Judo Schlechte Gewohnheit

Großhadern verliert zum Auftakt der Bundesligasaison wieder einmal knapp in Esslingen. Auch weil die Münchner nur mit einem externen Kämpfer antreten.

Von Julian Ignatowitsch

Eine knappe Niederlage. "Wieder einmal", sagte Teamchef Tobias Englmaier nach dem 6:8 des TSV Großhadern beim KSV Esslingen zum Auftakt der Judo-Bundesliga. Dann zählte er die Kämpfe auf, die aus seiner Sicht nicht hätten verloren gehen dürfen: Da war zum Beispiel Mittelgewichtler Niklas Blöchl, der "zu zurückhaltend und passiv" in sein Duell bis 81 Kilogramm gegangen war. Oder Schwergewichtler Hugo Murphy (bis 90 kg), der an diesem Tag über Normalgewicht kämpfte und zunächst "nicht forsch und mutig genug" auf die Matte kam.

Englmaier nahm sich seine Kämpfer zur Seite, gab taktische Anweisungen. Blöchl und Murphy sind jene jungen Kämpfer beim TSV, die trotz ihrer 22 Jahre bereits seit einigen Jahren in der Bundesliga antreten und von denen die Trainer nun erwarten, dass sie mehr Verantwortung übernehmen. Der Durchbruch in der Profiklasse lässt noch auf sich warten. Die Bundesliga ist eigentlich genau das Experimentierfeld, wo Kämpfer wie Blöchl oder Murphy sich an die nationale Spitze gewöhnen können. Bislang sind sie aber meist noch unterlegen, wenn es gegen erfahrenere Gegner geht, wie diesmal Niklas Ebert oder Maximilian Schubert. "Sie waren etwas abgezockter", meinte Englmaier.

Und schließlich war Esslingen dann auch bei den internationalen Verstärkungen im Vorteil: Während bei Großhadern nur der Schwede Marcus Nyman (bis 90 kg), der einen Punkt aus zwei Duellen holte, verfügbar war, konnten die Gastgeber auf drei externe Kämpfer zurückgreifen, die vier von vier möglichen Punkten errangen. Den entscheidenden Zähler zum Abschluss erkämpfte der Georgier Giorgi Mesablishvili (bis 66 kg) gegen Christoph Köberlin in einem ungleichen Duell. Nach nur 13 Sekunden war der Kampf durch eine große Wertung beendet. Esslingen jubelte, die Münchner ließen die Köpfe hängen.

Ein Bild, das man bei dieser Paarung bereits aus den vergangenen Jahren kennt. Und immer ging es äußerst knapp zu: 2013 und 2014 schied Großhadern jeweils in der Finalrunde gegen den schwäbischen Rivalen Esslingen aus. Zweimal entschieden bei gleich viel gewonnenen Kämpfen die Wertungspunkte - knapper kann eine Begegnung in der Judo-Bundesliga nicht enden. Auch 2017 hatte Großhadern mit 6:8 in Esslingen in der Hauptrunde verloren und deswegen am Ende die Final-Qualifikation verpasst. Nur 2015, als die Mannschaft deutscher Meister wurde, setzten sie sich gleich zweimal in einer Saison gegen den Angstgegner durch.

Mit der Niederlage zum Auftakt steht Großhadern nun schon im zweiten Saisonkampf zu Hause gegen Leipzig (14. April, 16 Uhr) unter Zugzwang. Aufgrund des veränderten Bundesligamodus qualifizieren sich nur noch die besten zwei Klubs der Südstaffel für die Endrunde - diese Plätze wird Großhadern voraussichtlich mit Rekordmeister Abensberg, Esslingen und Leipzig ausmachen. Wer in den direkten Duellen nicht erfolgreich ist, wird wohl auch am Ende den Kürzeren ziehen. Die erste von drei Partien hat Großhadern jetzt schon verloren, eine weitere Pleite könnte also das Aus bedeuten.

Trainer Englmaier blickt dem Aufeinandertreffen mit Leipzig optimistisch entgegen. "Unsere U 20-Kämpfer werden wieder mit dabei sein, dazu die ein oder andere internationale Verstärkung." Ob die Bundeskaderathleten und Brüder Karl-Richard und Johannes Frey zum Einsatz kommen, ist noch fraglich, denn die Nationalmannschaft hat mittlerweile eindeutig Vorrang vor der Bundesliga. Deswegen fehlten beide auch am Auftakt-Wochenende. Gegner Leipzig hat aber derzeit selbst mit mehreren Ausfällen zu kämpfen, so dass Großhadern in der Favoritenrolle steckt. Diese hatten sie aber auch im vergangenen Jahr inne, als der Gegner Leipzig hieß: am Ende kostete eine knappe 6:8-Niederlage den Finaleinzug. Das soll nicht zur Gewohnheit werden.