in die fünfte Runde und jeder erwartet einen Sieg, weil wir ja die Qualität erhöht haben. Wir müssen möglichst schnell Punkte sammeln, aber es wird alles noch Zeit brauchen. Die Mannschaft muss sich finden. Trotzdem bin ich zuversichtlich, weil sie sich selbst so hohe Ziele gesetzt hat. Mein Ziel bleibt der einstellige Tabellenplatz.

SZ: Ein ehemaliger Weltmeister steht in der dritten Liga ohnehin unter Erwartungsdruck. Wie groß ist der Druck nun durch den Fehlstart geworden?

Augenthaler: Ich bin überhaupt nicht unter Druck. Ich muss nicht mehr - sondern ich kann! Und es macht mir Spaß, weil ich eine Perspektive sehe.

SZ: Zuletzt gab es Ärger, weil Sportdirektor Copado sagte, der Kader gehöre ausgemistet, sieben Spieler hätten nicht die Qualität. Präsident Engelbert Kupka hat daraufhin mehr Anstand angemahnt und sich entschuldigt. Wie reagiert die Mannschaft auf solche Äußerungen?

Augenthaler: Fußballjargon ist rau, der Begriff ausgemistet passt aber vielleicht eher zu einem alten Anzug. Wir haben eher ,ausgetauscht'. Diese vier, fünf Spieler aus der zweiten Mannschaft waren seit dem 13. Juni mit dabei und keiner hat sich weiterentwickelt. Da war es legitim vom Verein zu sagen, Ihr habt Eure Chance künftig wieder in der zweiten Mannschaft.

SZ: Diese Äußerung galt also ausschließlich den jungen Nachrückern?

Augenthaler: Ja. Und alles, was danach kam, waren Animositäten.

SZ: Trotzdem war die Außenwirkung fatal, nicht zum ersten Mal heuer. Für drei Jahre Nürnberg hatten Sie zum Abschied die Tapferkeitsmedaille gefordert - wie tapfer müssen Sie in Unterhaching sein?

Augenthaler: Das ist nicht zu vergleichen, um Gottes Willen, nein. Ich mache das hier wirklich sehr gerne.